Nachrichten 13.11.2016

Verbessert Blutdruck- und Lipidsenkung kognitive Funktionen?

Eine medikamentöse Blutdruck-und Lipidsenkung beeinflusst die kognitive Leistungsfähigkeit von älteren Menschen ohne kardiovaskuläre Erkrankungen zumindest im Zeitraum von rund fünf Jahren anscheinend weder positiv noch negativ. Darauf lassen Ergebnisse einer Subanalyse von Daten der HOPE-3-Studie schließen.

Die HOPE-3-Forschergruppe wollte mit ihrer Studie bekanntlich klären, ob Blutdruck- und Cholesterinsenkung als primärpräventive Strategien auch bei Menschen mit niedrigerem kardiovaskulären Risiko eine vorbeugende Wirkung auf koronare und zerebrovaskuläre Erkrankungen haben.

Primärprävention im Blickpunkt

Das im März 2016 präsentierte Hauptergebnis lautete: Die Blutdrucksenkung mit einer Kombination aus Candesartan/Hydrochlorothiazid in fixer Dosierung zeigte nach einer Beobachtungsdauer von im Schnitt 5,6 Jahren insgesamt keinen signifikanten Effekt auf kardiovaskuläre Ereignisse. Dagegen wurde die Ereignisrate durch eine Behandlung mit Rosuvastatin im Vergleich zu Placebo signifikant um relative 24 Prozent gesenkt. Die kombinierte Therapie brachte nur wenig mehr als die Monotherapie mit Rosuvastatin.

Für die Studie sind insgesamt 12.705 Menschen im Alter über 55 Jahre (Männer) und über 60 Jahre (Frauen) ohne manifeste kardiovaskuläre Erkrankung aufgenommen worden. Sie mussten aber mindestens einen Risikofaktor wie abdominelle Adipositas, Rauchen oder positive KHK-Familienanamnese aufweisen.

Der mittlere Ausgangs-Blutdruckwert der Teilnehmer in der Gruppe mit Blutdrucksenkung betrug 138/82 mmHg. Die weitere Absenkung um im Mittel 6,0/3,0 mmHg im Studienverlauf spiegelte sich klinisch nicht in einer relevanten Abnahme der Ereignisse kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall (primärer kombinierter Endpunkt) wider. Nur in der Subgruppe der Patienten mit hypertonen Blutdruckwerten war im Nachhinein eine signifikante Risikoreduktion festzustellen.

Deutlichere Effekte hatte die Lipidsenkung. Der LDL-Cholesterinwert lag in dieser Gruppe zu Beginn im Schnitt bei 128 mg/dl. Rosuvastatin senkte die LDL-Spiegel um 26,5 Prozent – was am Ende auch zu einer moderaten, aber signifikanten Reduktion der Rate kardiovaskulärer Ereignisse führte (3,7% vs. 4,8%).

Substudie bei älteren Teilnehmern

In einer HOPE-3-Substudie speziell bei Studienteilnehmern im Alter von 70 Jahren oder älter sind die Untersucher auch der Frage nachgegangen, ob die im Alter zu erwartende Abnahme von kognitiver und funktioneller Leistungsfähigkeit durch die Blutdruck- und Cholesterinsenkung günstige beeinflusst wurde. Diese Leistungsfähigkeit ist mithilfe von Fragebogentests gemessen worden, die von 1626 Studienteilnehmer sowohl zu Beginn als auch am Ende der Studie absolviert wurden.

Im Blickpunkt stand dabei primär die Abnahme des kognitive Verarbeitungstempo (processing speed), zur Anwendung kam hier der Zahlen-Symbol-Test (digit symbol substitution test). Des Weiteren wurden mithilfe des Montreal-Cognitive-Assessment (MoCA)-Tests auch Exekutivfunktionen gemessen.

Kein Effekt auf kognitive Leistungsfähigkeit

Ergebnisse der Substudie hat Dr. Jackie Bosch von der McMasters-Universität in Hamilton, Kanada, beim AHA-Kongress in New Orleans vorgestellt. Danach konnte im mittleren Zeitraum von 5,6 Jahren weder ein Effekt der Blutdruck- noch der Lipidsenkung auf die festgestellte Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit bei den älteren Studienteilnehmern nachgewiesen werden.

Zumindest in den Subgruppen mit den jeweils höchsten Blutdruck- und Lipidwerten und der relativ längsten Dauer der blutdrucksenkenden Therapie war nach ihren Angaben aber jeweils ein positiver Trend zu erkennen. Hier bedarf es zur Bestätigung weiterer Studien mit längerer Beobachtungsdauer.

Positives kann Bosch den Ergebnissen im Hinblick auf Rosuvastatin abgewinnen, das verdächtigt worden war, kognitive Funktionen möglicherweise ungünstig zu beeinflussen. Von diesem Verdacht kann das Statin nach den Ergebnissen der Studie freigesprochen werden.

Literatur

Bosch J.: HOPE-3 – The Effect of Blood Pressure and Cholesterol Lowering on Cognition. Vorgestellt in der Sitzung “Late-Breaking Clinical Trials 01 – Big Trials for Big Questions” beim Kongress der American Heart Association (AHA) 2016, 12. - 16. November , New Orleans

Highlights

TCT-Kongress 2022

Hier finden Sie die Highlights der Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) Conference 2022, der weltweit größten Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie. 

Patientin mit NSTEMI – was sehen Sie in der Koronarangiographie?

Koronarangiographie (links: LAO5°/CRAN35°, rechts: RAO35°, CRA 35°) bei einer Patientin mit Nicht ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI). Wie lautet Ihre Diagnose?

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Smartphone in der Kitteltasche: Welche Apps helfen im kardiologischen Alltag?

Gesundheitsapps gibt es inzwischen jede Menge – aber welche davon können Kardiologinnen und Kardiologen wirklich unterstützen? Dr. Victoria Johnson aus Gießen gab bei den DGK-Herztagen einen Überblick über die Optionen.

Studie zur Antikoagulation bei subklinischem Vorhofflimmern gestoppt

Die NOAH-AFNET-6-Studie sollte Aufschluss darüber geben, ob sich durch orale Antikoagulation auch bei asymptomatischem Vorhofflimmern thromboembolische Ereignisse verhindern lassen. Jetzt ist die vom Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. initiierte Studie vorzeitig gestoppt worden.

Ist Rhythmuskontrolle bei asymptomatischem Vorhofflimmern von Vorteil?

Infolge besserer Screeningmethoden wie Smartphone-Apps wächst die Zahl der Menschen mit detektiertem asymptomatischem Vorhofflimmern. Bezüglich der rhythmuskontrollierenden Therapie bei dieser Gruppe sollte ein Umdenken stattfinden, forderte ein Experte bei den DGK-Herztagen 2022.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Koronarangiographie (links: LAO5°/CRAN35°, rechts: RAO35°, CRA 35°) bei einer Patientin mit Nicht ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI).

Verordnungsspielräume eines leitliniengerechten Therapiekonzepts aus Sicht der Kardiologen und Hausärzte

Single Pills haben sich in Studien im Vergleich zu Einzelwirkstoffen als vorteilhaft erwiesen. Sie kosten aber mehr als die losen Kombinationen. Dr. med. Georg Lübben gibt Tipps, wie Sie diese trotzdem wirtschaftlich verordnen können.

Young-BNK 2030: Eine Idee

Wie könnte eine Niederlassung 2030 aussehen? Wie findet man dann eine Praxis? Und wie läuft die Praxisversorgung? Dr med. Marvin Schwarz von der Young BNK berichtet über Zukunfts-Ideen der Young BNK.

TCT-Kongress 2022/© mandritoiu / stock.adobe.com
Kardio-Quiz September 2022/© Luise Gaede, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org