Nachrichten 26.11.2018

Oral applizierter GLP1-Agonist erweist sich in kardiovaskulärer Hinsicht als sicher

Eine neue orale Formulierung der GLP1-Rezeptoragonisten Semaglutid, der derzeit noch subkutan appliziert werden muss,  hat in der randomisierten PIONEER-6-Studie die gestellten Ansprüche an die kardiovaskuläre Sicherheit voll erfüllt.

Diverse Antidiabetika aus den Wirkstoffklassen der SGLT2-Hemmer und der GLP1-Rezeptoragonisten haben in den letzten drei Jahren in großen klinischen Studien unter Beweis gestellt, dass sie nicht nur kardiovaskulär sicher sind, sondern Ereignisse wie Herztod und Herzinsuffizienz sogar deutlich verringern.

Und schon wieder kommt aktuell der Hersteller eines GLP1-Rezeptoragonisten der für ihn erfreulichen Pflicht nach,  der Öffentlichkeit „Top-Line“-Ergebnisse zum positiven Ausgang einer großen Endpunktstudie zur Frage der kardiovaskulären Sicherheit seines Blutzuckersenkers präsentieren zu müssen. Diesmal ist es das Unternehmen Novo Nordisk, das über den grundsätzlichen Ausgang der PIONEER-6-Studie informiert – ohne allerdings schon genaue Zahlen zu nennen.

Nachweis der „Nicht-Unterlegenheit” erbracht

Danach ist das primäre Studienziel, die klinische „Nicht-Unterlegenheit” von oral appliziertem Semaglutid bezüglich der Inzidenz schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und einem erhöhten Risiko im Vergleich zu Placebo nachzuweisen, erreicht worden. Bei der Rate für den primären kombinierten Studienendpunkt (kardiovaskulär bedingter Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall) bestand zwar ein Trend zugunsten der Semaglutid- Therapie (relative Risikoreduktion um 21%), jedoch erwies sich der Unterschied zwischen GLP1-Agonist und Placebo als statistisch nicht signifikant. Im Follow-up-Zeitraum der Studie von 16 Monaten waren insgesamt 137 kardiovaskuläre Endpunktereignisse registriert worden.

Signifikanter Unterschied bei der Mortalität

Auch in der oralen Formulierung kann Semaglutid damit als kardiovaskulär sicher gelten. Eine klinische Überlegenheit konnte in der Studie, an der 3.183 Patienten mit Typ-2-Diabetes teilgenommen hatten, hingegen nicht nachgewiesen werden. Wie Novo Nordisk mitteilt, war die orale Therapie mit Semaglutid allerdings mit einer  signifikanten relativen Reduktion der kardiovaskulären Mortalität um 51% (Hazard Ratio 0,49, p=0,03) und einer relativ um 49% niedrigeren Gesamtmortalität (HR 0,51; p=0,008) assoziiert.

Bei den beiden Endpunkt-Komponenten Myokardinfarkt (HR 1,18) und Schlaganfall  (HR 0,74) gab es jeweils keinen relevanten Unterschied. Angesichts des neutralen Ergebnisses beim primären kombinierten Endpunkt sollte der Unterschied bei der Mortalität, der gemäß statistischer Regeln nur als  „hypothesengenerierend“ gelten kann, nicht überbewertet werden.

Die orale Formulierung von Semaglutid muss von den zuständigen Gesundheitsbehörden in den USA und in der EU noch zugelassen werden. Das globale PIONEER-Forschungsprogramm zur klinischen Entwicklung von oralem Semaglutid umfasst zehn Studien mit insgesamt 8.845 beteiligten Patienten mit Typ-2-Diabetes. Alle Studien sollen 2018 abgeschlossen sein.

Auch SUSTAIN-6-Studie verlief erfolgreich

Die per subkutaner Injektion einmal wöchentlich zu applizierende Semaglutid-Formulierung hat ihren kardiovaskulären Sicherheitstest bereits in der 2016 publizierten SUSTAIN-6-Studie erfolgreich absolviert. In dieser Studie waren 3.297 Patienten mit Typ-2-Diabetes (davon 83% mit kardiovaskulären Erkrankungen) rund zwei Jahre lang mit Semaglutid in zwei unterschiedlichen Dosierungen (0,5 mg oder 1,0 mg subkutan einmal wöchentlich) oder mit Placebo behandelt worden.

Am Ende war die Rate für den primären Studienendpunkt (kardiovaskulär verursachter Tod, nicht tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall) in der Semaglutid-Gruppe signifikant um 26 % niedriger als in der Placebo-Gruppe. SUSTAIN-6 bestätigt damit die klinische „Nicht-Unterlegenheit“ von Semaglutid im Vergleich zu Placebo. Ungeachtet des signifikanten Unterschieds beim primären Endpunkt war die Studie statistisch nicht dafür „gepowert“, eine signifikante Überlegenheit des GLP-1-Agonisten aufdecken zu können.

Ausschlaggebend für die dokumentierte Risikoreduktion war eine signifikante relative Reduktion von nicht tödlichen Schlaganfällen um 39% und eine nicht signifikante Abnahme von nicht tödlichen Myokardinfarkten im Semaglutid-Arm. Anders als in PIONEER-6  bestand in SUSTAIN-6 hinsichtlich der kardiovaskuläre Mortalität und der Gesamtmortalität kein Unterschied zugunsten des GLP1-Agonisten.  

Literatur

Pressemitteilung der Unternehmens Novo Nordisk vom 23. November 2018:  Oral semaglutide demonstrates favorable cardiovascular safety profile and significant reduction in cardiovascular death and all-cause mortality in people with type 2 diabetes in the PIONEER 6 trial.

Highlights

Kardiothek

Alle Videos der Kongressberichte, Interviews und Expertenvorträge zu kardiologischen Themen. 

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Schlaganfall: Spezielle Strategie verbessert neurologische Prognose

Das Prinzip der „ischämischen Fernkonditionierung“ kommt ursprünglich aus der Herzmedizin, und hat hier in den letzten Jahren eher enttäuscht. Nun liefert eine randomisierte Studie Hinweise, dass das Konzept bei Schlaganfallpatienten funktionieren könnte.

Ticagrelor plus ASS: Mehr offene Venengrafts nach Bypass-OP

Eine duale Plättchenhemmung mit Ticagrelor plus ASS beugt Venengraftverschlüssen nach aortokoronarer Bypass-Operation besser vor als ASS allein, ergab jetzt eine Metaanalyse. Die höhere Effektivität hat aber ihren Preis.

Wie gefährlich ist (Wettkampf-)Sport bei Long-QT?

Menschen mit einem Long-QT-Syndrom wird von intensiverem Sport üblicherweise abgeraten. Eine französische Kohortenstudie deutet nun an, dass ein solch restriktiver Umfang nicht unbedingt vonnöten ist – doch die Sicherheit scheint an bestimmte Voraussetzungen geknüpft zu sein.

Aus der Kardiothek

Herzinsuffizienz: Optimal-Medikamentöse-Therapie (OMT), und ... was noch?

Medikamente sind die Eckpfeiler einer adäquaten Herzinsuffizienztherapie. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Optionen, die für manche Patienten eine Lösung darstellen können. Anhand von Fallbeispielen erläutert Dr. med. Andreas Rieth welche das sind.

Digitale Kardiologie anno 2022 – von Zukunftsvisionen bis sinnvollem Einsatz im Alltag

Die digitale Kardiologie ist nicht nur ein Trend, sie eröffnet eine realistische Chance, die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern. Dr. med. Philipp Breitbart gibt Tipps für den Einsatz solcher Devices im Alltag.

Muss eine moderne Herzinsuffizienztherapie geschlechtsspezifisch sein?

Medikamente wirken bei Frauen oft anders als bei Männern. Dr. med. Jana Boer erläutert, wie sich diese Unterschiede auf die pharmakologische Herzinsuffizienztherapie auswirken, und was Sie dabei beachten sollten.

Kardiothek/© kardiologie.org
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org