Nachrichten 19.01.2023

Psyche stärken in der Reha verbessert Prognose

Eine von Pflegekräften ergänzend zur kardialen Rehabilitation angebotene kognitive Verhaltenstherapie ging in einer randomisierten Studie neben einer besseren Lebensqualität der Behandelten auch mit weniger kardiovaskulär bedingten Wiederaufnahmen einher.

Bis zu einem Drittel der Personen mit koronarer Herzerkrankung (KHK) sind psychisch belastet. Dies kann nicht nur die Lebensqualität beeinträchtigen, sondern ist auch mit einer erhöhten kardiovaskulären und Gesamtmortalität assoziiert. Psychische und KHK-Symptome wie Herzklopfen oder Brustschmerzen können schwer zu unterscheiden sein, was zusätzlich belasten kann. Eine in die kardiale Rehabilitation integrierte Gruppentherapie hat jetzt bei KHK-Patienten und Patientinnen zu weniger Ängsten und Depressionen, einer besseren Lebensqualität und weniger herzbedingten Wiedereinweisungen in die Klinik geführt.

In die randomisierte Studie von Annette Holdgaard vom Bispebjerg and Frederiksberg Hospital in Kopenhagen und ihrem Team wurden 147 Personen mit kardiovaskulären Erkrankungen, vor allem KHK, einbezogen. Alle hatten zudem eine psychische Belastung von mindestens acht Punkten für Angst und/oder Depression auf der Hospital Anxiety and Depression Scale (HDAS). 67% waren Männer und das mediane Alter lag bei 54 Jahren.

Die Teilnehmenden wurden in zwei Arme randomisiert: Entweder erhielten sie fünf Sitzungen einer kognitiven Gruppenverhaltenstherapie plus die übliche kardiale Rehabilitation (Interventionsgruppe) oder eine alleinige kardiale Rehabilitation (Kontrollgruppe). Personen mit schwerer psychischer Belastung oder psychiatrischer Diagnose wurden ausgeschlossen.

Niedrigerer HADS-Score nach drei Monaten

Primärer Endpunkt war der HADS-Score nach drei Monaten. In dieser Zeit verbesserte er sich in der Interventionsgruppe signifikant stärker als in der Kontrollgruppe, um 8,0 vs. 4,1 Punkte. Die Unterschiede waren nach sechs Monaten immer noch signifikant.

Verglichen mit den Kontrollpersonen hielt sich die Interventionsgruppe besser an den Rehabilitationsplan und wies nach sechs Monaten eine signifikant verbesserte herzbezogene Lebensqualität auf. Nach zwölf Monaten war das Risiko für eine kardiovaskulär bedingte Wiedereinweisung in der Interventionsgruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (16 vs. 33 Personen).

Das Forscherteam hatte auch eine nicht randomisierte Referenzgruppe mit 41 Erkrankten ohne psychische Belastung beobachtet, die ausschließlich an einer klassischen kardiovaskulären Rehabilitation teilnahmen, um den Einfluss der Zeit auf den HADS-Score zu untersuchen. Bei ihnen zeigte sich keine signifikante Veränderung des Scores im Laufe der Zeit.

Die kardiale Rehabilitation aller Teilnehmenden umfasste acht Wochen mit je zwei 90-minütigen Sitzungen mit Bewegung, Anpassung der Medikamente und Aufklärung über Risikofaktoren. Die jeweils zweistündigen Verhaltenstherapiesitzungen wurden von speziell geschulten Krankenschwestern geleitet und von einem Psychologen betreut. In Gruppen von drei bis vier Patienten und Patientinnen ging es um persönliche Werte, Einschränkungen durch die Herzerkrankung, Strategien zur Angstreduktion, Verhaltensanalyse und den Umgang mit Sorgen.

Ähnlicher Effekt in allen drei Kliniken

„Eine kognitive Verhaltenstherapie begleitend zu kardialer Rehabilitation scheint perspektivisch eine wirksame Behandlung von Ängsten und Depressionen bei Personen mit KHK oder Herzklappenerkrankungen zu sein“, lautet das Fazit der Forschenden um Holdgaard. Der Effekt sei in allen drei teilnehmenden Zentren ähnlich gewesen. Die Maßnahme sei einfach durchführbar und könne in bestehende Rehabilitationsprogramme integriert werden. Ob die Wirkung anhalte, müsse noch erforscht werden.

Prof. Susanne Pedersen von der University of Southern Denmark et al. bezeichnen die Ergebnisse in einem Begleitkommentar als vielversprechend. Die psychische Gesundheit anzusprechen und sie in die Rehabilitation zu integrieren, sei von entscheidender Bedeutung, da viele Menschen aus Angst vor Stigmatisierung nicht selbst entsprechende Hilfe suchten. Sie empfehlen, Rehabilitationsprogramme zu individualisieren, um den Bedürfnissen verschiedener Patienten und Patientinnen gerecht zu werden, und diese sowohl vor Ort als auch online anzubieten, um die Adhärenz zu steigern.

Literatur

Holdgaard A et al. Cognitive-behavioural therapy reduces psychological distress in younger patients with cardiac disease: a randomized trial. European Heart Journal 2023. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehac792

Pedersen S et al. Are we getting closer to treating heart and mind together and bridging the gap for individual patients attending cardiac rehabilitation? European Heart Journal 2023. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehac820

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