Nachrichten 31.10.2019

Schützt Optimismus vor kardiovaskulären Erkrankungen?

Eine optimistische Einstellung ist mit einem verringerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tod assoziiert, ergab eine US-amerikanische Metaanalyse. Möglicherweise lässt sich das für die Prävention nutzen.

Menschen mit einer positiven Lebenseinstellung gelingt vieles besser, als denjenigen, die von vornherein zweifeln, zeigen Studien. Auch scheinen sie seltener an kognitiver Dysfunktion, Atemwegserkrankungen oder bestimmten Krebsarten zu erkranken. In einer Metaanalyse untersuchten Forscher jetzt erstmals die Assoziation von Optimismus mit kardiovaskulären Erkrankungen.

Die Forscher um Prof. Alan Rozanski vom Mount Sinai Hospital in New York analysierten für ihre Untersuchung 15 Studien aus den USA, Europa, Israel und Australien, die zwischen 2001 und 2017 publiziert worden waren. Dafür waren insgesamt rund 230.000 Personen zu ihrer Einstellung befragt worden, die meisten mithilfe des Life Orientation Test Revised (LOT-R). Dabei lässt sich anhand von Fragen das persönliche Maß an Optimismus und Pessimismus ermitteln, die Teilnehmer bewerten ihre Einstellung auf einer Skala von 1 bis 5. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug 14 Jahre.

Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei Optimisten um 35% geringer

Das Ergebnis: Die Optimisten hatten ein um 35% verringertes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, definiert als Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankung, nicht-tödlicher Herzinfarkt, Schlaganfall oder Angina pectoris. Ihr Gesamtmortalitätsrisiko war um 14% reduziert. Daran änderte sich auch nichts als Faktoren wie Geschlecht, sportliche Aktivität oder Depression herausgerechnet wurden. Je ausgeprägter die positive Grundhaltung war, desto geringer waren die Risiken.

Als Ursache vermuten die Forscher erstens, dass Optimisten eher Verhaltensweisen entwickeln, die Herz und Kreislauf schützen, wie etwa regelmäßige sportliche Aktivität oder bewusste Ernährung, während Pessimisten dazu tendieren, ihre Gesundheit zu vernachlässigen. Zweitens kann die Stimmung auch physiologische Reaktionen auslösen. Studien zeigten, dass sie Entzündungsprozesse, Hormonhaushalt, Endothelfunktion, Stoffwechsel, Telomere und Blutdruck beeinflussen kann, was wiederum chronische Krankheiten begünstigen kann.

Forscher halten Grundeinstellung für veränderbar

„Die Metaanalyse spricht dafür, Klinikpatienten Interventionen anzubieten, die Pessimismus vermindern und Optimismus fördern“, schlussfolgern die Autoren. Denkbar seien Verhaltenstherapie oder Techniken der positiven Psychologie  in der Rehabilitation oder ambulanten Gruppen.

Der Autor des Begleitkommentars der Studie Prof. Jeff Huffman vom Massachusetts General Hospital in Boston beschreibt die Studie als „sorgfältig und umfassend“. Er ist ebenfalls der Ansicht, dass die Gemütslage die kardiovaskuläre und allgemeine Gesundheit signifikant beeinflusst. Zudem verweist er auf weitere Metaanalysen, in denen eine Stärkung der positiven Sichtweise mit gesundheitlichen Vorteilen und einem verringertem Mortalitätsrisiko assoziiert war, selbst bei kranken Menschen. Es seien weitere Untersuchungen notwendig, etwa wie sich gesteigertes Wohlbefinden auf Faktoren wie körperliche Aktivität oder Biomarker auswirke.

Literatur

Rozanski A et al. Association of Optimism With Cardiovascular Events and All-Cause Mortality. A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Network Open 2019. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2019.12200 

Huffman J. Optimism and Health. Where Do We Go From Here? JAMA Network Open 2019. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2019.12211 

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