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26.04.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Amyloidose

Risikostratifizierung per Kernspintomografie

Autor:
Florian André

Die Immunglobulin-Leichtketten-Amyloidose (AL) ist die häufigste Form der systemischen Amyloidosen, wobei insbesondere die renale sowie kardiale Beteiligung das klinische Bild bestimmen. Neben Biomarkern kommt somit der kardialen Bildgebung eine wichtige Rolle bei der Risikostratifizierung von AL-Patienten zu.

In mehreren klinischen Studien wurde gezeigt, dass die Analyse der kardialen Deformation mithilfe echokardiografischer Strain-Messungen zu einer inkrementellen Verbesserung der Prädiktion führt. Die kardiale Magnetresonanztomografie (MRT) gilt derzeit aufgrund ihres exzellenten Blut-Gewebe-Kontrasts und der geringen Intra- sowie Interobservervariabilität als Referenzmethode zur nicht invasiven Analyse der linksventrikulären Morphologie und Funktion. Ferner kann mittels Late Gadolinium Enhancement (LGE), der späten myokardialen Kontrastmittelanreicherung, eine Aussage über das Ausmaß der kardialen Beteiligung und somit über die Prognose getroffen werden.

Kardiale MRT mit Feature Tracking Imaging

Feature Tracking Imaging (FTI) ist ein ursprünglich für die Echokardiografie entwickelter Algorithmus, der mittels Nachverfolgung kardialer „Features“ wie beispielsweise Myokardtexturen eine kardiale Deformationsanalyse erlaubt. Im Gegensatz zu anderen Methoden ermöglicht FTI eine zuverlässige Messung des Strains in der kardialen MRT anhand von Standardsequenzen und unabhängig von der verwendeten Feldstärke, ohne dass zusätzliche Aufnahmen erforderlich wären.

Linksventrikuläre Deformation untersucht

In dieser Studie wurden die linksventrikulären Deformationsmuster von AL-Patienten im Vergleich zu einem gesunden Referenzkollektiv mittels FTI untersucht. Hierzu wurden 98 Patienten (40 Frauen, 58 Männer) mit einer histologisch gesicherten Amyloidose vor dem Beginn der medikamentösen Therapie in einem klinischen MRT-System untersucht. Als Kontrollgruppe dienten 50 Probanden (25 Frauen, 25 Männer), die aus einem nachweislich gesunden Referenzkollektiv stammten.

Zur Morphologiedarstellung wurden Kurzachsenschnitte über beide Ventrikel sowie Zwei-, Drei- und Vierkammerblicke mittels einer Steady-State-Free-Precession (SSFP)-Sequenz aufgenommen. Aus diesen wurden die ventrikulären Volumina, die Ejektionsfraktion sowie die Wanddicken bestimmt. Ferner wurden mit dem FTI-Algorithmus der zirkumferentielle und der longitudinale endokardiale Strain quantifiziert. Zur Darstellung des LGE erfolgten, wenn keine Kontraindikationen hierfür bestanden, die intravenöse Gabe von Gadolinium-haltigem Kontrastmittel und anschließend die Bildakquisition mittels dedizierter Sequenzen.

Ergebnisse

Die Gruppe der AL-Patienten wies einen signifikant verringerten globalen zirkumferentiellen (–23,3±6,7 versus –28,1±4,5%; p<0,001) sowie globalen longitudinalen Strain (–15,7±5,0 versus –23,6±2,9%; p<0,001) im Vergleich zum Referenzkollektiv auf. Sowohl der globale zirkumferentielle als auch der globale longitudinale Strain der AL-Patienten korrelierte mit der Ejektionsfraktion (jeweils p<0,001).

In der Subgruppe der AL-Patienten mit einer durchschnittlichen Wanddicke kleiner 12 mm zeigte sich ein im Vergleich zu den gesunden Probanden bereits signifikant reduzierter globaler longitudinaler Strain (–18,2±4,8 versus –23,6±2,9%; p<0,001), wohingegen der globale zirkumferentielle Strain keine signifikante Differenz zwischen den beiden Gruppen aufwies. Ferner hatten selbst AL-Patienten mit einer erhaltenen Ejektionsfraktion (≥55%) einen im Vergleich zum Referenzkollektiv signifikant verringerten globalen longitudinalen Strain (17,7±4,6 versus –23,6±2,9%; p<0,001). Der globale zirkumferentielle Strain unterschied sich wiederum nicht signifikant zwischen den beiden Gruppen.

Hinsichtlich des LGE ergab sich weder für den globalen zirkumferentiellen noch für den globalen longitudinalen Strain eine signifikante Differenz zwischen positiven und negativen AL-Patienten. Jedoch zeigte sich sowohl für den globalen zirkumferentiellen (–24,1±3,4 versus –28,1±4,5%; p<0,05) als auch für den globalen longitudinalen Strain (–18,0±3,7 versus –23,6±2,9%; p<0,001) eine signifikante Diffe­renz zwischen LGE-negativen AL-Patienten und dem gesunden Referenzkollektiv.

Schnelle Quantifizierung des kardialen Strains möglich

Der FTI-Algorithmus ermöglicht eine schnelle Quantifizierung des kardialen Strains anhand von normalen SSFP-Aufnahmen, ohne dass zusätzliche MRT-Sequenzen erforderlich sind. Bereits bei AL-Patienten mit normalen Wanddicken, erhaltener Ejektionsfraktion oder negativem LGE lassen sich pathologische Deformationsmuster feststellen. Somit könnte der FTI-Algorithmus zur differenzierten Risikostratifizierung von AL-Patienten mithilfe der kardialen MRT beitragen. Weitere klinische Studien sind erforderlich, um den potenziellen inkrementellen prognostischen Wert zu untersuchen.

Literatur