Skip to main content
main-content

07.09.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Herzstillstand

Reanimation durch Laienhelfer: Auch unter funktionellem Aspekt von Vorteil

Autor:
Veronika Schlimpert

Ersthelfer können durch Einleitung von Wiederbelebungsmaßnahmen nicht nur das Leben einer von einem Herzstillstand betroffenen Person retten, sie tragen dadurch auch zu einem besseren mentalen und physischen Funktionszustand nach erfolgreicher Reanimation bei.

Einen Herzstillstand überleben ist das Eine. Das Andere – und für die meisten Betroffenen mindestens ebenso Wichtige – ist, ihre körperliche und geistige Funktionalität weitestgehend zu bewahren. Auch dafür ist offenbar das tatkräftige Einschreiten eines Ersthelfers ausschlaggebend, wie eine dänische Studie nun verdeutlicht.

Denn hier war das Risiko für Betroffene nach einem Herzstillstand außerhalb einer Klinik, anoxische Hirnschäden zu erleiden oder in ein Pflegeheim eingewiesen zu werden, im Fall einer Laienreanimation um 30 Prozent geringer als für Überlebende, die keine solche Wiederbelebungsmaßnahme erfahren hatten. Noch deutlicher, nämlich um 40 Prozent, sank das Risiko, wenn Ersthelfer stattdessen oder zusätzlich einen automatisierten externen Defibrillator (AED) eingesetzt hatten.

Nur zwei von zehn Überlebenden müssen ins Pflegeheim

Hoffnungsvoll stimmt zudem, wie viele der Überlebenden sich ein Jahr nach dem Ereignis in einem guten Zustand befanden: Bei über 80 Prozent der Überlebenden kam es nach einer Laienreanimation weder zu Hirnschädigungen noch zu einem Heimeintritt, ohne diese Maßnahmen war dies bei gut 70 Prozent der Fall.

Drei von zehn Überlebenden, die keine Reanimation durch einen Ersthelfer erfahren hätten, seien ein Jahr später im Pflegeheim gewesen oder hätten Hirnschäden erlitten, verdeutlichte Dr. Kristian Kragholm von der Universitätsklinik in Aalborg /Dänemark die Ergebnisse auf dem ESC-Kongress 2015 in London. Nach einer Wiederbelebung durch einen Ersthelfer würde dies nur auf zwei von zehn Überlebenden zutreffen.

Insgesamt überlebten in Dänemark 2.469 von 32.883 Personen, die zwischen 2001 und 2011 einen Herzstillstand erlitten hatten, 30 Tage lang. Die Laienreanimation war dabei der einzige signifikante Faktor, der mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für eine Pflegeheimeinweisung oder Hirnschädigung einherging.

Politische Initiativen machen sich bemerkbar

Dieser Befund unterstreiche die Bedeutung von Wiederbelebungsmaßnahmen durch Laien sowie die Nutzung von AEDs in solchen Notfallsituationen, betonte Kragholm. Die in den letzten Jahren in Dänemark stark steigenden Überlebenszahlen nach Herzstillstand hängen nach seiner Ansicht vermutlich mit nationalen Initiativen zusammen, die in dieser Zeit etabliert worden sind.

In Dänemark werden etwa Erste Hilfe-Maßnahmen in Grundschulen und während des Erlangens des Führerscheins eingeübt. Das Personal der Rettungsleitstellen wird zudem geschult, Laien an Notfallsituationen und Wiederbelebungsmaßnahmen heranzuführen. Aufgrund des Studiendesgins könne man andere ursächliche Faktoren natürlich nicht ausschließen, räumt Kragholm ein. 

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren

01.09.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Wiederbelebung nach Herzstillstand: Durchhalten lohnt sich

24.04.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Wenn Medizintechnik einen würdevollen Tod verhindert

05.12.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Schlechtere Ergebnisse nach Reanimation mit Adrenalin?