Skip to main content
main-content

12.06.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Höhenmedizin

Was passiert, wenn Hypertoniker in extreme Höhe steigen?

Autor:
Veronika Schlimpert

Wenn Hypertoniker sich in extremen Höhen bewegen, steigt der Blutdruck deutlich stärker an als bei entsprechender Belastung auf Meereshöhe. Eine Akuttherapie kann hier helfen, wie sich in einer randomisierten Studie gezeigt hat.

In extremen Höhen lässt sich der Blutdruck offenbar wirksam mit einer antihypertensiven Akuttherapie kontrollieren.

Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, betrieben Wissenschaftler um Dr. Sergio Caravita einen großen Aufwand. Im Rahmen der HIGHCARE-ANDES-Studie führten sie bei 56 Probanden, die alle eine Grad I-Hypertonie hatten, in der Peruanischen Hauptstadt Lima einen Belastungstest durch, also auf Meereshöhe. Dasselbe wiederholten sie in der Andenstadt Huancayo, die sich auf 3.260 Metern befindet. Randomisiert erhielten die Probanden entweder eine Kombinationstherapie mit dem Kalziumkanalblocker Nifedipin (30 mg) und dem Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker Telmisartan (80 mg) oder ein Placebo.

Wie zu erwarten war, stieg der Blutdruck der Teilnehmer in der Höhe bereits in Ruhe geringfügig an (im Mittel um 6/3 mmHg systolisch/diastolisch). Bei Belastung fiel der Blutdruckanstieg auf über 3.000 Metern allerdings deutlich ausgeprägter aus als auf Meereshöhe, der Blutdruck reagierte also auf die belastungsbedingte Zunahme der Sauerstoffkapazität (VO2) mit einem deutlicheren Anstieg.

Blutdruck-Überreaktion bei Belastung

Konkret bedeutet das:  Wenn sich Patienten mit einer milden Hypertonie auf extremen Höhen etwas bewegen, liegt ihr Blutdruck im Schnitt etwa 10 mmHg höher als bei derselben Belastung auf Meereshöhe.  Mit zunehmender Belastung wird dieser Unterschied immer deutlicher: Bei VO2 von 20 ml/kg pro Minute liegt der Blutdruck etwa 16 mmHg höher als auf Meereshöhe.

Ein hoher Blutdruck bei Anstrengungen in Höhenlagen scheine bei Hypertonikern somit keine physiologische Anpassungsreaktion auf das reduzierte Sauerstoffangebot zu sein, resümieren Caravita und Kollegen. 

„Die Überreaktion des Blutdrucks könnte eine Konsequenz der höheninduzierten Reflexaktivierung sein.“ Caravita und Kollegen vermuten, dass der mit zunehmender Höhe sinkende Sauerstoffpartialdruck über eine Aktivierung von peripheren Chemorezeptoren zu einer reflektorischen Konstriktion der Widerstandsgefäße und damit zu einer Erhöhung  des Blutdruckes führt.

Nifedipin/ Telmisartan wirkt

Eine Akuttherapie mit Nifedipin/ Telmisartan konnte das Verhältnis von Blutdruck und Sauerstoffaufnahme um 26 mmHg nach unten verschieben, wenngleich die Behandlung die bei Belastung zu beobachtende hypoxiebedingte Überreaktion des Blutdrucks nicht völlig ausgleichen konnte.

Darüber hinaus führte die Kombinationstherapie im Muskel zu einer effizienteren Sauerstoffaufnahme und -verwertung (VO2/Leistung steigt), vermutlich als Reaktion auf die akute Blutdrucksenkung. Die Leistungsfähigkeit der Probanden verbesserte sich dadurch allerdings nicht, sie verschlechtere sich aber auch nicht, wie es bei anderen Antihypertensiva wie Betablocker manchmal zu beobachten ist.

Da die Probanden in der aktuellen Studie alle an einer Hypertonie Grad I litten (140­–159 mmHg systolisch, 90–99 mmHg diastolisch) litten, kann das Ergebnis nicht auf Patienten mit schweren Hypertonieformen übertragen werden.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

Expertenrückblick auf die letzten Kongresse – das sollten Sie wissen

Fischöl ist anscheinend hochwirksam und der Mitraclip wirkt doch. Eine Expertenrunde hat in Leipzig die Highlights des diesjährigen AHA- und TCT-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

Aus der Kardiothek

09.12.2018 | Expertenvorträge | Onlineartikel

Expertenrunde diskutiert aktuelle Studienlage und die Praxisrelevanz

Eine Expertenrunde hat sich mit den Highlights des diesjährigen ESC-Kongresses auseinandergesetzt – kritisch, kurz und präzise. Was ist praxisrelevant, was nicht? 

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

04.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Knifflige Situationen nach Sonden-Extraktionen

Was tun, wenn bei Anzeichen einer Sonden-Infektion kein Erreger nachweisbar ist. Und was macht man, wenn nach der Explantation Überbleibsel (Ghosts) zu sehen sind?  Dr. Götz Buchwalsky erklärt den richtigen Umgang mit solchen Problemsituationen. 

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise