Skip to main content
main-content

13.06.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko

Übergewicht begünstigt Bluthochdruck schon bei kleinen Kindern

Autor:
Joana Schmidt

Übergewichtige Vierjährige haben ein doppelt so hohes Risiko bis zum Alter von sechs Jahren Bluthochdruck zu entwickeln wie gesunde Gleichaltrige. Dadurch könnte sich langfristig ihr Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen, legt eine neue Studie nahe.

Im Jahr 2016 waren nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation weltweit mehr als 41 Millionen Kinder unter fünf Jahren übergewichtig und es werden immer mehr. Sie sind gefährdet, bis ins Erwachsenenalter fettleibig zu bleiben und früher Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen zu entwickeln.

Die Forscher um Dr. Iñaki Galán vom Carlos III Health Institut in Madrid stellten fest, dass übergewichtige Vierjährige ein 2,49- bis 2,54-mal höheres Risiko für Bluthochdruck hatten als gesunde Kinder. Bei den fettleibigen Kindern war es sogar 2,81- bis 3,42-mal höher als bei gesunden Gleichaltrigen. Kinder, die bis zur Nachuntersuchung abgenommen hatten, hatten kein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck. 

Übergewicht bei Kindern nicht unterschätzen

Um mehr über den Zusammenhang von Übergewicht und Bluthochdruck herauszufinden, untersuchte die Arbeitsgruppe 1.796 Kinder im Alter von vier Jahren und zwei Jahre später als Sechsjährige. Zu beiden Zeitpunkten wurden Blutdruck, Body Mass Index (BMI) und Taillenumfang gemessen.

„Dass viele Eltern glauben, Übergewicht bei Kindern habe keine Konsequenzen, behindert die Lösung des Problems“, sagte Studienautor Galán in einer Pressemitteilung der ESC (European Society of Cardiology). „Sie sollten mit den Kindern körperlich aktiver sein und auf gesunde Ernährung achten. Frauen sollten Übergewicht vor und während der Schwangerschaft vermeiden und mit dem Rauchen aufhören, da beides Risikofaktoren für Fettleibigkeit bei Kindern sind.“

Auch die Schule spielt nach Ansicht der Studienautoren eine wichtige Rolle: Der Lehrplan solle drei bis vier Stunden körperliche Aktivität pro Woche vorsehen und nach dem Unterricht solle es Spiel- und Sportangebote geben. Auch hier seien ausgewogene Mahlzeiten und gesunde Snacks wichtig.

Routineuntersuchungen könnten helfen

Ärzte sollten bei Kindern routinemäßig BMI und Taillenumfang bestimmen, so Galán. Die Studie zeige, dass Übergewicht und Fettleibigkeit nicht erst im Jugendalter schädliche Auswirkungen habe, wie manche Ärzte fälschlicherweise glauben. Die Studienautoren plädieren deshalb dafür, Übergewicht so schnell wie möglich zu erkennen und gegenzusteuern, um die negativen Auswirkungen auf den Blutdruck rückgängig zu machen.

Sie empfehlen, dass übergewichtige Kinder ihren Blutdruck messen lassen. Bei kleinen Kindern ist die häufigste Ursache für Bluthochdruck Übergewicht, aber auch Herzfehler, Nierenerkrankungen oder genetische Erkrankungen sind mögliche Gründe. Wenn eine Veränderung des Lebensstils nicht hilft, können blutdrucksenkende Medikamente verschrieben werden.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

 

Highlights

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Aus der Kardiothek

16.04.2019 | Quiz | Onlineartikel

Patientin mit Fieber und Tachykardie – die Ursache verrät das Röntgenbild

Röntgenaufnahme des Thorax im Stehen bei einem 43 jährigen Patienten mit Fieber und Tachykardie. Was ist zu sehen?

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise