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20.12.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Blutdrucksenkung

Renale Denervation – jetzt auch auf nicht invasivem Weg

Autor:
Veronika Schlimpert

Der Euphorie über die renale Denervation folgte Ernüchterung. Dieser neue Therapieansatz zur Blutdrucksenkung bleibt aber wissenschaftlich interessant. Ein neues nicht invasives Verfahren eröffnet nun eine Möglichkeit, die Durchführung kontrollierter Studien zu vereinfachen.

Um die renale Denervation (RDN) als neue Methode zur Blutdrucksenkung bei therapierefraktärer Hypertonie ist es nach den ernüchternden Ergebnissen der SYPMPLICITY HTN3-Studie ruhiger geworden ist. Sie hat gezeigt, dass die die durch RDN erzielte Blutdrucksenkung nicht signifikant stärker war als der Effekt einer Scheinintervention in der Kontrollgruppe.

Angesichts vieler ungeklärte Fragen ist nun primär die wissenschaftliche Forschung wieder gefordert.

Vorteil: Sham-Kontrollen leicht durchführbar

Mittlerweile ein neues RDN-Verfahren verfügbar, das vorteilhaft sein könnte: Die Surround Sound genannte Methode funktioniert via Ultraschall, also nicht invasiv, weshalb die Durchführung von Scheininterventionen als Kontrolle ethisch unproblematisch sein dürfte.
„Diese neue nicht-invasive Methode bietet die Chance, relativ einfach Studien mit einer Sham-Kontrolle durchzuführen“, sagte Professor Roland Schmieder vom Universitätskrankenhaus Erlangen auf dem 38. Wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Hochdruckliga in Berlin. „Sie müssen nicht punktieren, keinen Katheter einschieben, kein Kontrastmittel applizieren.“

Verödung sympathischer Nerven via Ultraschall

Die Nierenarterien werden zunächst mithilfe eines diagnostischen Ultraschalls dargestellt und durch einen Lokalisations-Schallkopf geortet. Daraufhin wird ein fokussierter Ultraschall durch einen Therapie-Schallkopf von außen etwa drei Minuten lang pro Seite appliziert, dessen Energiefeld die sympathischen Nierenarterienerven verödet.

In der WAVE III-Studie wurde die Sicherheit und Wirksamkeit des Verfahrens an wenigen Probanden mit therapieresistenter Hypertonie (n=22) bereits untersucht. Nach zwölf Wochen sank der systolische Blutdruck um durchschnittlich 30 mmHg, der diastolische um 12 mmHg; 82 Prozent der Patienten reagierten mit einem Blutdruckabfall von 10 mmHg oder mehr.

Ernsthafte Nebenwirkungen gab es keine. Allerdings traten bei einigen Patienten kurz nach der Behandlung Rückenschmerzen auf, die teils mit Schmerzmittel behandelt werden mussten, bei der Mehrheit aber nach drei Tagen spontan verschwanden.

Scheinkontrollierte Studie soll die Wirksamkeit zeigen

Die Wirksamkeit von Surround Sound soll nun in der WAVE-IV-Studie unter Federführung von Schmieder randomisiert, kontrolliert und doppelblind an 132 Studienteilnehmer mit unkontrollierter resistenter Hypertonie untersucht werden.

Die abschließende Genehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte wird in diesem Monat erwartet. Die Patienten sollen ihre bisherige Medikation weiternehmen, die Compliance wird durch das Zählen der Pillen überprüft. Weltweit nehmen zwölf Zenten teil, fünf aus Deutschland (Erlangen-Nürnberg, Frankfurt, Bonn, Münster, Hamburg).

Methode kommerziell noch nicht verfügbar

Das Gerät wird derzeit klinisch für die Markzulassung geprüft und ist deshalb kommerziell noch nicht erhältlich. Die wenigen Geräte, die zur Verfügung ständen, würden dann mit dem Lastwagen von Zentrum zu Zentrum transportiert werden, berichtete Schmieder. „Wir sind noch in der Anfangsphase einer Entwicklung, die meines Erachtens wissenschaftlich sauber untersucht werden soll.“

Dazu gehöre auch, mögliche Kontraindikationen abzuklären und die Sicherheitsaspekte im Auge zu behalten. Es könnte sein, merkte Schmieder an, dass es „uns bei sehr übergewichtigen Menschen nicht gelingt, die Niere sauber darzustellen.“

Literatur

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