Onlineartikel 12.12.2018

Prävention ist bei Risikopatienten zu schlecht!

Ausgerechnet Menschen mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko haben häufig zu viel Bauchspeck. Und auch sonst hapert es an Präventionsmaßnahmen, wie eine aktuelle Untersuchung deutlich macht.

Menschen mit einem hohen kardiovaskulären Risiko setzen Präventionsmaßnahmen offenbar nicht ausreichend konsequent um. So zeigt eine Umfrage in 78 europäischen Hausarztpraxen, dass fast zwei Drittel (64%) dieses Patientenkollektivs zu viel Bauchfett aufweist (≥ 102 cm bei Männern bzw. ≥  88 cm bei Frauen).

In der beim Weltkongress in Dubai vorgestellten EUROASPIRE V-Studie sind insgesamt 2.759 Patienten mit traditionellen kardiovaskulären Risikofaktoren wie einem hohen Blutdruck oder hohen Cholesterin-Spiegel zu ihren Lebensstil befragt und entsprechend klinisch untersucht worden.

Es hapert aber nicht nur am Bauchspeck. Mehr als die Hälfte dieser Patienten (53%) wiesen trotz einer antihypertensiven Medikation einen Blutdruck von 140/90 mmHg oder darüber auf (oder ≥140/85 mmHg bei Diabetikern). Einen LDL-Cholesterin-Zielwert von weniger als 100 mg/dl erreichte ebenfalls noch nicht mal die Hälfte aller Teilnehmer (43%). 65% der Probanden mit Diabetes wiesen einen HbA1c-Wert von <7% auf.

Bei Diabetikern auch auf Blutdruck achten 

Fast ein Fünftel der Patienten (18%) waren Raucher, mehr als ein Drittel (36%) bewegt sich nach den derzeitigen Empfehlungen (mindestens 30 Minuten 5 × pro Woche) zu wenig. 37% waren übergewichtig (BMI: 25–29,9 kg/m²) und 44% adipös (BMI: ≥ 30 kg/m²).

„Diese Daten machen deutlich, dass in der kardiovaskulären Prävention von Risikopatienten mehr getan werden sollte“, wird die Studienleiterin Prof. Kornelia Kotseva in einer Pressemittelung der ESC zitiert. Wie diese Untersuchung gezeigt habe, würden viele Patienten mit hohem Blutdruck und Cholesterin-Spiegel gar nicht behandelt werden. „Menschen ist oft nicht bewusst, dass sie eine entsprechende Behandlung benötigen, sie gehen beispielsweise zum Hausarzt wegen ihres Diabetes, wissen aber nicht, dass sie auch einen hohen Blutdruck haben“, bemängelte die in London tätige Kardiologin.

Literatur

Pressemitteilung der ESC vom 7.12.2018: Nearly two-thirds of people at high risk of heart disease and stroke have excess belly fat

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Bildnachweise
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Webinar Rhythmuskontrolle bei Patienten mit Vorhofflimmern/© Kardiologie.org | Prof. Meyer [M]
Webinar Dyslipidämien mit Prof. Ulrich Laufs/© Kardiologie.org | Prof. Laufs [M]
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
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Live-Case AGIK/© DGK 2019
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Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018