Onlineartikel 15.12.2014

Renale Denervation: Protektiv bei ventrikulären Tachyarrythmien?

Die Begeisterung über die bereits als „Durchbruch“ in der blutdrucksenkenden Therapie gefeierte renale Denervation ist merklich abgekühlt. Dieser interventionellen Methode wurde unter anderem auch eine potenzielle Wirkung gegen Arrhythmien zugetraut. Doch noch steht diese Hypothese auf wackligen Beinen.

Auf den Höhenflug folgte eine harte Landung. Anfänglich sah es ganz danach aus, als habe man mit der renalen Denervation endlich eine Methode in Händen, die bei therapierefraktärer Hypertonie noch eine substanzielle Blutdrucksenkung verspricht. Trotz schmaler Datenbasis fand die auch kommerziell attraktive Methode sehr rasch Eingang in das Therapieangebot vieler Kliniken.

Dann der Schock. Die SYMPLICITY-HTN-3 blieb wider Erwarten den Nachweis schuldig, dass die renale Denervation bei „therapieresistenter“ Hypertonie den Blutdruck signifikant stärker senkt als eine Scheindenervation.

Methode nicht zu früh ad acta legen

Auf Euphorie folgte Katzenjammer. Doch weder das Eine noch das Andere werde diesem neuen Therapieverfahren gerecht, betonte Professor Gerhard Hindricks aus Leipzig beim 5. Euro VT/VF Meeting in Berlin. Er sieht die Gefahr, dass eine zu früh als Heilbringer gefeierte Methode nun voreilig fallen gelassen wird, bevor ihr therapeutisches Potenzial wissenschaftlich adäquat ergründet wurde.

Obwohl primär für die antihypertensive Behandlung entwickelt, verband sich mit der renalen Denervation die Hoffnung, über „neuromodulierende“ Wirkungen auf die Aktivität des sympathischen Nervensystems und des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) auch andere – etwa kardiale – Erkrankungen beeinflussen zu können.

Experimentelle Daten und Kasuistiken

Die Hypothese, dass sich eine Sympathikusdenervation auch auf ventrikuläre Tachyarrhythmien günstig auswirken könnte, wird bisher nur durch tierexperimentelle Befunde und klinische Einzelfallbeschreibungen gestützt, berichtete Hindricks.

So konnte am tierexperimentellen Modell gezeigt werden, dass ventrikuläre Ektopien und Kammerflimmern im Zusammenhang mit Myokardischämie durch renale Denervation verringert wurden.

In mindestens zwei publizierten Einzelfällen sind günstige Effekte dieser Behandlung bei Patienten mit therapierefraktären repetitiven ventrikulären Tachyarrhythmien („elektrischer Sturm“) beschrieben worden.

Zwei kontrollierte klinische Studien

Was aber dringend fehle, seien solide klinische Daten, betonte Hindricks. Bislang scheint es nur zwei randomisierte kontrollierte Studien (RESCUE-VT, RESET-VT) zu geben, die eventuell genaueren Aufschluss über den Stellenwert der renalen Sympathikusdenervation bei Patienten mit ventrikulären Tachyarrhythmien geben könnten.

Hindricks ließ aber durchblicken, dass es mit beiden Studien momentan nur sehr schleppend vorangehe.

Literatur

6. Euro VT/VF Meeting, 5.-6. Dezember 2014, Berlin