Onlineartikel 04.04.2014

Rehospitalisierungen - mit modernem Monitoring reduzierbar

Einer von fünf Herzinsuffizienz-Patienten wird in den USA bereits 30 Tage nach seiner Krankenhausentlassung erneut stationär aufgenommen. Auch aus finanziellen Gründen möchte man diese Zahlen reduzieren. Denn die Gesetzgebung hat die Kostenerstattung für vermeidbare Rehospitalisierungen im amerikanischen Gesundheitssystem stark gekürzt.

Im Rahmen der ACC-Jahrestagung wurden verschiedene Studien vorgestellt, die helfen sollen, schnelle Wiedereinweisungen zu verhindern. Dazu gehören u.a. Risikoanalysen, Patientenschulungen, Apps und frühzeitige Nachsorgeuntersuchungen.

Ein automatisiertes Programm zur besseren Datenverwertung und Risikostratifizierung (the „Providence Vulnerability Index“, PVI), stellte Dr. Alicia Ross, Portland / Oregon vor. Dazu wurden die Daten von 30.252 Hochrisikopatienten mit Herzinsuffizienz ausgewertet und die 30-Tage-Rehospitalisierungs-Wahrscheinlichkeit bestimmt.

Automatisierte Risikostratifizierung

Das Programm berücksichtigt Variablen wie Krankengeschichte, Komorbiditäten, Anzahl an Krankenhauseinweisungen in den letzten drei Monaten, Medikamentenmissbrauch und psychische Erkrankungen.

Ein Score von 1 (niedriges Risiko) bis 6 (sehr hohes Risiko) korreliert mit der Vorhersage eines Wiedereinweisungsrisikos von 4 bis 39 Prozent. Das Programm hilft, rechtzeitig vor der Entlassung aus dem Krankenhaus möglichst individuell passende Maßnahmen für die Patienten einzuleiten.

Zusammenhang mit Gedächtnisleistung

Interessant ist der Zusammenhang zwischen Gedächtnisleistung und Wiedereinweisungsraten oder Tod bei Patienten mit Herzinsuffizienz: In einer prospektiven Studie mit 720 Patienten zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit dafür bei Patienten, die unter Gedächtnisstörungen leiden, mit 47 vs. 22 Prozent bei „normaler“ Gedächtnisleistung deutlich erhöht ist.

Zum Screening dieser Patienten wurde im Rahmen der Studie erstmals ein „Mini-Cog“-Test entwickelt, den der Studienleiter Dr. Eiran Gorodeski, Cleveland / Ohio als Routinemaßnahme in der Klinik empfiehlt. Bei diesem einfachen Test bekommen die Patienten drei unzusammenhängende Wörter genannt, die sie sich merken sollen, müssen zur Ablenkung eine (analoge) Uhr zeichnen und sich anschließend an die Wörter erinnern.

Bedeutung der Medikation bei Entlassung

Dr. Kumar Sanam, Birmingham / Alabama präsentierte Daten einer retrospektiven Studie mit 1348 Krankenhauspatienten, die an Herzinsuffizienz oder reduzierter Ejektionsfraktion (< 45 Prozent) litten.

Wurden diese bereits vor ihrer Entlassung auf ACE-Hemmer oder AT1-Antagonisten eingestellt, dann waren die Wiederaufnahme- und Mortalitätsraten innerhalb eines Monats nach der Entlassung signifikant niedriger als ohne diese Medikation. Auch erneute stationäre Aufnahmen unabhängig von der Ursache (18 vs. 24 Prozent) sowie wegen Herzinsuffizienz als Grund (7 vs. 14 Prozent) waren in der Gruppe mit den Medikamenten viel seltener.

Unterstützung durch eine App

In einer kleinen Studie, die Dr. Robert Widmer, Rochester / Minnesota, vorstellte, zeigte sich der Nutzen einer App: 44 Patienten, die einen Stent erhielten, bekamen anschließend standardmäßige Rehabilitationsmaßnahmen, 25 von ihnen zusätzlich noch ein Online/Smartphone-basiertes Unterstützungsprogramm. Die Software des virtuellen Gesundheitsassistenten unterstützte Blutdruck-, Blutzucker- und Lipidmessungen und erfasste körperliche Aktivitäten, Körpergewicht und Essgewohnheiten.

Damit konnte erreicht werden, dass nur 20 Prozent dieser Gruppe vs. 60 Prozent der Patienten, die diese App nicht nutzten, binnen 90 Tagen erneut in ein Krankenhaus kamen.

Diese Studien waren hauptsächlich motiviert von der Notwendigkeit, den Kostendruck in Krankenhäusern zu senken. Bleibt zu wünschen, dass sich die Erkenntnisse dann künftig auch im klinischen Alltag sinnvoll zum Nutzen der Patienten einsetzten lassen.

Literatur

Jahrestagung des American College of Cardiology vom 29.-31. März 2014 in Washington DC, Pressekonferenz „Readmission“, am 29. März 2014