Nachrichten 11.06.2020

Renale Denervation: konsistente Blutdrucksenkung in Hochrisiko-Gruppen

Die blutdrucksenkende Wirkung der renalen Denervation scheint unabhängig vom mit unterschiedlichen Begleiterkrankungen einhergehenden kardiovaskulären Risiko zu sein. Dafür sprechen Ergebnisse einer aktuellen Registerstudie.

Die katheterbasierte Methode der Renalen Denervation (RDN) hat ihre Tauglichkeit als blutdrucksenkende Therapie jüngst in drei randomisierten Studien bei Patienten mit unzureichend kontrollierter Hypertonie im Vergleich mit einer Scheinprozedur als Kontrolle (sham control) grundsätzlich unter Beweis gestellt. Unklar ist derzeit noch, welchen Einfluss das Ausmaß an Begleiterkrankungen, die mit einer gesteigerten Sympathikus-Aktivierung und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einhergehen, auf die Wirksamkeit der RDN hat.

Follow-up-Dauer von bis zu drei Jahren

Ergebnisse einer Analyse von im Zeitraum von drei Jahren erhobenen Registerdaten geben darüber nun Aufschluss. Danach war die nach RDN-Interventionen beobachtete Blutdrucksenkung dauerhaft und unabhängig davon, ob spezifische, mit einer Sympathikus-Aktivierung einhergehende Ko-Morbiditäten oder Risikofaktoren vorlagen oder nicht.

Ein internationales Autorenteam um die deutschen Kardiologen und RDN-Experten Prof. Felix Mahfoud und Prof. Michael Böhm, beide vom Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar, hat sich für ihre Studie „Real World“-Daten aus der Global Symplicity Registry (GRS)-Datenbank  vorgenommen. Gemäß Planung sollen bis zu 3.000 Hypertonie-Patienten mit unterschiedlichen kardiovaskulären Risikoprofilen in dieses Register aufgenommen und nach einer RDN-Prozedur wegen unkontrollierter Hypertonie drei Jahre lang nachbeobachtet werden.

Für die aktuelle Analyse konnte auf Daten von 2.652 Patienten aus 45 Ländern zurückgegriffen werden, von denen 2.466 die dreijährige Follow-up-Phase bereits durchlaufen hatten. Der durchschnittliche systolische Praxisblutdruck der Teilnehmer bei Studieneinschluss betrug 166,1/± 24,8 mmHg, bei einem korrespondierenden 24-Stunden-Blutdruck von 154,5± 18,2 mmHg.

Systolischer Blutdruck im Schnitt knapp 9 mmHg niedriger

Bezüglich der nach RDN beobachteten Blutdrucksenkung verglichen die Untersucher unter anderen ältere versus jüngere Patienten (Alter ≥65 versus <65 Jahre) und Patienten mit und ohne isolierter systolischer Hypertonie (ISH), mit und ohne Vorhofflimmern sowie mit und ohne Diabetes. Bei 1485 Teilnehmern (56%) war initial anhand des ASCVD-Scores  (atherosclerosis cardiovascular disease risk score) auch das individuelle Risiko für atherosklerotische Herz-und Gefäßerkrankungen ermittelt worden.

Die Analyse ergab im Gesamtkollektiv wie auch in den einzelnen Risikogruppen eine anhaltende und konsistente Senkung sowohl des Praxis- als auch 24-Stunden-Blutdrucks nach RDN-Behandlung. So war der systolische 24-Stunden-Blutdruck im Gesamtkollektiv nach drei Jahren in Relation zum Ausgangswert im Schnitt um −8,9± 20,1 mmHg niedriger. Vergleichbare Blutdruckreduktionen waren zu diesem Zeitpunkt in den Risikogruppen mit ISH (−8,6 ± 18,7 mmHg), mit Diabetes (−10,2 ± 17,9 mmHg), mit Vorhofflimmern (−10,0 ± 19,1 mm), mit chronischer Nierenerkrankung  (−10,1 ± 20,3 mm) sowie bei älteren Patienten  (−8,7 ± 17,4 mm) zu verzeichnen. 

Effekt unabhängig vom vaskulären Risiko

In der Subgruppe der Patienten mit den initial relativ höchsten  ASCVD-Risikoscores (≥ 20%) waren die 3-Jahres-Raten für Gesamtmortalität (8,4%), kardiovaskuläre Mortalität  (4,5%) und Klinikaufnahmen wegen neu aufgetretener Herzinsuffizienz (5,3%) erwartungsgemäß höher als bei Patienten mit niedrigeren Risikoscores. Die bei Messungen nach 6, 12, 24, und 36 Monaten festgestellten Reduktionen von Praxis- und 24-Stundenblutdruck waren jedoch unabhängig von den zu Beginn bestehenden Unterschieden beim ASCVD-Risikoscore der Teilnehmer.

An der Zahl der verordneten Antihypertensiva – in Schnitt waren es vier bis fünf  Blutdrucksenker – änderte sich im Studienverlauf nur wenig. Veränderungen der Medikation können daher nach Ansicht der Studienautoren nicht als Erklärung für die festgestellte Blutdrucksenkung herhalten. Eine routinemäßige Kontrolle der Therapieadhärenz erfolgte allerdings nicht in der Studie.

Die Ergebnisse der Registeranalyse sprechen nach Ansicht der Gruppe um Mahfoud dafür, dass sich mit der interventionellen RDN-Methode bei Patienten mit unterschiedlichen Risikokonstellationen eine konsistente und bis zu drei Jahre anhaltende Blutdrucksenkung erzielen lässt.

„Ungelöster ‘heiliger Gral’ der Technologie“

Allerdings zeigt die Erfahrung, dass der blutdrucksenkende Effekt der RDN von Patient zu Patient sehr variabel sein kann. Einige sprechen darauf mit einer besonders starken Blutdruckreduktion an, andere nicht. Seit einiger Zeit wird deshalb nach Prädiktoren für den Behandlungserfolg der RDN gesucht, um damit diejenigen Patienten identifizieren zu können, die gut auf die Methode ansprechen.

Zuverlässige Kriterien für eine gezielte Selektion dieser Patienten kann aber auch die aktuelle Analyse der Gruppe um Mahfoud nicht liefern. Insofern bleibe „die Identifizierung der wirklich optimalen Kandidaten für die Renale Denervation der ungelöste ‘heilige Gral’ dieser Technologie“, konstatiert Dr. Stephen Textor von der Mayo-Klinik, Rochester, in einem Begleitkommentar zur Studienpublikation.

Literatur

Mahfoud F. et al: Renal denervation in high-risk patients with hypertension. J Am Coll Cardiol. 2020;75:2879-2888.

Textor S.C.: Renal denervation and international registry data: where are we now? J Am Coll Cardiol. 2020;75:2889-2891.

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