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07.06.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Sterberisiko deutlich erhöht

Stress im Job schadet Herzpatienten fast so wie Rauchen

Autor:
Veronika Schlimpert

Herzpatienten sollten im Job besser einen Gang runter schalten. Denn ihr Sterberisiko steigt bei hoher Arbeitsbelastung deutlich an, wie sich in einer großen Kohortenstudie gezeigt hat – auch dann, wenn sie sonst einen gesunden Lebensstil pflegen.

Stress im Job ist tatsächlich schädlich für Herzpatienten, und zwar unabhängig von anderen traditionellen kardiovaskulären Risikofaktoren. Zu diesem Schluss kommen finnische Wissenschaftler, nachdem sie Daten aus sieben Kohortenstudien mit mehr als 3.441 bereits kardiometabolisch erkrankten Patienten ausgewertet haben.

Daher sei es unwahrscheinlich, dass die klassische Behandlung anderer kardiovaskulärer Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Hypercholesterinämie das durch Arbeitsstress bedingte erhöhte Sterberisiko senken könne, resümieren die Studienautoren um Dr. Mika Kivimäki.

Schädlicher als Cholesterin und Co

In der aktuellen Studie verursachte Arbeitsstress sogar mehr zusätzliche Todesfälle als erhöhte Cholesterinwerte, Übergewicht, körperliche Inaktivität und Alkoholkonsum. Der Risikoanstieg war fast genauso hoch wie für Raucher (52,1 bzw. 78,1 mehr Todesfälle pro 10.000 Personenjahre).

In einer multivarianten Analyse hatten die Patienten, die einer hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt waren oder deren Arbeitszeit nicht mit einem angemessenen Verdienst honoriert wurde, ein um 68% höheres Risiko, in den folgenden 14 Jahren zu versterben, als die nicht gestressten Personen.    

Liegt es wirklich am Stress?

Dass Stress mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einhergeht, ist keine neue Nachricht. Eine entsprechende Assoziation hat sich in vielen Untersuchungen gezeigt. Doch die Schwierigkeit an solchen Assoziationsstudien ist, zu verifizieren, ob die zu beobachtende Risikosteigerung tatsächlich der Arbeitsbelastung anzurechnen ist.  Denn chronisch überlastete Personen haben in der Regel auch eher weniger Zeit für Sport oder vernachlässigen eher ihre Medikamenteneinnahme usw..

„Doch in der aktuellen Studie wurde ein durch Arbeitsstress bedingter Mortalitätsanstieg selbst bei den Patienten beobachtet, deren kardiometabolische Erkrankungen erfolgreich behandelt waren, die also normotensiv, nicht übergewichtig sowie körperlich aktiv waren, die normale Cholesterinwerte hatten und nicht rauchten“, berichteten die Studienautoren in der Fachzeitschrift „The Lancet“.

 Trotz eines gesunden Lebensstils war das Risiko für die im Job gestressten Herzpatienten um das Doppelte erhöht (HR: 2,01). Selbst wenn die Patienten eine optimale Therapietreue an den Tag legten, stieg das Sterberisiko durch Arbeitsstress deutlich an (HR: 2,38).

Systematisches Screening und Stressmanagement 

In der aktuellen ESC-Leitlinie wird ein Stressmanagement für Herzpatienten bereits empfohlen. Die Evidenz für diese Empfehlung sei allerdings schwach, weisen Kivimäki und Kollegen hin. Die aktuelle Studie gibt dieser Empfehlung eine zusätzliche Berechtigungsgrundlage.

Der Nutzen einer systematischen Befragung von Patienten mit KHK, Diabetes oder Schlaganfall nach vorhandener Arbeitsbelastung und die Vorteile eines Stressmanagements bei diesen Patienten müssten aber erst in weiteren Studien evaluiert werden.

Die aktuelle Studie greift auf Daten des IPD-Work Consortiums zurück. Dabei handelt es sich um eine Datenbank, im Rahmen derer der Zusammenhang von Arbeitsstress und chronischen Erkrankungen untersucht wird.  In der aktuellen Analyse wurde sieben von ursprünglich zwölf darin inbegriffenen Kohortenstudien ausgewertet; 102.633 Teilnehmer wurden im Mittel 13,9 Jahre lang nachverfolgt, davon hatten 3.441 Personen zu Beginn eine kardiometabolische Erkrankung.

Literatur

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