Nachrichten 16.12.2019

Stressechokardiographie erlaubt Mortalitätsprognose

Bei Frauen, die in einer Stressechokardiographie schlecht belastbar sind, ist die kardiovaskuläre Sterblichkeit viermal höher als bei gut belastbaren Frauen. Auch bei normaler Herzfunktion ist das Sterberisiko erhöht.

Gute Belastbarkeit korreliert mit längerem Leben, das ist vielfach gezeigt. Bisher gibt es aber kaum Daten spezifisch für Frauen, und auch der Zusammenhang zwischen Belastbarkeit und unterschiedlichen Arten von Todesursachen ist nicht im Detail untersucht. Kardiologen aus Spanien liefern hierzu jetzt neue Daten. Sie haben insgesamt 4711 Frauen retrospektiv ausgewertet, bei denen bei bekannter KHK oder Verdacht auf KHK eine Stressechokardiographie mit Laufbandbelastung durchgeführt worden war.

Die Patientinnen, die bei Untersuchung im Mittel 64 Jahre alt waren, wurden im Median 4,6 Jahre lang begleitet. Stratifiziert wurde nach Belastbarkeit. Wer mehr als 10 metabolische Äquivalente (MET) erreichte, galt als gut belastbar, wer darunterblieb als schlecht belastbar. 10 MET sind relativ anstrengend. Bei schnellem Joggen wird üblicherweise von 6 bis 8 MET ausgegangen. 10 MET, so die Wissenschaftler, entspreche in etwa der Fähigkeit, flott bis in den vierten Stock zu rennen, ohne dabei pausieren zu müssen.

Kardiovaskuläre Mortalität schlecht belastbarer Frauen knapp viermal so hoch

Wurde diese Definition von „guter Belastbarkeit“ zugrunde gelegt, dann erlaubte das in mehrerlei Hinsicht Prognosen zur Sterblichkeit. Zum einen war die kardiovaskuläre Sterblichkeit von schlecht belastbaren Probandinnen mit 2,2% pro Jahr annähernd viermal so hoch wie die kardiovaskuläre Sterblichkeit gut belastbarer Probandinnen (0,6%). Auch die Krebssterblichkeit war mit 0,9% versus 0,4% rund doppelt so hoch, und Todesereignisse ganz anderer Ursache waren mit 1,4% versus 0,2% ebenfalls wesentlich häufiger.

Die Kardiologen untersuchten außerdem, inwieweit es Zusammenhänge zur Herzfunktion gab. Dabei zeigte sich erwartungsgemäß, dass Patienten mit schlechter Herzfunktion unter Belastung eine höhere kardiovaskuläre Sterblichkeit aufwiesen. Die Herzfunktion war aber nicht prädiktiv im Hinblick auf nicht kardiovaskuläre Todesursachen. Insgesamt zeigten die Daten, dass eine Stressechokardiographie sich gut dazu eigne, nicht nur die kardiovaskuläre Prognose, sondern auch die Gesamtprognose einzuschätzen, betonte Studienleiter Dr. Jesús Peteiro, der seine Ergebnisse beim EuroEcho 2019 Kongress in Wien vorstellte.

Literatur

Peteiro JC. Prediction of different causes of mortality by exercise echocardiography in women. EuroEcho 2019. 7.12.2019. Session Stress Echocardiography in 2020. FP1676

European Society of Cardiology. Women, exercise and longevity. Pressemitteilung 7.12.2019.

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Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs, Mohamed Marwan, Universitätsklinikum Erlangen
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