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18.06.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Mendelsche Randomisierungsstudie

Zu viel Körperfett als Ursache für kardiovaskuläre Erkrankungen identifiziert

Autor:
Joana Schmidt

Gibt es wirklich einen kausalen Zusammenhang zwischen zu viel Körperfett und Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Das bejahen Forscher, die diese Fragestellung erstmals in einer Studie mit Mendelscher Randomisierung untersucht haben. Besonders das Risiko für Aortenklappenstenose sei erhöht.

Je höher der BMI und der Körperfettanteil, desto größer das Risiko für eine Aortenklappenstenose, zeigt eine neue Studie. Auch für viele weitere kardiovaskuläre Erkrankungen scheinen diese beiden Faktoren ursächlich zu sein. Dafür sprechen Ergebnisse einer neuen Studie auf Basis von Mendelscher Randomisierung.

Bei dieser Methode lässt sich mithilfe genetischer Merkmale nachweisen, ob die langfristige Exposition gegenüber Risikofaktoren die Ursache für eine Erkrankung ist. Solange Krankheit und Risikofaktor nur miteinander assoziiert sind, wäre auch ein umgekehrter oder nicht kausaler Zusammenhang denkbar, der sich so ausschließen lässt. In der aktuellen Studie dienten Personen mit genetischen Merkmalen für einen hohen BMI oder einen hohen Körperfettanteil als Stellvertreter für diese Risikofaktoren, wodurch Verzerrungen durch Umwelteinflüsse vermieden werden konnten.

Risiko für Aortenklappenstenose um 46% erhöht

Die Teilnehmer, deren Gene einen höheren BMI begünstigen, hatten ein erhöhtes Risiko für Aortenklappenstenose, Herzinsuffizienz, tiefe Venenthrombose, hohen Blutdruck, periphere Arterienerkrankung, koronare Herzkrankheit, Vorhofflimmern und Lungenembolie. So erhöhte sich beispielsweise für jeden genetisch bedingten Anstieg des BMI um 1kg/m² das relative Risiko für Lungenembolie um 6% und für Aortenklappenstenose um 13%.

Die Teilnehmer mit einer genetischen Variante für einen höheren Körperfettanteil hatten ebenfalls ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Auch bei diesen Personen bestand das größte Risiko für Aortenklappenstenose, es war um 46% erhöht. Danach folgten ischämischer Schlaganfall, transitorisch ischämische Attacke, Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz, periphere Arterienerkrankung, tiefe Venenthrombose, hoher Blutdruck und koronare Herzerkrankung.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Susanna Larsson vom Karolinska-Institut in Stockholm untersuchte bei 367.703 Personen, wie sich 96 genetische Varianten von BMI und Körperfettanteil auf 14 verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den Teilnehmern auswirkten. Die Daten stammten aus der UK Biobank, die Informationen über mehr als 500.000 Personen zwischen 40 und 69 Jahren enthält.

Ernährung hat mehr Einfluss als die Gene

Auch wenn bestimmte Genvarianten die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht erhöhen, seien Ernährung und Bewegung nach wie vor die wichtigsten Faktoren für die Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen, so die Studienautoren. „Unsere Gene können dazu führen, dass wir etwas anfälliger für Gewichtszunahme sind. Trotzdem sind Lebensstilfaktoren wie übermäßiges Essen und mangelnde körperliche Aktivität die Hauptursachen für Übergewicht. Gesunde Ernährung ist der Grundstein für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wir sollten nicht mehr essen, als für die Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts nötig ist, das einem BMI zwischen 20 und 25 kg/m 2 entspricht. Menschen, deren Gene einen höheren BMI begünstigen, müssen dafür möglicherweise etwas härter arbeiten“, so Larsson in einer Pressemitteilung der European Society of Cardiology (ESC).

Literatur

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