Skip to main content
main-content

07.03.2017 | Rhythmologische Erkrankungen | Nachrichten

Auch mit ICD in die Röhre?

MRT bei Implantat-Trägern: Kaum Probleme bei adäquater Programmierung

Autor:
Philipp Grätzel

Nicht MRT-kompatible Implantate gelten als Kontraindikation für die Magnetresonanztomographie (MRT). Im Rahmen eines großen Registers konnten Kardiologen jetzt zeigen, dass das Risiko von Komplikationen bei adäquater Einstellung der Implantate gering ist.

Bei Patienten mit einem implantierten Defibrillator (ICD) oder einem Schrittmacher kann eine MRT-Untersuchung ohne adäquate Vorbereitung der Patienten zu Komplikationen führen. Sie reichen von inadäquaten Schocks über einen Funktionsverlust bis hin zu induzierten Herzrhythmusstörungen und thermischen Schäden im Bereich der Sonden. Implantat-Patienten erhalten deswegen in der Regeln keine MRT, sofern sie nicht über eines der MRT-kompatiblen Geräte verfügen.

Potenziell sensible Funktionen wurden abgeschaltet

Es ist allerdings nicht so, dass jede Art der MRT-Untersuchung für jeden Schrittmacher und ICD und für jede Art der Programmierung gleich komplikationsträchtig ist. Im Rahmen des US-amerikanischen MagnaSafe-Registers wurde jetzt prospektiv untersucht, wie viele Komplikationen auftreten, wenn bei Patienten mit nicht MRT-kompatiblem ICD oder Schrittmacher dennoch eine MRT-Untersuchung mit einer Feldstärke von 1,5 Tesla durchgeführt wird. Ausgeschlossen waren lediglich MRT-Untersuchungen des Thorax.

Im Rahmen des Registers mussten sich die Ärzte bei den insgesamt 1500 Patienten an ein striktes Protokoll halten, bei dem das Implantat jeweils vor und nach der MRT-Untersuchung abgefragt und, wo nötig, für die Untersuchung umprogrammiert wurde. Konkret wurde bei asymptomatischen Schrittmacherpatienten mit einer Herzfrequenz von über 40 der Pacing-Modus abgeschaltet. Bei symptomatischen Patienten oder Patienten mit einer Herzfrequenz unter 40 wurde ein asynchroner Pacing-Modus eingeschaltet, also DOO oder VOO. Bei nicht schrittmacherabhängigen Patienten mit ICD wurden alle Bradykardie- und Tachykardie-Therapien abgeschaltet. Und schrittmacherabhängige ICD-Patienten wurden aus der Studie herausgenommen, weil nicht alle eingesetzten ICD-Geräte technisch eine separate Inaktivierung der anti-tachykarden Therapien gestatteten.

Vorsichtige Entwarnung bei adäquater Programmierung

Dieses Prozedere war hoch effektiv: Es kam bei den so vorbereiteten Patienten während des Scan-Vorgangs zu keinem einzigen primären Endpunktereignis, also zu keinem Todesfall, keinem Implantat- oder Sondenversagen, keiner induzierten Arrhythmie, keiner ineffektiven Stimulation („loss of capture“) und keinem elektrischen Reset des Geräts.

Bei einem einzigen Patienten war das ICD-Aggregat nach der Untersuchung kaputt und musste ersetzt werden. Das war ein Patient, bei dem die Umprogrammierung nicht protokollgemäß erfolgt war. Ansonsten traten bei sechs Patienten Vorhofrhythmusstörungen auf, die innerhalb zwei Tagen reversibel waren, und bei ebenfalls sechs Patienten gab es einen partiellen elektrischen Reset.

Insgesamt zeige das Register, dass zumindest nicht-thorakale MRT-Untersuchungen mit der niedrigen Feldstärke von 1,5 Tesla bei kardialen Implantat-Trägern mit adäquater Vorbereitung relativ sicher seien, so die Autoren. Sie weisen allerdings darauf hin, dass nicht alle denkbaren Aggregat-Sonden-Kombinationen im Register vertreten waren.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

 

Highlights

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Aus der Kardiothek

16.04.2019 | Quiz | Onlineartikel

Patientin mit Fieber und Tachykardie – die Ursache verrät das Röntgenbild

Röntgenaufnahme des Thorax im Stehen bei einem 43 jährigen Patienten mit Fieber und Tachykardie. Was ist zu sehen?

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise