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17.12.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Landesweite Registerstudie aus Dänemark

Verlängert Grippeimpfung das Leben von Menschen mit Herzinsuffizienz?

Autor:
Peter Overbeck

Eine jährliche Grippeimpfung kann möglicherweise dazu beitragen, das Leben von Patienten mit  Herzinsuffizienz zu verlängern. Das legen jedenfalls Ergebnisse einer umfangreichen landesweiten Registerstudie aus Dänemark nahe.

Dass eine Grippeerkrankung für viele ältere und häufig gebrechliche Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz eine große körperliche Herausforderung sein kann, liegt auf der Hand. Eine Grippeimpfung könnte die Prognose dieser Patienten womöglich verbessern. Überzeugende Belege für diese These gibt es mangels randomisierter Studien derzeit aber nicht.

Eine Gruppe dänischer Forscher ist gleichwohl davon überzeugt, mit den Ergebnisse der bislang größten Registerstudie zum möglichen Nutzen einer Grippeimpfung bei Herzschwäche starke Argumente zugunsten dieser potenziellen Schutzmaßnahme präsentieren zu können. In ihrer Studie waren Grippeimpfungen bei Patienten mit Herzinsuffizienz mit einer signifikant niedrigeren Gesamt- und kardiovaskulären Mortalität assoziiert. Je häufiger die Impfungen, desto niedriger war die damit assoziierte Sterblichkeit.

Daten von 134.000 Patienten analysiert

Die Gruppe um den Kardiologen Dr. Daniel Modin vom Hetlef & Gentofte Hospital in Kopenhagen stützt ihre Analyse auf Daten von 134.048 Personen aus fünf dänischen Registers. Bei diesen Personen war im Zeitraum zwischen Januar 2003 und Juni 2015 erstmals eine Herzinsuffizienz diagnostiziert worden. Durch Verlinkung der Register konnten sich die Untersucher Informationen zum Impfstatus und zur Zahl und Häufigkeit der vorgenommenen Grippeimpfungen verschaffen. In Abhängigkeit davon wurden dann in einem medianen Follow-up-Zeitraum von 3,7 respektive 3,3 Jahren die Gesamtmortalität und die kardiovaskuläre Mortalität analysiert. Die Rate für die Gesamtmortalität erreichte in dieser Zeit 58% und die Rate für die kardiovaskuläre Mortalität 36%.

Die Impfrate bewegte sich im Studienzeitraum zwischen 16% und 54%. Seit dem Jahr 2008 lag sie relativ konstant im Bereich von etwa 50%. Nahezu alle Impfungen (98%) erfolgten in den Monaten September bis Dezember.

Assoziierte Mortalitätsabnahme betrug 18%

In der nicht adjustierten Analyse war der Erhalt von einer oder mehr Grippeimpfungen noch mit einer erhöhten Sterberate assoziiert. Das änderte sich nach statistischer Adjustierung für eine Vielzahl von möglichen Störfaktoren wie Begleiterkrankungen, Medikation, Einkommen oder Bildungsniveau. In der adjustierten Analyse war sowohl die Gesamtmortalität als auch die kardiovaskuläre Mortalität in der Gruppe der Patienten mit mindestens einer Grippeimpfung im Vergleich zur Gruppe der nicht geimpften Patienten jeweils relativ um 18% niedriger (in beiden Fällen: Hazard Ratio 0,82; 95% CI 0,81-0,84; p<0,001).

Bei Patienten, die nach der Diagnose einer Herzinsuffizienz regelmäßig jedes Jahr geimpft worden waren, war die relative Risikoreduktion für Gesamt- und kardiovaskuläre Mortalität mit jeweils 19% noch etwas stärker (jeweils p<0,001). Erfolgten die Impfungen dagegen in größeren Zzeitabständen, betrug die damit assoziierte Risikoreaktion nur noch 13%. Und auch der Zeitpunkt der Impfung schien von Bedeutung gewesen zu sein: Frühe Impfungen in den Monaten September und Oktober waren mit einer stärkeren Risikoreduktion assoziiert als später vorgenommene Impfungen.

Frage nach der Kausalität bleibt offen

Jährliche Grippeimpfungen könnten nach diesen Ergebnissen eine effektive Strategie sein, um das Leben von Patienten mit Herzinsuffizienz zu verbessern, so die Studienautoren. Um das Eingeständnis, dass ihre retrospektive Kohortenstudie die Kausalität zwischen Impfung und Risikoreduktion nicht belegen kann, kommt die Gruppe um Studienleiter Modin allerdings nicht herum.

Eine randomisierte kontrollierte Studie, in der jedoch nicht mit Placebo, sondern mit einer aktiven Kontrolle verglichen wird, ist derzeit unterwegs. Die laufende INVESTED-Studie (INfluenza Vaccine to Effectively Stop Cardio Thoracic Events and Decompensated Heart Failure) soll die Frage beantworten, ob eine trivalente Influenza-Vakzine in hoher Dosierung für kardiovaskuläre Hochrisikopatienten – darunter auch solche mit Herzinsuffizienz – prognostisch vorteilhafter ist als ein quadrivalenter Impfstoff in Standarddosierung. Geplant ist eine Aufnahme von 9.300 Patienten in die Studie. Ergebnisse werden frühestens für 2020 erwartet.

Literatur

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