Nachrichten 15.07.2016

PUFA: Schutz vor Herztod, aber nicht vor Infarkten?

Biomarker für verschiedene mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren, PUFA) korrelieren negativ mit der koronaren Ereignisrate, nicht aber mit nicht-tödlichen Herzinfarkten. Das zeigt eine gepoolte Analyse von 19 internationalen Kohortenstudien.

Für die Analyse unter Federführung von Dr. Liana Del Gobbo von der Stanford University School of Medicine wurden Studien berücksichtigt, in denen Biomarker für Eicosapentaensäure (EPA), Docosapentaensäure (DPA), Docosahexaensäure (DHA) oder Alpha-Linolensäure (ALA) gemessen und mit kardiovaskulären Ereignissen korreliert wurden.

In der Regel handelte es sich um Primärpräventionsstudien, in denen die Patienten mediterrane Diäten oder andere Diäten zu sich nahmen, die reich an Seefisch und/oder PUFA-haltigen Pflanzen waren. In den Studien wurden die jeweiligen PUFA im Blutkreislauf direkt gemessen, in einigen Fällen auch in Gewebeproben. Primärer Endpunkt der gepoolten Analyse waren zum einen neu aufgetretene koronare Herzerkrankungen, außerdem separat davon tödliche KHK-Ereignisse sowie nicht-tödliche Herzinfarkte.

Im Ergebnis zeigte sich, dass zumindest ALA, DPA und DHA mit einer signifikant niedrigeren Rate tödlicher Koronarereignisse assoziiert waren, und zwar jeweils um etwa 10%. Keinen statistischen Zusammenhang gab es dagegen zwischen PUFA-Biomarkern und nicht-tödlichen Herzinfarkten. Beim Endpunkt neu aufgetretene KHK gab es lediglich für DPA eine statistisch signifikante Korrelation mit niedrigeren Inzidenzen, nicht dagegen für die anderen drei PUFA.

Vermutlich kein Effekt auf Atherosklerose

In der Diskussion ihrer Ergebnisse betonen die Autoren, dass die Analyse starke Hinweise darauf liefere, dass Omega-3-Fettsäuren zumindest bei diesen gesunden, mit einem Durchschnittsalter von 59 Jahren vergleichsweise jungen Menschen über einen Zeitraum von zehn Jahren kardioprotektiv sind. Sie weisen auch darauf hin, dass der Effekt der Omega-3-Fettsäuren wahrscheinlich nicht in einer Stabilisierung atherosklerotischer Plaques bestehe, da sonst auch nicht-tödliche Herzinfarkte verringert werden müssten.

Dies sei aber nicht der Fall. Die Daten bestätigten vielmehr Theorien, wonach mehrfach ungesättigte Fettsäuren am Kardiomyozyten membranstabilisierend seien und damit möglicherweise einem potenziell tödlichen, ischämieinduzierten Kammerflimmern entgegen wirkten. 

Literatur

Del Gobbo LC et al. ω-3 Polyunsaturated Fatty Acid Biomarkers and Coronary Heart Disease. JAMA Intern Med. 2016 Jun 27; doi: 10.1001/jamainternmed.2016.2925

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Bildnachweise
eHealth in der Kardiologie/© ra2 studio / stock.adobe.com
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Webinar Dyslipidämien mit Prof. Ulrich Laufs/© Kardiologie.org | Prof. Laufs [M]
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Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018