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19.05.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

PRAGUE-19-Studie

Scaffold-Implantation bei Herzinfarkt: Ermutigende Langzeitergebnisse

Autor:
PD Dr. Thomas Lauer

Erste Erfahrungen mit der Implantation bioresorbierbarer Koronarstents (Scaffolds) bei Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt sind in der PRAGUE-19-Studie gewonnen worden. Ermutigende Langzeitergebnisse sind aktuell beim Kongress EuroPCR 2016 vorgestellt worden.

Sich selbst im Körper auflösende koronare Gefäßstützen (bioresorbable vascular scaffolds, BVS) wurden anfänglich bei stabilen Patienten mit relativ unkomplizierten Koronarläsionen mit guten Ergebnissen über fünf Jahre untersucht. Langzeitergebnisse zum Einsatz bei Patienten mit ST-Hebungsinfarkt (STEMI) und insbesondere Daten zu späten BVS-Thrombosen fehlen.

Die in Paris von Dr. Viktor Kocka vorgestellte PRAGUE-19-Studie adressiert diese Thematik und lieferte erste Daten zum Langzeit-Follow-up bei Patienten mit STEMI. Diese prospektive Studie wurde in zwei Zentren in Tschechien zwischen Dezember 2012 und März 2015 durchgeführt. Von 580 gescreenten Patienten erfüllten lediglich 20 % (n = 117) die strengen Einschlusskriterien für eine BVS-Implantation.

Häufigste Ausschlusskriterien waren eine niedrige Lebenserwartung und ein Gefäßdurchmesser > 3,7 mm. Die technische Prozedur erfolgte entsprechend den üblichen Empfehlungen und eine duale Plättchenaggregationshemmung (DAPT) war für 12 Monate vorgesehen. Primärer Endpunkt war die Kombination aus Tod, Myokardinfarkt und Target vessel revascularisation (TVR). Der klinische Verlauf konnte bei 69 Patienten über zwei Jahre nachbeobachtet werden.

Ein primäres Endpunktereignis trat in der BVS-Gruppe bei 13 Patienten nach einem mittleren Follow-up von 730 275 Tagen auf (11,5 %). Die Mortalität betrug 4,4 % und war numerisch niedriger als in der mit konventionellen Metallstents versorgten Kontrollgruppe (12,9 %), die 127 Patienten umfasste. Der Unterschied ist nicht signifikant (p = 0,275)

Es gab vier Myokardinfarkte, vier TVRs sowie zwei definitive und eine wahrscheinliche Scaffold-Thrombosen. Bemerkenswert ist, dass alle Ereignisse im ersten Jahr auftraten und keine Stentthrombose nach Beendigung der dualen Plättchenaggregationshemmung zu verzeichnen war.

Folgende Limitationen schränken die Aussagekraft der Studie ein. Es handelt sich um eine nicht randomisierte Single-arm-Studie. Da die große Mehrheit der gescreenten Patienten für eine BVS-Implantation ausgeschlossen wurde, ist ein Selektionsfehler (Bias) nicht auszuschließen. Zudem lässt die niedrige Patientenzahl eine definitive Schlussfolgerung nicht zu.

Größere randomisierte Studien sind daher zukünftig notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen.


In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor. PD Dr. Thomas Lauer ist Internist, Kardiologe und Angiologe im CardioCentrum Düsseldorf. 

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