Onlineartikel 29.12.2015

Reduzierte EF: Knapp jeder zehnte entwickelt binnen eines Jahres Symptome

Eine asymptomatische Verringerung der Herzfunktion geht bei den vielen Patienten mit klinisch manifester Herzinsuffizienz den eigentlichen Symptomen voraus. Wie hoch das Progressionsrisiko genau ist, darüber gibt eine neue Metaanalyse Auskunft.

Statistiker und Kardiologen aus den USA haben insgesamt 13 Publikationen ausgewertet, die Informationen zur Entwicklung einer symptomatischen Herzinsuffizienz auf dem Boden einer asymptomatischen ventrikulären Funktionsstörung enthielten. Insgesamt liefern die Publikationen Daten zu über 25.000 initial asymptomatischen Studienteilnehmern, die im Mittel knapp acht Jahre lang wissenschaftlich begleitet wurden.

Erwartungsgemäß war das Risiko der Entstehung einer symptomatischen Herzinsuffizienz bei jenen Menschen am größten, die eine eingeschränkte linksventrikuläre Funktion hatten. Pro 100 Personenjahre entwickelten bei reduzierter Ejektionsfraktion 8,4 Personen eine symptomatische Herzinsuffizienz. Anders herum ausgedrückt: Von 10 Personen mit asymptomatischer systolischer linksventrikulärer Herzinsuffizienz wird etwas weniger als einer pro Jahr symptomatisch.

Progression bei diastolischer Dysfunktion geringer

Etwas günstiger war die Prognose für Patienten mit asymptomatischer diastolischer Herzinsuffizienz. Hier wurden nur 2,8 Patienten pro 100 Personenjahre symptomatisch, also knapp drei von hundert pro Jahr. Das war aber immer noch zwei- bis dreimal so viel wie in den Vergleichspopulationen der Probanden ganz ohne ventrikuläre Funktionsstörungen. In dieser Gruppe lag die Quote der Patienten, die eine symptomatische Herzinsuffizienz entwickeln, bei 1,04 pro 100 Personenjahre.

Nach Adjustierung für eine Vielzahl an Störgrößen war das Risiko, eine symptomatische Herzinsuffizienz zu entwickeln, bei Personen mit systolischer Funktionsstörung 4,6 Mal und bei Probanden mit diastolischer Funktionsstörung 1,7 Mal so hoch wie bei herzgesunden Menschen.

Vor dem Hintergrund dieser Daten plädieren die Autoren dafür, insbesondere die asymptomatische linksventrikuläre systolische Dysfunktion stärker als bisher als ein mögliches Fenster für Screening bzw. präventiv ausgerichtete Therapien anzusehen, mit denen die Entwicklung einer symptomatischen Herzinsuffizienz hinausgezögert oder verhindert werden kann. Insbesondere Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems seien hier vielversprechend.

Literatur

Echouffo-Tcheugui JB et al. Assessing the Risk of Progression From Asymptomatic Left Ventricular Dysfunction to Overt Heart Failure. JACC: Heart Failure 2015; 7. Dezember 2015; doi: 10.1016/j.jchf.2015.09.015