Onlineartikel 29.04.2014

Quantifizierung fokaler Myokardschäden

Quantifizierung fokaler Myokardschäden © Mathias Ernert, Deutsches Herzzentrum Berlin

Zu den wesentlichen Innovationen der kardialen MRT gehört das T1- und T2-Mapping. Diese Methode eignet sich auch zur Detektion fokaler Myokardschäden bei Myokarditis.

Ein Vorteil der Mapping-Techniken ist die Quantifizierbarkeit von Myokardschäden. Konventionelle semiquantitative Methoden erlauben lediglich das kategorische Erfassen fokaler oder globaler (eine ganze Myokardschicht betreffende) Myokardschäden. Während diese beispielsweise die Frage nach einem Myokard-ödem lediglich mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten, ermöglichen die Mapping-Techniken eine Quantifizierung des Ödems mithilfe der T1- bzw. T2-Zeiten in Millisekunden (ms).

Ein weiterer Vorteil der Mapping-Techniken ist die Erfassung interstitieller, diffuser Myokardveränderungen, die das gesamte Myokard betreffen und sich daher nicht als fokal abgrenzbare Veränderungen darstellen. Beispiele hierfür sind die interstitielle Fibrose bei Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie oder interstitielle Proteineinlagerungen bei Patienten mit kardialer Amyloidose, die Veränderungen der globalen T1- und T2-Zeiten hervorrufen. In Kenntnis des Hämatokritwerts sowie der T1-Zeiten vor und nach der Kontrastmittelgabe kann darüber hinaus direkt das myokardiale Extrazellulärvolumen (EZV) berechnet werden.

Diese neuen Methoden fanden bisher primär Beachtung bei der Erfassung und Quantifizierung diffuser Myokardveränderungen. Ob sich die Mapping-Methoden bzw. die mithilfe dieser Techniken erstellten T1-, T2- und EZV-Karten eignen, um fokale Myokardläsionen darzustellen, war bisher nicht hinreichend untersucht.

T1- und T2-Mapping bei Patienten mit Myokarditis

Wir untersuchten 15 Patienten mit Myokarditis und dem Nachweis von typischem, nicht ischämischem, fokalem Late Gadolinium Enhancement (LGE) und/oder einem Ödem (T2-STIR) in der kardialen MRT (1,5 Tesla). Die Quantifizierung myokardialer T1-Zeiten erfolgte vor und 15 Minuten nach der Gabe von 0,075 mmol/kg Gadolinium-BOPTA mit der MOLLI-Sequenz. Die Quantifizierung der T2-Zeiten erfolgte mit einer Multi-Echo-Sequenz bei freier Atmung. Dann wurden T1-Karten vor und nach der Kontrastmittelgabe, Karten des myokardialen Extrazellulärvolumens sowie T2-Karten erstellt. Mithilfe einer von unserer Arbeitsgruppe entwickelten Software (HeAT) wurde dann eine Schwellenwertmethode (Cut-off > zwei Standardabweichungen im Vergleich zu normalem Myokard) angewendet, um die Läsionsgröße in korrespondierenden T1-, EZV- und T2-Karten mit den entsprechenden LGE- und T2-STIR-Schichten zu vergleichen (Abb. 1).

Die fokalen myokarditischen Läsionen konnten im Sinn eines nicht ischämischen LGE mit der Schwellenwertmethode in allen anderen Modalitäten nachgewiesen und quantifiziert werden. Die Läsionsgröße war in der LGE-Darstellung als Referenz mit im Median zwölf Prozent des linksventrikulären Myokards jeweils größer als in T1-Karten vor der Kontrastmittelgabe mit zehn Prozent (p<0,05), T1-Karten nach der Kontrastmittelgabe mit sechs Prozent (p<0,05) und in EZV-Karten mit neun Prozent (p<0,01).

Kein signifikanter Unterschied fand sich dagegen zwischen der Läsionsgröße in der LGE- und der T2-STIR-Sequenz (Ödemdarstellung) mit im Median sieben Prozent des linksventrikulären Myokards (p=0,54) sowie T2-Karten mit im Median sechs Prozent (p=0,09).

Differenzierung verschiedener Myokarderkrankungen möglich

Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich das T1- und T2-Mapping mit einer Schwellenwertmethode für die Detektion und Quantifizierung fokaler Myokardläsionen bei Patienten mit Myokarditis eignen. Durch die Quantifizierung der Unterschiede in der Läsionsgröße zwischen LGE-, T2-STIR-, T1- und T2-Mapping kann zukünftig sowohl für Patienten mit Myokarditis als auch für Patienten mit anderen Myokarderkrankungen ein Profil erstellt werden, das im Sinn eines spezifischen „Fingerprints“ zur Differenzierung zwischen verschiedenen Myokarderkrankungen sowie zur Differenzierung zwischen reversiblem und irreversiblem Myokardschaden entscheidend beitragen könnte.

Ulf Konrad Radunski präsentierte diese Daten am Mittwoch, den 23. April 2014, um 16 Uhr in Saal 13.

Literatur

80. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vom 23.-26. April 2014 in Mannheim

Bildnachweise
Quantifizierung fokaler Myokardschäden/© Mathias Ernert, Deutsches Herzzentrum Berlin