Nachrichten 23.09.2019

Was Blutungen unter antithrombotischer Therapie bezüglich Krebserkrankungen verraten

Bestimmte unter einer antithrombotischen Therapie auftretende Blutungen können ein erstes Zeichen für eine bislang unbekannte maligne Erkrankung sein. Als mögliches Warnsignal sollten sie ernstgenommen werden, legen Ergebnisse einer neuen Subanalyse der COMPASS-Studie nahe.

Im Vergleich zu Patienten ohne Blutungen war bei  Patienten mit gastrointestinalen oder urogenitalen Blutungen unter antithrombotischer Therapie mit niedrig dosiertem Rivaroxaban die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass bei ihnen eine Krebserkrankung in diesen Organsystemen neu diagnostiziert wurde. Das geht aus Ergebnissen einer aktuellen Analyse von Daten der COMPASS-Studie hervor.

Die COMPASS-Studie hat bekanntlich gezeigt, dass eine Kombi-Therapie mit Rivaroxaban (2,5 mg zweimal täglich) plus ASS bei Patienten mit stabiler atherosklerotischer Gefäßerkrankung kardiovaskulären Komplikationen  wirksamer vorbeugt als ASS alleine.

Mehr Krebsdiagnosen nach aufgetretenen Blutungen

Bei insgesamt 1.084 Teilnehmern (4.0%) wurde im Studienverlauf (im Mittel 23 Monate) eine maligne Erkrankung neu diagnostiziert. Leichte bis schwerwiegende Blutungen traten im Studienverlauf bei 2.678 (9,8%) der knapp 27400 Studienteilnehmer auf.  In dieser Subgruppe wurde bei  257 Teilnehmern (9.9%) in dieser Zeit eine  Krebserkrankung neu entdeckt. Nahezu ein Viertel (23,8%) aller neuen Krebsdiagnosen wurden bei Patienten mit zuvor aufgetretenen Blutungen gestellt.

Gastrointestinale Blutungen waren mit einem 20-fach höheren Risiko für die Entdeckung neuer gastrointestinaler Tumore assoziiert (7.4% versus 0.5%, Hazard Ratio [HR] 20,6). Im Fall urogenitaler Blutungen  war das Risiko für die Diagnose eines urogenitalen Krebsleidens um der Faktor 32 höher (15,8% versus 0,8%, HR 32,5). Blutungen im Harntrakt waren mit einem nahezu 100-fach höheren Risiko für die Entdeckung einer dort lokalisierten Krebserkrankung assoziiert (14,2% versus 0,2%, HR 98,5). Die Assoziation zwischen Blutungen an anderen Stellen und neuen, dazu in Beziehung stehenden Malignomen war deutlich schwächer.

Die randomisierte Zuteilung zur Therapie mit Rivaroxaban, Rivaroxaban/ASS oder mit ASS allein war per se mit keiner Zunahme von neuen Krebsdiagnosen assoziiert.

Schon leichte Blutungen können ein Hinweis sein

Nicht nur schwerwiegende, sondern auch schon leichte Blutungen zeigten dabei Potenzial, eine bis dato unerkannte Krebserkrankung zu demaskieren, berichten die Studienautoren um Dr. John Eickelboom von Population Health Research Institute in Hamilton, Kanada. Die Ergebnisse der neuen COMPASS-Analyse sprächen dafür, dass gastrointestinale oder urogenitale Blutungen bei Patienten unter antithrombotischer Therapie Anlass dafür sein sollten, sorgfältig nach einer möglichen und bis dato nicht erkannten Krebserkrankung zu fahnden – auch dann, wenn es sich nur um leichte Blutungen handelt, schlussfolgern Eickelboom und seine Mitautoren.

Literatur

Eikelboom J. et al.; Bleeding and New Cancer Diagnosis in Patients with Atherosclerosis, Circulation 2019, online 12. September.

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