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11.06.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

REWIND-Studie vorgestellt

Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse durch Antidiabetika: Auch mit Dulaglutid klappt das!

Autor:
Peter Overbeck

Sechs Antidiabetika der neueren Generation reduzieren nachweislich nicht nur den Blutzucker, sondern auch die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse. Mit dem GLP-1-Rezeptoragonisten Dulaglutid, der in der aktuellen REWIND-Studie erfolgreich war, sind es nun sieben.

Ein weiteres Antidiabetikum neueren Typs liefert in einer randomisierten kontrollierten Studie den Nachweis, dass sich damit kardiovaskuläre Ereignisse verhindern lassen. In der beim Kongress der American Diabetes Association (ADA) in San Francisco präsentierten und simultan im Fachblatt „The Lancet“ publizierten REWIND-Studie hat nun auch der GLP-1-Rezeptoragonist Dulaglutid unter Beweis gestellt, dass mit diesem Blutzuckersenker die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse signifikant verringert werden kann. Prof. Hertzel Gerstein von der McMaster University in Ontario, Kanada, hat die Ergebnisse beim ADA-Kongress vorgestellt.

Kardiovaskuläres Risiko um 12% gesenkt

Die Rate für den primären Studienendpunkt – eine Kombination der Ereignisse kardiovaskulär verursachter Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall) – wurde demnach im Studienverlauf (im Median 5,4 Jahre) von 13,4% (Placebo-Gruppe) auf 12% (Dulaglutid-Gruppe) verringert. Der Unterschied entspricht einer moderaten, wenngleich signifikanten relativen Risikoreduktion um 12% durch Dulaglutid im Vergleich zu Placebo (Hazard Ratio [HR] 0,88, 95% CI 0,79–0,99; p=0,026).

Ausschlaggebend für diese  Risikoreduktion war die signifikante relative Abnahme von nicht tödlichen Schlaganfällen um 24% unter Dulaglutid-Therapie  (HR 0,76; 95% CI 0,61-0,95, p=0,017). Bezüglich der Endpunktkomponenten Myokardinfarkt (HR 0,96; 95% CI 0,79-1,16, p=0,65) und kardiovaskulärer Tod (HR 0,91 (95% CI 0,78-1,06, p=0,21) gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen Dulaglutid- und Placebo-Gruppe.

In die Studie waren in 24 Ländern insgesamt 9.901 Patienten mit Type-2-Diabetes und HbA1c-Werte von  9.5% oder niedriger (im Median 7,2%) und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse aufgenommen worden. Nur bei knapp einem Drittel der Teilnehmer war bereits eine kardiovaskuläre Erkrankung diagnostiziert worden. Additiv zur bereits bestehenden antiglykämischen Therapie hatten die Patienten eine Behandlung mit Dulaglutid 1,5 mg (subkutane Eigeninjektion einmal wöchentlich) oder Placebo erhalten.

Auch renale Komplikationen wurden reduziert

Auch das Risiko für mikrovaskuläre Komplikationen (Auge oder Niere) wurde durch Dulaglutid  signifikant um 13% verringert (18,4% vs. 20.6%; HR 0,87, 95% CI 0,79-0,95, p=0,002) – ein Effekt, der primär auf einer signifikanten Reduktion von renalen Komplikationen (Makroalbuminurie, GRF-Anstieg um 30% oder mehr, Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie)  um 15% beruhte  (HR 0,85; 95% CI 0,77-0,93, p=0,0004).

Hinsichtlich schwerer Nebenwirkungen bestand kein Unterschied zwischen beiden Behandlungsgruppen. Allerdings berichteten mit Dulaglutid behandelte Teilnehmer häufiger über gastrointestinale Beschwerden (47,4% vs. 34,1%, p<0·0001).

Größte und längste Endpunktstudie mit einem GLP-1-Agonisten

In den letzten Jahren haben drei GLP-1-Analoga – nämlich Liraglutid (LEADER-Studie) Semaglutid (SUSTAIN-6-Studie) und Albiglutid (Harmony Outcomes-Studie) – sowie drei SGLT2-Hemmer – nämlich Empagliflozin (EMPA-REG-OUTCOME-Studie), Canagliflozin (CANVAS-Studie) und Dapagliflozin (DECLARE-TIMI-58-Studie) - den Status einer evidenzbasierten Therapie zur Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit Typ-2-Diabetes erhalten. Mit den REWIND-Ergebnissen ist aus diesem Sextett unter Einschluss von Dulaglutid nun ein Septett geworden.

Unter allen kardiovaskulären Endpunktstudien mit GLP-1-Analoga ist REWIND die größte und bezüglich Follow-up-Dauer längste Studie. Sie hat zudem einen relativ hohen Anteil an Frauen (46,3%) und an Patienten mit Diabetes, die noch keine manifeste kardiovaskuläre Erkrankung  aufwiesen (68,5%) und insofern ein nicht ganz so hohes Risiko hatten.  Ihre Ergebnisse verleihen deshalb der Annahme stärkeren Rückhalt, dass bestimmte Antidiabetika der neueren Generation auch in der Primärprävention von kardiovaskulären Erkrankungen wirksam sein könnten.

Literatur

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