Nachrichten 28.10.2019

PCSK9-Hemmer ermöglicht über Jahre konstant starke Cholesterinsenkung

Der PCSK9-Inhibitor Evolocumab entfaltet auch auf längere Sicht eine starke und sich nicht abschwächende cholesterinsenkende Wirkung, belegen aktuell publizierte 5-Jahres-Ergebnisse der OSLER-1-Studie. Sie sprechen zudem für eine gute Sicherheit und Verträglichkeit dieser Therapie.

Die erstmals vor einem Jahr beim AHA-Kongress 2018 vorgestellten Ergebnisse der OSLER-1-Studie (Open Label Study of Long Term Evaluation Against LDL-C Trial) sind jetzt in finaler Form publiziert worden. Sie bezeugen, dass die starke Reduktion des LDL-Cholesterins durch den PCSK9-Hemmer Evolocumab (420 mg subkutan alle vier Wochen) von Dauer ist. Innerhalb von fünf Jahren blieb zudem die Rate an schwerwiegenden unerwünschten Effekten weitgehend konstant und mit der Rate unter Standardbehandlung vergleichbar.

Längstes Follow-up für einen PCSK9-Hemmer

Dass Evolocumab ein potenter Cholesterinsenker ist, haben mehrere Studien übereinstimmend unter Beweis gestellt. In der großen FOURIER-Studie konnte zudem gezeigt werden, dass eine Cholesterinsenkung mit Evolocumab bei Hochrisiko-Patienten mit atherosklerotischen Gefäßerkrankungen und zusätzlichen Risikofaktoren auch in eine Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen mündet. Die mediane Studiendauer war allerdings mit 26 Monaten relativ kurz.

Mit fünf Jahren ist das Follow-up der  OSLER-1-Studie erheblich länger und das bis dato längste für einen PCSK9-Hemmer. Die von einer Gruppe um Dr. Michael J. Koren vom Jacksonville Center for Clinical Research in Jacksonville initiierte Studie zeichnet sich durch ein spezielles Design aus. In die randomisierte offene Extensionsstudie waren  Patienten mit Hypercholesterinämie aufgenommen, die alle zuvor eine von fünf jeweils 12-wöchigen Phase-2-Studien mit Evolocumab durchlaufen hatten.

Am Ende dieser Vorgänger-Studien sind dann 1324 zur weiteren Teilnahme bereite Patienten per Randomisierung zwei Gruppen zugeteilt worden, in denen sie zunächst ein Jahr lang entweder nur eine Standardversorgung (standard of care, SOC, n=442) oder zusätzlich eine Behandlung mit Evolocumab (SOC plus Evolocumab, n=882)  erhielten. Nach Abschluss dieser einjährigen Phase sind  dann 1151 Teilnehmer unter Behandlung mit Evolocumab zusätzlich zur Standardversorgung über weitere vier Jahre nachbeobachtet werden (Gesamt-Follow-up: 4951 Patientenjahre). Rund 70% der Teilnehmer wurden bereits mit einem Statin behandelt.

LDL-C-Werte dauerhaft mehr als halbiert

Der mittlere Ausgangswert für das LDL-Cholesterin bei den 1.151 zur Wirksamkeitsanalyse herangezogenen Patienten betrug 140 mg/dl. Nach einem Jahr hatte Evolocumab in Relation zum Ausgangswert das LDL-Cholesterin um 59% auf nur noch 57 mg/dl reduziert. In der Vergleichsgruppe mit alleiniger Standardversorgung lag der mittlere LDL-Wert zu diesem Zeitpunkt bei 137 mg/dl.

In den folgenden vier Jahren betrugen die mit Evolocumab erreichten LDL-Reduktionen dann 56% (2. Jahr, n=1,071), 57% (3. Jahr, n=1,001), 56% (4. Jahr, n=943) und 56%  (5. Jahr, n=803). Die damit korrespondierenden mittleren LDL-C-Werte betrugen 61, 61, 62 und 61 mg/dl. Insgesamt lagen in dieser Zeit 67,0% aller unter Evolocumab-Behandlung gemessenen LDL-C-Werte im Bereich <70 mg/dl und  87,6% im Bereich <100 mg/dl.

Kein Fall von neutralisierenden Antikörpern

Die Gesamtrate aller angegebenen unerwünschten Begleiteffekte, die nicht zwangsläufig in ursächlichem Zusammenhang mit der Therapie stehen müssen, nahm von 80% im 1. Jahr auf schließlich 65% im 5. Jahr ab. In der Gruppe mit alleiniger Standardversorgung im ersten Jahr hatte sie bei 74% gelegen.

Die jährliche Rate an schwerwiegenden Nebenwirkungen unter Evolocumab war relativ konstant und bewegte in den fünf Jahren zwischen 6,9% und 7,9%. Sie unterschied sich damit ebenfalls nicht wesentlich von der in der SOC-Vergleichsgruppe im ersten Jahr beobachteten Rate (6,8%).

Im Gesamtzeitraum von fünf Jahren brachen insgesamt 27% aller Patienten die Evolocumab-Therapie ab (annualisierte Abbruchrate: 6,7%).  Bei 71 Patienten waren  – mit annehmender Tendenz –Nebenwirkungen der Grund für den Therapieabbruch. Die entsprechenden Abbruchraten betrugen 2,9% im 1. Jahr, 0,8% im 2. Jahr, 1,2% im 3. Jahr, 1,0% im 4. Jahr und 0,2%  im 5. Jahr. Neutralisierende Antikörper gegen Evolocumab traten im Studienzeitraum bei keinem Patienten auf.

Literatur

Koren J.M. et al.: Long-Term Efficacy and Safety of Evolocumab in Patients With Hypercholesterolemia, J Am Coll Cardiol 2019;74:2132–46

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