Nachrichten 10.07.2019

Rivaroxaban auch bei Kindern mit venöser Thromboembolie wirksam

Der Gerinnungshemmer Rivaroxaban scheint auch zur Behandlung von akuten venösen Thromboembolien bei Kindern geeignet zu sein. Dafür sprechen Ergebnisse einer aktuell vorgestellten randomisierten Phase-III-Studie. 

In der aktuell beim 27. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Thrombose und Hämostase (ISTH, International Society on Thrombosis and Haemostasis) in Melbourne vorgestellten EINSTEIN Jr-Studie ist Rivaroxaban erstmals bei Kindern mit akuten venösen Thromboembolien (VTE) getestet worden. Geprüft wurden Wirksamkeit und Sicherheit dieses nicht-Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulans (NOAK) im Vergleich zu einer Standardtherapie mit niedermolekularem Heparin oder Fondaparinux oder einem Vitamin-K-Antagonisten. 

Bei vier von 335 Kindern in der Rivaroxaban-Gruppe (1,2%) und  bei fünf von 165 Kindern in der Gruppe mit Standardtherapie (3,0%) trat in der Zeit der Nachbeobachtung erneut eine symptomatische VTE auf (Hazard Ratio 0,40; 95%-Konfidenzintervall 0,11 bis 1,41). Klinisch relevante Blutungen wurden bei zehn  Kindern in der Rivaroxaban-Gruppe (3,0%, keine schweren Blutungen) und bei drei Kindern in der Gruppe mit Standardbehandlung (1,9%, zwei schwere Blutungen, eine nicht schwere Blutung) beobachtet (Hazard Ratio 1, 58, 95%- Konfidenzintervall 0,51-6,27). 

„Wir haben gezeigt, dass die Verwendung der pädiatrischen, am Körpergewicht angepassten Rivaroxaban-Dosierung für die Behandlung von VTE bei Kindern wirksam ist und auch hinsichtlich der Sicherheit gute Ergebnisse liefert“, konstatiert Studienpräsentator Professor Christoph Male von der Abteilung für Kinderheilkunde der Medizinischen Universität Wien in einer Pressemitteilung des Unternehmens Bayer anlässlich der Vorstellung von EINSTEIN Jr beim ISTH-Kongress. 

„Ein wichtiger Schritt nach vorn“ 

„Die derzeitige Behandlung von VTE bei Kindern beruht oft auf der Injektion von Gerinnungshemmern und erfordert eine Laborüberwachung und Dosisanpassung. Bislang basierten die pädiatrischen Therapien mit Gerinnungshemmern vor allem auf Beobachtungsdaten und auf der Extrapolation von Daten, die bei Erwachsenen gewonnen wurden. Die EINSTEIN-Jr.-Studie ist ein wichtiger Schritt nach vorn für die Behandlung von VTE bei Kindern“, so Male weiter. Die Ergebnisse der neuen Studie stimmen nach seiner Einschätzung „mit den klinischen Ergebnissen überein, die bei erwachsenen Patienten sowie in anderen Untergruppen von Patienten mit Risikofaktoren im EINSTEIN-Programm beobachtet wurden.“

In die EINSTEIN-Jr-Studie waren in 28 Ländern insgesamt 500 Kinder von der Geburt bis zum Alter von 17 Jahren aufgenommen worden, bei denen wegen nachgewiesener akuter VTE bereits eine Heparinbehandlung initiiert worden war. Die Teilnehmer wurden im Verhältnis 2:1 randomisiert und einer Rivaroxaban- oder Standardtherapie zugeteilt. Rivaroxaban wurde dabei als Tablette oder als neu entwickelte Suspension in einer dem Körpergewicht angepassten Dosierung verabreicht, die einer Dosierung von 20 mg bei Erwachsenen entsprach. Die Behandlungsdauer betrug meist drei Monate, bei Kindern unter zwei Jahren mit Katheter-assoziierter VTE war sie mit nur einem Monat allerdings kürzer.

Literatur

Präsentation in einer “Late-breaking Trials”-Sitzung beim 27. Kongress der International Society on Thrombosis and Haemostasis (ISTH),  6. –10. Juli, Melbourne, Australien.

Presseinformation des Unternehmens Bayer vom 8. Juli 2019: Studie belegt Wirksamkeits- und Risikoprofil von Rivaroxaban bei Kindern mit venöser Thromboembolie. 

Highlights

Aktuelles zum Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier.

HRS-Kongress 2020 Science

Zwar musste auch die diesjährige Jahrestagung der Heart Rhythm Society in San Diego aufgrund der Corona-Pandemie kurzfristig abgesagt werden, aber für Ersatz wurde gesorgt: mit HRS 2020 Science – einer dreiteiligen Online- und On-Demand-Fortbildungsreihe. 

Das könnte Sie auch interessieren

„Kollateralschaden” der COVID-19-Pandemie: Infarktpatienten scheuen die Klinik

Viele Patienten mit schweren Herzinfarkten haben in Zeiten der COVID-19-Pandemie aus Furcht vor Ansteckung mit dem SARS-CoV-2-Virus nicht um Hilfe in Kliniken nachgesucht. Das bestätigt eine weltweite Erhebung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie.

EXCEL-Debatte: „PCI sollte zurückgestuft werden“

Es gibt eine neue Analyse randomisierter Studien zur Frage, ob eine PCI oder ein Bypass bei linker Hauptstammstenose die bessere Option ist. Die Autoren legen sich „pro Bypass“ fest, aber die EXCEL-Studienleitung bleibt bei ihrer Einschätzung.

Empagliflozin bei Herzinsuffizienz: Diuretikum der besonderen Art?

Wie ist der klinische Nutzen von Empagliflozin bei Herzinsuffizienz mechanistisch zu erklären? Einer neuen  Studie zufolge zeichnet sich der SGLT2-Hemmer durch ein vorteilhaftes diuretisches Wirkprofil aus, das günstige Effekte auf den Volumenstatus der Patienten verspricht.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Transthorakale Echokardiographie eines 55jährigen Patienten mit Leistungsknick und atypischen Thoraxschmerzen. Was ist zu sehen?

BNK-Webinar "Neue Optionen unter COVID-19 - Videosprechstunde und anderes…"

Die Coronakrise treibt die Digitalisierung der Kardiologie voran: Videosprechstunde, Telemedizin, Apps. Ganz einfach ist die Umsetzung in die Praxis jedoch nicht. Dr. Norbert Smetak, Kirchheim unter Teck, erläutert, welche technischen, rechtlichen und finanziellen Aspekte zu beachten sind.

BNK-Webinar "COVID-19 - tödliche Verläufe durch mikroangiopathische Schäden?"

Woran versterben COVID-19-Patienten? Prof. Alexandar Tzankov aus Basel erläutert anhand von Autopsieberichten, welche Schädigungen des SARS-CoV-2-Virus zum Tode führen. Einige dieser Befunde überraschen.

Bildnachweise
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Digitaler HRS-Kongress 2020/© [M] jamesteohart / Getty Images / iStock
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs, Mohamed Marwan, Universitätsklinikum Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org