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20.12.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Nicht nur Blutdrucksenkung

Renale Denervation: Günstige Wirkung auch auf den Blutzucker?

Autor:
Peter Overbeck

Blutdrucksenkung ist wohl nicht der einzige Effekt der renalen Denervation. Diese interventionelle Behandlungsmethode scheint auch zur Verbesserung der Glukose-Homöostase beitragen zu können, wie aktuelle Ergebnisse einer Studie deutscher Experten belegen.

Nach Rückschlägen und Enttäuschungen war es um das zuvor als Innovation in der Hochdrucktherapie begeistert gefeierte Verfahren der renalen Denervation (RDN) vorübergehend still geworden. Inzwischen macht die Methode, die einmal als zusätzliche Option das Repertoire der antihypertensiven Therapien erweitern soll, wieder von sich reden.

In der Erforschung dieser katheterbasierten Methode geraten inzwischen auch mögliche Effekte jenseits der Blutdrucksenkung ins Blickfeld. So hat eine Arbeitsgruppe deutscher Experten um Prof. Roland Schmieder von der Friedrich-Alexander Universität in Erlangen-Nürnberg in ihrer aktuell als „Letter“ im „Journal oft he American College of Cardiology“ publizierten Studie Effekte der RDN auf den Glukose-Metabolismus genauer unter die Lupe genommen.

An der Studie waren 31 Patienten mit als „therapieresistent“ bestätigter Hypertonie beteiligt, deren Blutdruck trotz intensiver medikamentöser Behandlung (im Schnitt fünf Blutdrucksenker) nicht normalisiert werden konnte. Von den Teilnehmern wurden 22 als normoglykämisch eingestuft, während neun Teilnehmern ein „gestörter Nüchtern-Blutzucker“ attestiert wurde. Kein Teilnehmer hatte einen Diabetes mellitus oder nahm blutzuckersenkende Medikamente ein. Als Parameter der Glukose-Homöostase und sekretorischen Funktion der pankreatischen Betazellen wurden zu Beginn und nach sechs Monaten  C-Peptid, Pro-Insulin und Insulin nach Glukagon-Stimulation gemessen.

Blutzucker- und HbA1c-Werte nahmen ab

Sechs Monate nach der RDN stellten die Untersucher sowohl bei der Praxismessung  (153/90  mmHg vs. 140/83 mmHg) wie auch bei der ambulanten 24-Stunden-Blutdruckmessung (150/91 mmHg vs. 140/85  mmHg) eine signifikante Abnahme der Blutdruckwerte fest (jeweils p < 0,005). Parallel dazu war bezüglich der Nüchtern-Blutzuckerwerte eine signifikante Abnahme von initial 97,1 mg/dl auf 92,3 mg/dl zu verzeichnen (p=0,010). In dieser Zeit nahm zudem der HbA1c-Wert der Teilnehmer im Schnitt von zunächst 5,82% auf 5,58% ab (p=0,008). Und auch die anhand des HOMA-Indexes bestimmte Insulinresistenz zeigte sich sechs Monate nach RDN verbessert (p=0,004).

Die nach Stimulation mit Glukagon gemessene prozentuale Veränderung der C-Peptid- und Insulinspiegel war sechs Monate nach RDN jeweils signifikant stärker als zu Beginn (p = 0,042 für C-Peptid; p = 0,022 für Insulin). Im Hinblick auf Pro-Insulin bestand hier ein Trend in die gleiche Richtung (p = 0,088). Schmieder und seine Kollegen betonen, dass die prozentuale Veränderung beim C-Peptid nach Glukagon-Stimulation als Index für die Betazell-Funktion signifikant mit der prozentualen Veränderung des Nüchtern-Blutzuckers korrelierte.

Noch viel Forschungsarbeit nötig

Nach den Ergebnissen dieser kleinen Pilotstudie könnte sich eine durch RDN bewirkte Abnahme der Sympathikus-Aktivierung auch auf die Glukose-Homöostase günstig auswirken. Für die in diese Richtung voranschreitende Forschung bleibt aber noch viel Arbeit.

So räumt die Gruppe um Schmieder ein, dass das Fehlen einer Kontrollgruppe mit Scheinintervention (sham control) eine Limitierung ihrer Studie sei. Ob es für die Hoffnung, dass durch die gezeigte Verbesserung der sekretorischen Kapazität von Betazellen nach RDN womöglich  sogar die Entstehung von Typ-2-Diabetes verzögert werden kann, irgendwann eine wissenschaftliche Bestätigung geben wird, bleibt abzuwarten.

Literatur

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