Nachrichten 06.02.2018

Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren ohne kardioprotektiven Nutzen

Eine Supplementierung von marinen Omega-3-Fettsäuren lässt den erhofften Schutzeffekt gegen koronare oder vaskuläre Ereignisse  gänzlich vermissen.  Zu diesem Ergebnis gelangt eine internationale Autorengruppe („Omega-3- Treatment Trialists‘ Group“) in einer Metaanalyse aller relevanten randomisierten Studien.

Dass eine vermehrte Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren marinen Ursprungs wie Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse verringert, mag ja zutreffen – wenn die Zufuhr mit der Nahrung über einen vermehrten Konsum von Fisch mit der Nahrung erfolgt. Für die Supplementierung dieser Fettsäuren in Form von sogenannten „Fischöl“-Kapseln gilt dies aber anscheinend nicht.

Die in der „Omega-3- Treatment Trialists‘ Group“ kooperierenden Autoren einer neuen Metaanalyse kommen nämlich nach einer umfangreichen Auswertung von zehn großen randomisierten  Studien jetzt zu dem Ergebnis, dass eine solche Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren mit keiner signifikanten Reduktion von tödlichen oder nicht-tödlichen Koronarereignissen oder vaskulären Komplikationen assoziiert ist.

Dieses Ergebnis lässt die in einigen Leitlinien ausgesprochene Empfehlung zugunsten einer solchen Supplementierung als  fragwürdig und korrekturbedürftig erscheinen. So wird eine solche Prophylaxe  etwa in den US-Leitlinien der American Heart Association bei Patienten mit manifester KHK oder systolischer Herzinsuffizienz als vertretbar erachtet.

Diskrepante Studienlage

In der Tat gibt es einzelne Studien wie GISSI Prevenzione oder JELIS, die eine präventive Wirksamkeit der Einnahme von Omega-3-Supplementen nahelegen. Insgesamt ist die Studienlage aber alles andere als eindeutig. Das hat internationale Autoren einschlägiger Studien dazu veranlasst, sich unter Leitung von Dr. Robert Clark aus Oxford zur „Omega-3- Treatment Trialists‘ Group“ zusammenzuschließen. Ziel war, die Ergebnisse aus zehn randomisierten kontrollierten Studien, in denen eine Omega-3-Supplementierung in unterschiedlichen Dosierungen mit Placebo oder einer Nicht-Behandlung verglichen worden ist, metaanalytisch auszuwerten. Studien zum Fischverzehr gingen nicht in die Analyse ein.

Beteiligt an den Studien waren  insgesamt 77.917 Personen mit vorbestehender vaskulärer Erkrankung oder einem hohen Risiko für entsprechende Erkrankungen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei  64 Jahren. Während der Studienlaufzeit, die im Mittel 4,4 Jahre betrug, wurden  6.273 KHK-Ereignisse (2695 koronar verursachte Todesfälle und 2276 nicht tödliche Myokardinfarkte)  sowie  12 001 schwerwiegende vaskuläre Ereignisse einschließlich Schlaganfälle  registriert.

Auch in Subgruppen keinen Vorteil entdeckt

Die Zuteilung zur Gruppe mit Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren war mit keiner signifikanten Abnahme von koronar bedingten Todesfällen (Rate Ratio [RR] 0,93; 99%CI 0,83-1,03; p=0,05), von nicht tödlichen Myokardinfarkten (RR 0,97; 99%CI, 0,87-1,08; p=0,43) und  von jeglichen Koronarereignissen (RR 0,96; 95%CI 0,90-1,01; p=0,12) assoziiert. Auch beim Endpunkt schwerwiegende vaskuläre Ereignisse  (RR, 0,97; 95% CI 0,93-1,01; p=0,10) zeigte sich kein signifikanter Vorteil zugunsten der Supplementierung. Bei näherer Betrachtung diverser Subgruppen (etwa Patienten mit oder ohne Diabetes, Hypercholesterinämie oder Statin-Therapie) fanden sich ebenfalls keine Hinweise auf einen möglichen Effekt.

Die Autorengruppe konstatiert deshalb, dass die Ergebnisse ihrer Metaanalyse die in einigen Leitlinien enthaltene Empfehlung zugunsten einer präventiven Gabe von Omega-3-Fettsäuren bei Patienten mit Koronarerkrankung nicht stützen. Das schließe einen Nutzen als vorbeugende Therapie nicht grundsätzlich aus. Für dessen Nachweis bedürfe es allerdings der Ergebnisse von weiteren, derzeit laufenden klinischen Studien. Besonders  interessant sind in diesem Zusammenhang  nach Einschätzung der Autoren um Clark die beiden Studien STRENGTH und REDUCE-IT, in denen  die supplementierten Omega-3-Fettsäuren in relativ hoher Dosierung verabreicht werden.

Literatur

Theingi Aung et al.: Associations of Omega-3 Fatty Acid Supplement Use With Cardiovascular Disease Risks Meta-analysis of 10 Trials Involving 77 917 Individuals. JAMA Cardiology 2018, doi:10.1001/jamacardio.2017.5205

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