Online-Artikel 14.12.2015

Radikale Gewichtsreduktion entlastet das Herz

Stark übergewichtige Patienten verbessern durch einen adipositaschirurgischen Eingriff nicht nur ihren Glukosestoffwechsel, sondern tun möglicherweise auch ihrem Herzen einen Gefallen. Zumindest sinken bei ihnen erhöhte Troponin I-Spiegel annähernd auf Normalniveau.

Bariatrische Eingriffe senken nicht nur das Körpergewicht deutlich ab, sondern verbessern auch die metabolische Situation stark übergewichtiger Patienten. Als belegt gilt das beispielsweise für den Zuckerstoffwechsel: Viele Patienten benötigen nach einem bariatrischen Eingriff keine oralen Antidiabetika mehr.

Kardiologen um Dr. Magnus N. Lyngbakken vom Cardiac Research Centre der Universität Oslo haben jetzt untersucht, wie sich die Adipositaschirurgie – zum Einsatz kam ein Y-Roux-Bypass – bei 74 stark übergewichtigen Patienten (BMI > 35 kg/m²) auf die Serumspiegel von hoch-sensitiv gemessenem Troponin I auswirkt. Als Vergleichsgruppe dienten 62 ähnlich stark übergewichtige Patienten, bei denen zur Gewichtsreduktion eine Lebensstilintervention durchgeführt wurde. Außerdem gab es noch eine Kontrollgruppe mit gesunden Probanden.

Zu Studienbeginn betrug der hs-TnI-Level in der Gruppe mit bariatrischer Chirurgie 2,40 ng/l, war also deutlich erhöht. In der Gruppe der adipösen Patienten mit Lebensstilintervention war dieser Wert mit 2,35 ng/l fast genauso hoch, in der normalgewichtigen Kontrollgruppe waren es 0,90 ng/l.

Lebensstiländerung bringt weniger

Nach einem Jahr war der hs-tnI-Level in der Gruppe mit bariatrischem Eingriff signifikant abgefallen, und zwar auf 1,60 ng/l, was sich nicht mehr signifikant von den normalgewichtigen Probanden unterschied. Anders in der Gruppe mit Lebensstilintervention: Dort fielen die hs-TnI-Werte nur leicht ab, auf 2,20 ng/l, ein signifikanter Unterschied im Vergleich zur Gruppe mit Adipositaschirurgie (p=0,002).

Die Verbesserung der TnI-Level war statistisch unabhängig von den meisten getesteten Einflussfaktoren, korrelierte allerdings deutlich mit dem Verlust von Körpergewicht. Während die operierten Patienten im Mittel rund 30% ihres Körpergewichts „ablegten“, waren es in der Gruppe mit Lifestyle-Intervention nur 8%. Ebenfalls eine statistische Korrelation gab es mit einer stärkeren Verringerung der Triglyceridspiegel in der Gruppe mit chirurgischem Eingriff.

Effekt auch auf klinische Ereignisse?

Noch nicht bewiesen ist, dass die laborchemisch bessere kardiometabolische Situation nach dem bariatrischen Eingriff auch mit einer Verringerung kardiovaskulärer Ereignisse einhergeht. Die norwegischen Kardiologen wollen das weiter evaluieren. Allerdings dürfte ihre Studie nicht die nötige Größe haben, um das definitiv zu klären.

Literatur

Lyngbakken MN et al. Effect of weight loss on subclinical myocardial injury: A clinical trial comparing gastric bypass surgery and intensive lifestyl intervention. European Journal of Preventive Cardiology 2015; 9. Dezember 2015; doi: 10.1177/2047487315618796