Onlineartikel 26.02.2015

Qualitätssicherung: Katheterlabors sollen 2016 starten

Die ambulanten und stationären Herzkatheterlabors in Deutschland sollen ab 1. Januar 2016 eine sektorübergreifende Qualitätssicherung nach §137 SGB V durchführen. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) jetzt festgelegt. Für die Ärzte droht Mehrarbeit.

Der G-BA hat den gesetzlichen Auftrag, Regelungen zur sektorübergreifenden Qualitätssicherung (SQG) zu beschließen. Die Qualitätssicherung für Koronarangiographien und perkutane Interventionen (QS-PCI) wäre das erste SQG-Projekt, das tatsächlich live geht.

Ebenfalls in Entwicklung befinden sich Module für Katarakt-OP und für Konisation. Die QS-PCI ist schon eine ganze Weile im Orbit. Nach Festlegung der Qualitätsindikatoren hat das vom G-BA beauftragt AQUA-Institut bereits 2013 in Kooperation mit dem Bundesverband niedergelassener Kardiologen (BNK) einen Probebetrieb für eine IT-Umsetzung gestartet.

G-BA: Dokumentationsaufwand soll gering bleiben

Jetzt wird offenbar ernst gemacht: „Mit dem Verfahren sollen valide und vergleichbare Aussagen zur Qualität der Indikationsstellung, zur Durchführung des Eingriffs und zur Langzeit-Ergebnisqualität erhoben werden“, betont Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzende des Unterausschusses Qualitätssicherung.

Bei den einrichtungs- und sektorübergreifenden QS-Verfahren werden Patientendaten von unterschiedlichen Behandlungsorten pseudonymisiert zusammengeführt. Um den Dokumentationsaufwand für die Einrichtungen gering zu halten, werden auch Sozialdaten der Krankenkassen genutzt. Trotzdem muss natürlich ein erheblicher Anteil der Daten lokal erhoben werden, um dann Vergleiche zwischen Institutionen und auch beispielweise Regionen zu erlauben.

Die Frage der QS-Module

Damit das möglichst reibungsfrei funktioniert, sollen eigentlich die Hersteller der Praxis- bzw. Klinik-IT-Systeme entsprechende QS-Module entwickeln und, im Falle der ambulanten Kardiologen, von der KBV zertifizieren lassen. Für diese QS-Module muss das AQUA-Institut eine IT-Spezifikation vorlegen. Dies soll nach Aussage des G-BA noch in dieser Woche, am 27. Februar 2015, geschehen. Damit hätten die IT-Hersteller genug Zeit, Module fristgerecht zu entwickeln und sie von der KBV zertifizieren zu lassen, so der G-BA auf Nachfrage von Kardiologie.org.

Nun ist die Zahl der ambulanten Herzkatheterlabors in Deutschland aber nicht so hoch, dass sich dieser Aufwand für die IT-Hersteller zwangsläufig lohnt. Dieses Problem gab es auch schon bei der rein ambulanten Qualitätssicherung nach §135 SGB V. Hier wurden bei der Hörgerätevereinbarung relativ rasch entsprechende Dokumentationsmodule entwickelt, da viele Ärzte betroffen waren. Bei der Molekulargenetik, wo es um deutlich weniger Einrichtungen ging, musste die KBV mit einer Online-Portallösung einspringen.

Januar 2016 ist „sehr ambitioniert“

Der Bundesverband der niedergelassenen Kardiologen (BNK) zweifelt daran, dass die IT-Hersteller schon Anfang 2016 fertige Module vertreiben werden: „Der 1. Januar 2016 ist sehr ambitioniert, da es mit Ausnahme des QuIK-Registers und des QuIK-Datensatzes kein Programm gibt, das in der Lage wäre, Spezifikationen umzusetzen“, betont der stellvertretende Bundesvorsitzende des BNK, Dr. Benny Levenson. Auch scheine es tatsächlich für viele Praxis-IT-Hersteller wirtschaftlich nicht sinnvoll zu sein, ein HK-QS-Modul zu entwickeln, so Levenson.

Der Kardiologe verweist darauf, dass die KBV mit Hochdruck an einer Lösung arbeite. Die allerdings dürfte für die niedergelassenen Kardiologen mit Mehrarbeit verbunden sein, da eine tiefe Integration in die eigene IT dann nicht möglich ist.

Bis auf weiteres rechnet die KBV jedenfalls fest mit den Softwareherstellern. „Die Softwareanbieter sollten unmittelbar nach Inkrafttreten der Richtlinie mit der Entwicklung beginnen und dabei auf eine den Anwender unterstützende Implementierung achten, die Doppeleingaben minimiert“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber Kardiologie.org. Parallel werde das KBV-Zertifizierungsverfahren entwickelt, sodass eine Zertifizierung der Dokumentationsmodule – entweder ein PVS-Modul oder eine eigenständige Software wie das QuIK-Register – ab Juli 2015 möglich sein soll.

Literatur

Beschluss des G-BA vom 19.2.2015