Nachrichten 07.03.2017

MRT bei Implantat-Trägern: Kaum Probleme bei adäquater Programmierung

Nicht MRT-kompatible Implantate gelten als Kontraindikation für die Magnetresonanztomographie (MRT). Im Rahmen eines großen Registers konnten Kardiologen jetzt zeigen, dass das Risiko von Komplikationen bei adäquater Einstellung der Implantate gering ist.

Bei Patienten mit einem implantierten Defibrillator (ICD) oder einem Schrittmacher kann eine MRT-Untersuchung ohne adäquate Vorbereitung der Patienten zu Komplikationen führen. Sie reichen von inadäquaten Schocks über einen Funktionsverlust bis hin zu induzierten Herzrhythmusstörungen und thermischen Schäden im Bereich der Sonden. Implantat-Patienten erhalten deswegen in der Regeln keine MRT, sofern sie nicht über eines der MRT-kompatiblen Geräte verfügen.

Potenziell sensible Funktionen wurden abgeschaltet

Es ist allerdings nicht so, dass jede Art der MRT-Untersuchung für jeden Schrittmacher und ICD und für jede Art der Programmierung gleich komplikationsträchtig ist. Im Rahmen des US-amerikanischen MagnaSafe-Registers wurde jetzt prospektiv untersucht, wie viele Komplikationen auftreten, wenn bei Patienten mit nicht MRT-kompatiblem ICD oder Schrittmacher dennoch eine MRT-Untersuchung mit einer Feldstärke von 1,5 Tesla durchgeführt wird. Ausgeschlossen waren lediglich MRT-Untersuchungen des Thorax.

Im Rahmen des Registers mussten sich die Ärzte bei den insgesamt 1500 Patienten an ein striktes Protokoll halten, bei dem das Implantat jeweils vor und nach der MRT-Untersuchung abgefragt und, wo nötig, für die Untersuchung umprogrammiert wurde. Konkret wurde bei asymptomatischen Schrittmacherpatienten mit einer Herzfrequenz von über 40 der Pacing-Modus abgeschaltet. Bei symptomatischen Patienten oder Patienten mit einer Herzfrequenz unter 40 wurde ein asynchroner Pacing-Modus eingeschaltet, also DOO oder VOO. Bei nicht schrittmacherabhängigen Patienten mit ICD wurden alle Bradykardie- und Tachykardie-Therapien abgeschaltet. Und schrittmacherabhängige ICD-Patienten wurden aus der Studie herausgenommen, weil nicht alle eingesetzten ICD-Geräte technisch eine separate Inaktivierung der anti-tachykarden Therapien gestatteten.

Vorsichtige Entwarnung bei adäquater Programmierung

Dieses Prozedere war hoch effektiv: Es kam bei den so vorbereiteten Patienten während des Scan-Vorgangs zu keinem einzigen primären Endpunktereignis, also zu keinem Todesfall, keinem Implantat- oder Sondenversagen, keiner induzierten Arrhythmie, keiner ineffektiven Stimulation („loss of capture“) und keinem elektrischen Reset des Geräts.

Bei einem einzigen Patienten war das ICD-Aggregat nach der Untersuchung kaputt und musste ersetzt werden. Das war ein Patient, bei dem die Umprogrammierung nicht protokollgemäß erfolgt war. Ansonsten traten bei sechs Patienten Vorhofrhythmusstörungen auf, die innerhalb zwei Tagen reversibel waren, und bei ebenfalls sechs Patienten gab es einen partiellen elektrischen Reset.

Insgesamt zeige das Register, dass zumindest nicht-thorakale MRT-Untersuchungen mit der niedrigen Feldstärke von 1,5 Tesla bei kardialen Implantat-Trägern mit adäquater Vorbereitung relativ sicher seien, so die Autoren. Sie weisen allerdings darauf hin, dass nicht alle denkbaren Aggregat-Sonden-Kombinationen im Register vertreten waren.

Literatur

Russo RJ et al. Assessing the Risks Associated with MRI in Patients with a Pacemaker or Defibrillator. New Engl J Med 2017; 376:755-64

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Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen