Onlineartikel 15.12.2014

Präventionsgesetz: Kardiologen sehen Licht und Schatten

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und die Deutsche Herzstiftung (DHS) begrüßen den Entwurf zum Präventionsgesetz, der voraussichtlich am 17.12. im Bundeskabinett beraten wird. Wünschenswert wäre allerdings eine stärkere Berücksichtigung der Tabakprävention.

In Sachen Prävention gilt Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ähnlicher Wirtschaftsstärke als eines der Schlusslichter. Mit dem insgesamt vierten Anlauf zu einem Präventionsgesetz soll sich das ändern.

Das neue „Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention“ soll am 17. Dezember im Bundeskabinett beraten werden. DGK und DHS haben zu dem Referentenentwurf eine Stellungnahme erstellt, die auf die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen im Erwachsenenalter fokussiert.

Europäische Leitlinien können bei Risikostratifizierung helfen
Wie viele andere Kommentatoren zum Referentenentwurf begrüßen auch DGK und DHS, dass der Primärprävention in Deutschland künftig ein größerer Stellenwert eingeräumt werden soll. Auch die im Referentenentwurf verankerte Forderung, dass präventive Maßnahmen nach wissenschaftlich fundierten Gesichtspunkten umgesetzt werden sollen sowie die explizit angestrebte Einbeziehung von Betriebsmedizinern in die Primärprävention werden ausdrücklich gutgeheißen.

Eine wichtige Rolle sollte in diesem Zusammenhang einer individuellen kardiovaskulären Risikostratifizierung zukommen, um jene Menschen zu identifizieren, die von Präventionsmaßnahmen am stärksten profitieren: „Die von mehreren europäischen Fachgesellschaften kürzlich erarbeiteten Europäischen Leitlinien für die Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen können sicher eine große Hilfe bei der Auswahl der Zielgruppen und […] Leistungen sein“, heißt es in der Stellungnahme.

Tabakprävention deutlich verbesserungswürdig

Sehr kritisch gesehen wird von DGK und DHS dagegen, dass der quantitativ wichtigste kardiovaskuläre Risikofaktor, der Tabakkonsum, in dem Referentenentwurf nicht die nötige Aufmerksamkeit erhält. So bleibe Deutschland das letzte Land in Europa, in dem noch auf Plakaten in der Öffentlichkeit für Tabakkonsum geworben werden dürfe.

Und im SGB V werde der Tabakkonsum weiterhin als „Lebensstil“ eingeordnet, was sowohl wissenschaftlichen Erkenntnissen als auch der Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO fundamental widerspreche, so die Gesellschaften. Tatsächlich sei etwa die Hälfte der Raucher als abhängigkeitserkrankt einzustufen.

Relevant ist diese Einordnung deswegen, weil von ihr abhängt, welche Behandlungsformen erstattungsfähig sind und welche nicht. Derzeit werden medikamentöse Maßnahmen zur Rauchentwöhnung ähnlich behandelt wie Medikamente gegen Erektionsstörungen: Eine Erstattung zu Lasten der GKV ist ohne gesonderte Versorgungsverträge nicht generell möglich.

Das sollte sich aus Sicht von DGK und DHS ändern – auch aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit. Denn Nikotinabhängigkeit ist in sozial unterprivilegierten Schichten deutlich häufiger. Die Einordnung des Tabakkonsums als Lebensstil schließt damit sozial unterprivilegierte Menschen von einer der aus Präventionssicht effektivsten Maßnahmen der Tabakkontrolle aus.

Literatur

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und der Deutschen Herzstiftung zum Referentenentwurf des Präventionsgesetzes