Skip to main content
main-content

20.07.2017 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Blick in die Praxis

Tabakentwöhnung nach akutem Koronarsyndrom lässt zu wünschen übrig

Autor:
Peter Overbeck

Tabakentwöhnung wird bei Rauchern nach einem akuten Koronarsyndrom anscheinend  nicht konsequent genug betrieben. Verschreibungspflichtige Wirkstoffe zu medikamentösen Unterstützung der Entwöhnung werden in dieser Situation jedenfalls nur sehr selten verordnet, belegen Daten einer US-Studie.

Ein Herzinfarkt kann auch Gutes bewirken. Experten halten den Zeitpunkt eines solchen Ereignisses für besonders günstig, um davon betroffene Raucher zu motivieren, ihrer Sucht endgültig zu entsagen. Dabei können auch Medikamente, die abstinenzwillige Raucher bei der Entwöhnung unterstützen, hilfreich sein.

Doch wie oft wird diese Hilfe in der Sekundärprävention bei Rauchern mit akutem Koronarsyndrom in Anspruch genommen? Äußerst selten – und wenn doch, dann zumeist kürzer als empfohlen, berichten jetzt US-Forscher um Dr. Neha Pagidipati vom Duke Clinical Research Institute in Durham in „JAMA Cardiology“.

Die Gruppe hat für die Zeit zwischen 2007 und 2013 in einem großen US-Herzinfarktregister 9193 Personen ausfindig gemacht, die zum Zeitpunkt ihres Infarkts Raucher waren. Dann wurde ermittelt, wer von ihnen in der ersten drei Monaten nach dem Infarkt Medikamente als Entwöhnungshilfe (Bupropion, Vareniclin) verschrieben bekommen hatte.

Nur in 7% wurde Bupropion oder Vareniclin verschrieben

Ergebnis: Zwar hatten 97% aller Infarktpatienten während der Zeit des Klinikaufenthalts eine Beratung bezüglich Rauchstopp erhalten. Doch nur 647 (7%) hatten in der frühen Phase nach dem Ereignis zusätzlich Medikamente als Hilfe bei der Tabakentwöhnung bekommen, davon 47% Bupropion und 53% Vareniclin. Die Verordnungsquote sank im Fall von Vareniclin zwischen 2007 und 2013 von anfänglich 12,6% auf nur noch 2,2%, im Fall von Bupropion stieg sie nur leicht von 2,5% auf 3,2%.

Die anhand der Verschreibungen ermittelte Dauer der Medikation betrug im Median nur 6,2 Wochen (Bupropin) und 4,3 Wochen (Vareniclin). Empfohlen wird üblicherweise eine Behandlungsdauer von 12 Wochen. Die Wahrscheinlichkeit einer  frühen Verordnung von medikamentösen Entwöhnungshilfen war bei jüngeren  Patienten sowie Frauen höher, ebenso bei Patienten mit  Lungenerkrankungen, koronaren Revaskularisationen und PAVK.

Die Studienautoren sprechen angesichts dieser Zahlen von einer „verpassten Gelegenheit”, Patienten mit Koronarerkrankung zum Verzicht auf Tabakkonsum zu bewegen, um so das Risiko für ein erneutes kardiovaskuläres Ereignis zu reduzieren.

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

Expertenrückblick auf die letzten Kongresse – das sollten Sie wissen

Fischöl ist anscheinend hochwirksam und der Mitraclip wirkt doch. Eine Expertenrunde hat in Leipzig die Highlights des diesjährigen AHA- und TCT-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

Aus der Kardiothek

09.12.2018 | Expertenvorträge | Onlineartikel

Expertenrunde diskutiert aktuelle Studienlage und die Praxisrelevanz

Eine Expertenrunde hat sich mit den Highlights des diesjährigen ESC-Kongresses auseinandergesetzt – kritisch, kurz und präzise. Was ist praxisrelevant, was nicht? 

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

04.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Knifflige Situationen nach Sonden-Extraktionen

Was tun, wenn bei Anzeichen einer Sonden-Infektion kein Erreger nachweisbar ist. Und was macht man, wenn nach der Explantation Überbleibsel (Ghosts) zu sehen sind?  Dr. Götz Buchwalsky erklärt den richtigen Umgang mit solchen Problemsituationen. 

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise