Nachrichten 05.04.2019

Reanimation: Auf die Herzdruckmassage kommt es an

Bei einem Kreislaufstillstand entscheidet eine schnelle Wiederbelebung über Leben und Tod. Eine schwedische Langzeitstudie deutet jetzt darauf hin, dass Ersthelfer guten Gewissens eine Herzdruckmassage ohne zusätzliche Beatmung anwenden können.

Für eine schwedische Studie wurden 18 Jahre lang Daten zur Wiederbelebung außerhalb von Krankenhäusern gesammelt. Sie unterstützen die These, dass eine Herzdruckmassage ohne zusätzliche Beatmung die bessere Variante der Reanimation ist, wenn die Ersthelfer Laien sind. Denn so erhalten mehr Menschen die lebensnotwendige Erste Hilfe, da die Hemmschwelle möglicherweise niedriger ist. Trotzdem besteht noch Verbesserungsbedarf.

Überlebenswahrscheinlichkeit verdoppelt sich

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Opfer überlebte, verdoppelte sich bei jeder Art der Reanimation im Vergleich zum Nichtstun – egal ob nur die Herzdruckmassage angewandt oder gleichzeitig beatmet wurde. In den europäischen Leitlinien wurde 2005 die reine Herzdruckmassage nur für Ersthelfer empfohlen, die keine Beatmung durchführen konnten oder wollten. 2010 wurde die Druckmassage ohne Beatmung bereits nachdrücklicher empfohlen.

Im Beobachtungszeitraum von 2000 bis 2017 hatte sich die Zahl der Opfer, die mithilfe einer Herzdruckmassage reanimiert wurden, versechsfacht. Die Studienautoren schreiben, dass diese einfacher anzuwenden sei als die Kombination mit der Mund-zu-Mund-Beatmung. Diese weglassen zu können, reduziere bei manchen Menschen die Angst, etwas falsch zu machen oder sich mit Krankheiten anzustecken.

Die Forscher um Dr. Gabriel Riva des Karolinska Instituts in Stockholm untersuchten den Zusammenhang zwischen der Art der Reanimation und dem Überleben der Patienten nach 30 Tagen. Sie nutzen dafür die Daten von 30 445 Patienten mit Herzstillstand aus dem schwedischen Register für Wiederbelebung. Insgesamt erhielten 40% keine erste Hilfe, 39% eine kombinierte Reanimation und 20% lediglich eine Herzdruckmassage.

Noch mehr Menschen sollten im Notfall eingreifen

Das Forscherteam unterschied drei Zeiträume, die den schrittweisen Änderungen in den schwedischen Leitlinien zum Thema Reanimation allein durch Herzdruckmassage entsprachen: 2000 bis 2005, 2006 bis 2010 und 2011 bis 2017. Die Zahl der Patienten, die überhaupt Erste Hilfe erhielten, stieg von 40,8% im Zeitraum von 2000 bis 2005 auf 58,8% im Zeitraum 2006 bis 2010 und auf 68,2% im Zeitraum 2011 bis 2017. Die Zahl derjenigen, die klassisch mit beiden Komponenten reanimiert wurden, stieg von 35,4% im ersten Zeitraum auf 44,8% im zweiten Zeitraum und sank im dritten Zeitraum wieder auf 38,1%. Die Anzahl derer, die nur mit Herzdruckmassage wiederbelebt wurden, stieg von 5,4% im ersten Zeitraum auf 14% im zweiten und 30,1% im dritten Zeitraum.

Trotz der Fortschritte erhalten nach wie vor zu wenige Patienten mit Herzstillstand die nötige Erste Hilfe. Bei einem Drittel der Opfer griff niemand ein, bevor der Notarzt kam. Hier sehen die Studienautoren noch Verbesserungsbedarf.

Literatur

Riva G et al. Survival in Out-of-Hospital Cardiac Arrest After Standard Cardiopulmonary Resuscitation or Chest Compressions Only Before Arrival of Emergency Medical Services: Nationwide Study During Three Guideline Periods. Circulation 2019. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.118.038179

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Bildnachweise
Vortrag von Ch. Liebetrau/© DGK 2019
Vortrag von M. Kreußer/© DGK 2019
Late Gadolineum Enhancement im MRT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
Diskussion P. Stachon vs. R. Autschbach/© DGK 2019
Vortrag von T. Schmidt/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018
Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018/© DGK