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28.04.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

FITT-STEMI-Projekt

Reanimation nach STEMI: Prähospitales EKG kann Leben retten

Autor:
Veronika Schlimpert

Je schneller ein Infarktpatient das Katheterlabor erreicht, desto besser. Die Diagnose sollte bereits vor Klinikaufnahme gestellt werden. Das dafür notwendige prähospitale EKG wird bei reanimierten STEMI-Patienten allerdings zu oft vernachlässigt – mit negativen Auswirkungen auf die Mortalität.

Zeit ist Leben, lautet die Devise bei Patienten mit akutem Herzinfarkt. Es sollte also nicht zu lange dauern, bis ein Patient nach Erstkontakt die verschlossene Infarktarterie mittels primärer perkutaner Koronarintervention (PCI) im Herzkatheterlabor wieder geöffnet bekommt.

Wie aber können die zeitlichen Abläufe der Herzinfarktversorgung verkürzt werden? Und in welchem Maße hat eine Zeitersparnis Auswirkungen auf die Prognose der Patienten?

Im multizentrischen Qualitätsmanagement-Interventionsprojekt FITT-STEMI (Feedback Intervention and Treatment Times Projekt) setzen sich Mediziner mit diesen versorgungsrelevanten Fragen zur Optimierung der Herzinfarktversorgung auseinander.

Die neuesten Erkenntnisse hat Projektleiter Professor Karl Heinrich Scholz aus Hildesheim, bei einer "Hotline"-Sitzung während der DGK-Frühjahrstagung in Mannheim vorgestellt. Danach ist es offenbar für die Behandlungszeit und die Prognose bei reanimierten Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) von enormer Bedeutung, ob ein prähospitales EKG geschrieben wurde oder nicht.

Gute Kommunikation spart Zeit ...

Bereits in der ersten Testphase des FITT-STEMI-Projektes konnte man feststellen, dass sich die Contact-to-Balloon-Zeit bei Patienten mit STEMI schon allein damit verkürzen lässt, dass man mithilfe eines festen Ablaufprotokolls die Behandlungsergebnisse standardisiert erfasst und

alle an der Akutversorgung beteiligten Systeme und Personen (Rettungsassistenten, Notärzte, Klinikärzte, Personal von Katheterlabor und Intensivstationen)

 quartalsweise in gemeinsamen Veranstaltungen damit konfrontierte. „Wir haben also nichts anderes gemacht als kommuniziert“, erklärte Scholz. Allein damit sei die Contact-to-Balloon-Zeit von 129 auf 76 Minuten innerhalb eines Jahres zurückgegangen. „Wir haben also pro Patient 53 Minuten gewonnen.“

... und Zeit ist Leben

In der dritten Projektphase, der sogenannten Umsetzungsphase, möchte man genauer evaluieren, welche Parameter die Behandlungszeiten verkürzen können und inwiefern sich der Zeitgewinn in der Prognose der Patienten bemerkbar macht.

Aktuell nehmen 40 PCI-Kliniken in Deutschland am FITT-STEMI-Projekt teil, 13.107 STEMI-Patienten sind eingeschlossen, 9.299 davon kamen direkt aus dem Rettungswagen in die entsprechende Klinik (Primärtransport).

Ein wichtiger Punkt in der Infarktversorgung: die Zeit vom ersten Kontakt bis zum ersten 12-Kanal-EKG. Dabei sollte man möglichst unter zehn Minuten bleiben – so die Empfehlung der europäischen Gesellschaft für Kardiologie.

Diese Zeitvorgabe konnte das geschulte Rettungspersonal bei insgesamt 50 Prozent der Patienten mit Primärtransport einhalten, über 80 Prozent bekamen zumindest ein EKG, ehe sie ins Krankenhaus gebracht wurden, und 80 Prozent wurde zuvor der Klinik angekündigt. Dadurch habe man 47 Prozent der Patienten mit Primärtransport direkt auf den Tisch im Herzkatheterlabor bekommen, berichtete Scholz. Zwar könne das noch besser werden, aber das sei schon mal nicht schlecht.

Höhere Mortalität, wenn prähospitales EKG fehlte

Etwas anders sieht die Situation bei den 10 Prozent der STEMI-Patienten aus, die mechanisch reanimiert werden mussten: In nur 34 Prozent aller Fälle wurde ein EKG innerhalb von 10 Minuten geschrieben, knapp 70 Prozent bekamen noch ein EKG vor Klinikaufnahme.

Das wirkt sich offenbar auch auf die Krankenhausterblichkeit aus, so Scholz. Denn die Mortalität der reanimierten Patienten, welche die Klinik ohne EKG erreichten, war um 13,3 Prozentpunkte höher als bei reanimierten Patienten mit prähospitalem EKG (34,9 versus 48,2 Prozent). „Man muss also bei acht Patienten ein EKG schreiben, um einen Überlebenden mehr zu haben“, veranschaulichte Scholz das Ergebnis.

Möglicherweise würden die Rettungskräfte ein EKG bei Patienten nach Reanimation als Hindernis ansehen, da sie diese Patienten möglichst schnell in eine Klinik übergeben wollen, vermutete Scholz.

12-Kanal-EKG bei reanimierten Patienten besonders wichtig

Doch nur diejenigen Patienten, die ein prähospitales EKG erhalten, haben überhaupt die Chance, direkt ins Katheterlabor zu kommen, betonte Scholz. Die Door-to-Balloon-Zeit der Patienten, die direkt übergeben werden konnten, verkürzte sich um 43 Minuten. Ein enormer Zeitgewinn, der ­ wie die Daten zeigen – Überlebenszeit bedeutet.

Somit sei es besonders bei reanimierten STEMI-Patienten wichtig, direkt nach dem Erstkontakt ein 12-Kanal-EKG zu schreiben, schlussfolgerte Scholz.

Literatur