Nachrichten 04.11.2022

Schlechte Ernährung der Mutter, Übergewicht beim Kind

Wenn Mütter selbst viel hochverarbeitete Lebensmittel essen, scheint dies einer Studie zufolge das Risiko für Übergewicht und Adipositas bei ihren Kindern zu steigern – selbst wenn der Nachwuchs sich um einen gesünderen Lebensstil bemüht.

Weltweit steigt die Anzahl der Kinder mit Übergewicht oder Adipositas. Auch hochverarbeitete Lebensmittel wie verpackte Snacks, Softdrinks oder Fertiggerichte tragen dazu bei. Eine solche Ernährung bei Müttern ging in einer prospektiven Kohortenstudie mit einem erhöhten Risiko für übergewichtige oder adipöse Nachkommen einher, unabhängig von anderen Risikofaktoren im Lebensstil von Mutter und Kind.

Ein Team um Dr. Yiquing Wang von der Harvard Medical School in Boston nutzte für die Analyse Daten von mehr als 14.500 Müttern, die für die Nurses' Health Study II ihre Ernährung dokumentiert hatten, und von knapp 20.000 ihrer Kinder. Diese hatten im Alter von sieben bis 17 Jahren für die Growing Up Today Study I und II über ihre Gesundheit und ihren Lebensstil berichtet. Die Forschenden berücksichtigten auch BMI, körperliche Aktivität und Rauchstatus der Mütter sowie Ernährung, Bewegung und sitzend verbrachte Zeit der Kinder.

Um 26% erhöhtes Risiko beobachtet

Während der medianen Nachbeobachtungszeit von vier Jahren entwickelten 12% der Kinder (n = 2.471) Übergewicht oder Adipositas. Auch nach Adjustierung auf weitere Lebensstilfaktoren von Mutter und Kind ging der Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln der Mütter während der Kindererziehungszeit mit Übergewicht oder Adipositas bei ihren Nachkommen einher. Bei den Frauen mit dem höchsten Verzehr solcher Nahrung (12,1 Portionen/Tag) war das Risiko dafür um 26% höher als bei denen mit dem niedrigsten Verzehr (3,4 Portionen/Tag).

Zudem erfolgte eine Subgruppenanalyse mit 2.790 Müttern und 2.925 Kindern, für die Daten über die mütterliche Ernährung von drei Monaten vor der Zeugung bis zur Geburt der Kinder vorlagen. Das Forscherteam konnte jedoch keine signifikanten Assoziationen zwischen dem Verzehr hochverarbeiteter Produkte der Mütter in dieser Phase und späterem Übergewicht oder Adipositas ihrer Kinder feststellen.

Keine Kausalität bewiesen

Limitationen der Studie waren das beobachtende Design, sodass kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen werden konnte, ein möglicher Einfluss nicht gemessener Faktoren auf das beobachtete Risiko und dass es sich bei den Daten zur Ernährung um Eigenangaben der Teilnehmenden handelte. Die Angaben waren jedoch detailliert, erfolgten über einen relativ langen Zeitraum und stammten aus mehreren Studien.

Wang et al. plädieren für weitere Forschung, um die Ergebnisse zu überprüfen und die zugrundeliegenden Mechanismen zu verstehen. „Die Daten deuten darauf hin, dass Mütter davon profitieren könnten, den Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln zu verringern, um Übergewicht bei ihren Nachkommen zu verhindern“, lautet ihr Fazit. Die Forschenden raten, Ernährungsempfehlungen zu verfeinern und Programme zu etablieren, die die Ernährung von Frauen im gebärfähigen Alter verbessern, um die Gesundheit der Nachkommen zu fördern.

Literatur

Wang Y et al. Maternal consumption of ultra-processed foods and subsequent risk of offspring overweight or obesity: results from three prospective cohort studies. Journal of the British Medical Association 2022. https://doi.org/10.1136/bmj-2022-071767

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