Nachrichten 12.07.2016

Rheumatoide Arthritis: Herz-Kreislauf-Prophylaxe durch Immuntherapie?

Eine kombinierte, niedrig dosierte Immuntherapie bei rheumatoider Arthritis verringerte in einer Pilotstudie nicht nur die Gelenkprobleme der Patienten, sondern auch kardiovaskuläre Ereignisse.

Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sind kardiovaskuläre Risikopatienten. Eine kardiovaskuläre Risikoabschätzung und eine konsequente Therapie bestehender Risikofaktoren gelten deswegen in rheumatologischen Leitlinien schon seit vielen Jahren zumindest bei der rheumatoiden Arthritis (RA) als Standard.

Unklare Beziehung

Weniger klar ist die genaue Beziehung zwischen entzündlicher Gelenkerkrankung und kardiovaskulären Erkrankungen. Gibt es eine überlappende Pathophysiologie? Oder sind die Herzprobleme die Folge der chronischen Gelenkentzündung? Und wenn das so ist, schützen antirheumatische Therapien auch vor den kardiovaskulären Folgen der RA?

Eine kleine randomisierte Studie, die von Internisten der Universität Wolgograd bei der Tagung Frontiers in CardioVascular Biology (FCVB) in Florenz vorgestellt wurde, liefert jetzt Daten, die die Diskussionen befeuern könnten. 68 Patienten mit aktiver RA erhielten entweder eine konventionelle antirheumatische Therapie mit Basistherapeutika oder zusätzlich einen TNFα-Blocker und ein Anti-Interferon-γ in jeweils sehr niedriger Dosierung. Sie wurden dann drei Jahre lang nachbeobachtet, und zwar nicht nur rheumatologisch im Hinblick auf einen standardisierten Krankheitsaktivitäts-Score (DAS28), sondern auch kardiologisch im Hinblick auf instabile Angina, schwere hypertensive Krisen sowie Verschlechterung einer bestehenden chronischen Herzinsuffizienz.

Niedrige Ereignisrate bei Immunologika-Therapie

Dabei zeigten sich klare Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Nicht nur hatten die Patienten mit immunologischer Kombinationstherapie erwartungsgemäß weniger Gelenkprobleme. Sie hatten auch eine kardiovaskuläre Ereignisrate von nur 13 %, gegenüber 37 % in der Gruppe mit normaler Basistherapie ohne Immunologika. Die niedrigere Ereignisrate ging unter anderem einher mit einer deutlich besseren Blutdruckeinstellung.

Leicht zu interpretieren ist das nicht. Zufall ist bei einer Studie dieser Größenordnung nicht ausgeschlossen. Wenn es kein Zufall war, stellt sich die Frage, ob es ein Blutdruckeffekt ist oder ob in der relativ kurzen Zeitspanne von drei Jahren möglicherweise schon oder auch antiatherosklerotische Effekte zum Tragen kommen könnten.

Neuer therapeutischer Ansatz?

In jedem Fall bringen die Russen einen interessanten und ganz neuen therapeutischen Ansatz ins Spiel: Könnte es bei RA-Patienten mit moderater Krankheitsaktivität, die bisher keine spezifischen Immuntherapien erhalten würden, aus kardiovaskulärer Indikation Sinn machen, mit Biologika zu therapieren, die wesentlich niedriger dosiert sind als in der Rheumatologie üblich, und die entsprechend weniger Risiken haben? Die Studienleiter um Prof. Aida Babaeva sind dieser Auffassung, aber letztlich wird es dafür wohl größere Studien brauchen. 

Literatur

European Society of Cardiology (ESC). Immunotherapy reduces cardiovascular risk in rheumatoid arthritis. Pressemeldung 9. Juli 2016

Babaeva AR et al. Cardiovascular risk modifying with extra-low-dose anticytokine drugs inrheumatoid arthritis. Frontiers in CardioVascular Biology (FCVB) 2016; Abstract 314