Nachrichten 26.09.2019

Risikoreduktion durch Triglyzerid-Senkung: Sind es die Fette, oder ist es der Fisch?

Reduziert die Triglyzerid-Senkung das kardiovaskuläre Risiko? Dieser Frage hat sich jetzt eine Metaanalyse angenommen und kommt zu einem positiven Ergebnis. Die entscheidende Frage muss allerdings noch geklärt werden.

Klinische Studien zur Behandlung mit unterschiedlichen Lipidsenkern, die primär an den Triglyzeriden ansetzen, haben in der Vergangenheit unterschiedliche Ergebnisse im Hinblick auf eine Verringerung des kardiovaskulären Risikos erbracht. Da es in den letzten 18 Monaten einige neue Studien insbesondere mit Omega-3-Fettsäuren gab, haben sich Ärzte und Statistiker aus Boston jetzt an eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse gewagt.

Die Auswertung erfolgte auf dem Level einzelner Studien, nicht auf Basis individueller Patientendaten. Berücksichtigt wurden 24 randomisierte Studien mit je mindestens 400 Teilnehmern und mindestens einem Jahr Follow-up, in denen die Patienten entweder Fibrate, Niacin oder Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl eingenommen hatten. Insgesamt waren das knapp 200.000 Patienten, die in den diversen Studien rund 25.000 schwere kardiovaskuläre Ereignisse erlitten. Als zusätzliche Vergleichsgruppe wurde eine existierende Metaanalyse zu 25 Statin-Studien mit knapp 180.000 Teilnehmern herangezogen.

Die Herausforderung bestand natürlich darin, den LDL-Effekt von einem möglichen Triglyzerid-Effekt abzugrenzen. Dazu wurden zunächst die Effekte von non-HDL-C berechnet, einem Parameter, in den im Wesentlichen LDL-C und VLDL eingehen. Eine Verringerung von non-HDL-C war stark assoziiert mit einer Verringerung schwerer kardiovaskulärer Ereignisse. Die relative Risikoreduktion pro 1 mmol/l Absenkung des non-HDL-C betrug 21% (p<0,0001). Wurden im zweiten Schritt dann Statin-Effekte herausgerechnet, betrug die relativ Risikoreduktion pro 1 mmol/l Absenkung der Triglyzeride immer noch 16%. Auch das war statistisch klar signifikant. (95%-KI 0,75-0,94, p=0,0026)

Starker Einfluss der REDUCE-IT-Studie

Dass der Effekt so deutlich war, hatte einen Grund, und das war die vor knapp einem Jahr beim AHA-Kongress vorgestellte REDUCE-IT-Studie. In dieser Studie war ein verschreibungspflichtiges Omega-3-Fettsäure-Präparat (Icosapent-Ethyl) in einer sehr hohen Dosis von 4g pro Tag genutzt worden, das ausschließlich Eicosapentaensäure (EPA) enthielt. In der Studie wurde das Risiko eines primären, kombinierten Endpunktereignisses aus kardiovaskulärem Tod, nicht-tödlicher Herzinfarkt/Schlaganfall und Hospitalisierung wegen instabiler Angina oder koronarer Revaskularisation signifikant um ein Viertel von 22% auf 17,2% gesenkt.

Das habe stark auf die Metaanalyse durchgeschlagen, so die Autoren der aktuellen Publikation. Werde die REDUCE-IT-Studie ausgeklammert, bleibt eine relative Risikoreduktion pro 1 mmol/l Triglyzerid-Absenkung um 9% bestehen, was nicht mehr signifikant ist. An der Risikoreduktion pro 1 mmol/l LDL-C-Absenkung ändert sich dagegen nichts. Die Wissenschaftler haben auch Auswertungen getrennt nach Art und Menge der Omega-3-Fettsäuren vorgenommen und können zeigen, dass die Verringerung des kardiovaskulären Risikos in der Metaanalyse mit der Menge an pro Tag eingenommener EPA korreliert sowie dass Docosahexaensäure (DHA) keinen Effekt hat.

Es gibt noch Klärungsbedarf

Mit anderen Worten: Es gibt einen statistischen Zusammenhang zwischen Triglyzeridsenkung und schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen, der aber schwächer ist als im Fall der LDL-C-Senkung. Er wird in der Metaanalyse zudem überlagert von wahrscheinlich über die alleinige Triglyzeridsenkung hinausgehenden Effekten von EPA. Da das bisher aber nur durch eine einzige Studie nahegelegt wird, empfehlen die Autoren der Metaanalyse, laufende Studien mit hoch dosierten Omega-3-Fettsäuren vorerst abzuwarten.

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Bildnachweise
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018
Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018/© DGK