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11.05.2017 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Prävention

Ungesunder Lebensstil: Zu vielen Risikopatienten fehlt die Einsicht

Autor:
Veronika Schlimpert

Trotz eines hohen kardiovaskulären Risikos fehlt bei einigen Menschen die Einsicht, ihren ungesunden Lebensstil abzulegen. Wie eine Umfrage andeutet, scheinen bestimmte Risiken weniger im Bewusstsein der Bevölkerung zu sein.   

Eigentlich sollte es klar sein: Wer raucht und übergewichtig ist, an Bluthochdruck leidet und sich auch noch zu wenig bewegt, sollte an seinem Lebensstil etwas ändern. Sonst drohen Herzinfarkt, Schlaganfall oder sonstige kardiovaskuläre Komplikationen. Doch trotz dieses Wissens fehlt einigen Menschen wohl die Einsicht, etwas für ihre Gesundheit zu tun.

So ergab eine Umfrage von 45.443 kanadischen Bürgern, dass in etwa jede fünfte Person trotz eines hohen kardiovaskulären Risikos es nicht für nötig hält, an ihrem ungesunden Lebensstil etwas zu ändern.

Als hohes Risiko galt, wenn fünf oder mehr modifizierbare kardiovaskuläre Risikofaktoren vorlagen, die als solche in der INTERHEART-Studie identifiziert worden sind; dazu zählen Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, abdominale Adipositas, psychosoziale Faktoren, kein täglicher Konsum von Früchten und Gemüse, übermäßiger Alkoholkonsum, geringe körperliche Aktivität und Dyslipidämie, wobei letzteres in dieser Umfrage nicht berücksichtigt wurde.

Immerhin wollen die meisten etwas tun

Ganz so deprimierend ist das Ergebnis der Analyse dann aber doch nicht. Immerhin wollten die meisten der Befragten (73,6%), die mindestens einen Risikofaktor angaben, ihren Lebensstil entsprechend ändern; 81,1% von ihnen wollten dies im darauffolgenden Jahr in Angriff nehmen.

Generell gab es auch einen Zusammenhang, dass je mehr Risiken vorlagen, desto eher die Patienten gewillt waren, dagegen anzugehen. Die Motivation war allerdings abhängig vom jeweiligen Risiko.

Bei Rauchern, Übergewichtigen und inaktiven Personen war die Motivation besonders hoch; hier gab es eine klare Assoziation zwischen dem Vorhandensein des Risikofaktors und der Einsicht einer Lebensstilanpassung. Weniger ausgeprägt war das Bewusstsein bei Menschen mit einem hohen Stresslevel oder ungesundem Ernährungsverhalten. Bei Diabetikern, Bluthochdruckpatienten und dem Alkohol zugeneigten Personen war ein solcher Zusammenhang überhaupt nicht vorhanden.   

Womöglich nehmen viele Diabetiker und Hypertoniker an, dass ihrer Erkrankung medikamentös schon gut kontrolliert und daher eine Lebensstiländerung nicht unbedingt von Nöten sei, erklären sich die Autoren dieses Ergebnis. Der Zusammenhang von Alkoholkonsum und der kardiovaskulären Gesundheit sei wiederum komplex, weshalb das Ausmaß dieses Risikofaktors in der Bevölkerung wahrscheinlich unterschiedlich wahrgenommen werde. Ob das Gläschen Wein nun schadet oder nützt, ist ja auch immer noch umstritten.

Nicht überraschend zeigt diese Analyse auch, dass Frauen, jüngere, gebildetere und besser verdienende  Menschen eher dazu geneigt waren, ein gesundheitsbewusstes Verhalten an den Tag zu legen.

Als Grund, dies nicht zu tun, nannten die meisten Befragten eine fehlende Willenskraft und Selbstdisziplin. Zu den Top Drei der von den Teilnehmer angegebenen Hürden zählten zudem die Arbeit und familiäre Gründe. Weniger relevant für die Motivation waren demnach Stress und mögliche Kosten, weniger als 5% der Befragten gaben dies als Ursache an, nichts an ihrem Lebensstil ändern zu wollen.

Natürlich kann eine solche Umfrage nicht ein vollständiges Stimmungsbild der Bevölkerung abbilden, worauf auch die Studienautoren hinweisen. Der Wille etwas zu tun, bedeutet zudem nicht zwangsläufig, dass es auch getan wird.

Literatur