Skip to main content
main-content

16.06.2015 | Nachrichten

Neue Empfehlungen zur Prävention

Rheumapatienten kardiovaskulär unterversorgt

Autor:
Philipp Grätzel

Bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen gibt es weiter deutliche Defizite in der kardiovaskulären Prävention. Die Europäische Rheumaliga EULAR hat jetzt ihre Empfehlungen zum Risikomanagement aktualisiert.

Bei der Jahrestagung der europäischen Rheumatologen in Rom stellte Dr. Michael Nurmohamed vom VUmc University Medical Center in Amsterdam die neuen Empfehlungen vor. Sie gelten jetzt nicht mehr nur für Patienten mit rheumatoider Arthritis, sondern auch für Patienten mit Morbus Bechterew und Psoariasis-Arthritis.

In Ermangelung validierter, rheumaspezifischer Risiko-Scores empfiehlt die EULAR, für die kardiovaskuläre Risikoabschätzung auch bei rheumatischen Patienten klassische Scores wie Framingham oder SCORE zu nutzen, deren Ergebnisse dann aber mit dem Faktor 1,5 zu multiplizieren, um die höhere Gefährdung durch die rheumatische Erkrankung abzubilden. Kontrolliert werden sollten die Risikofaktoren bei Rheumapatienten mit stabiler Therapie alle fünf Jahre sowie immer dann, wenn sich die rheumatologische Basistherapie grundsätzlich ändert.

Was den Einsatz von Statinen und Antihypertensiva angeht, gelten bei Rheumapatienten laut EULAR die gleichen Überlegungen und Indikationen wie bei Patienten ohne rheumatische Erkrankungen. Wurden in den bisher gültigen Empfehlungen noch die ACE-Hemmer gegenüber den AT-1-Rezeptorantagonisten bevorzugt, so sind jetzt beide Substanzklassen gleichwertig.

Kein Rückgang der kardiovaskulären Mortalität

Dass es um die kardiovaskuläre Prävention bei rheumatischen Patienten nicht optimal bestellt ist, zeigen zwei Studien, die in Rom vorgestellt wurden. Eine prospektive Beobachtungsstudie an mehreren niederländischen Zentren hat die kardiovaskuläre Mortalität bei Patienten mit rheumatoider Arthritis über 15 Jahre untersucht. Sie lag um etwa 25% über der einer Vergleichspopulation. Vor allem aber gab es seit dem Jahr 2000, anders als in der allgemeinen Bevölkerung, bei den Rheumapatienten keinerlei Rückgang der kardiovaskulären Mortalität.

In einer weiteren Studie wurden 350 Patienten einer rheumatologischen Ambulanz über zwei Jahre begleitet. Hier zeigten sich im Risikomanagement deutliche Defizite: Von 44 Patienten mit Indikation zur antihypertensiven Therapie wurden nur 25 antihypertensiv behandelt. Und von 49 Patienten, die eigentlich Statine hätten bekommen müssen, bekamen nur 18 diese Therapie.

Literatur