Onlineartikel 30.04.2015

Scheiden tut weh – auch in kardialer Hinsicht

Scheidungen können für das Seelenleben bekanntlich sowohl positive als auch negative Ereignisse sein. Für das Herz dagegen fällt das Urteil eindeutiger aus. Wer sich scheiden lässt, riskiert den früheren Infarkt. Besonders vertrackt: Die Sache ist „dosisabhängig“ und eher ein Frauenproblem.

Um mehr über die kardialen Risiken einer Scheidung zu erfahren, haben Wissenschaftler des Duke Clinical Research Institutes in Durham, North Carolina, eine US-weite, bevölkerungsrepräsentative, prospektive Kohorte verheirateter Erwachsener zwischen 45 und 80 Jahren ausgewertet. 15.827 Individuen nahmen teil und wurden zwischen 1992 und 2010 alle zwei Jahre befragt und untersucht.

14% der Männer und 19% der Frauen waren bereits zu Beginn der Studie geschieden. Im Laufe der Jahre wurde das dann erwartungsgemäß mehr. Rund ein Drittel der Studienteilnehmer hatte bis zum Studienende eine oder gar mehrere Scheidungen hinter sich gebracht.

Mehr Scheidungen, höheres Infarktrisiko

Wie korrelierte das nun mit der Rate akuter Myokardinfarkte? Insgesamt lag die Infarktquote bei 8%. In der nicht adjustierten, altersspezifischen Auswertung war das Risiko bei Menschen mit einer oder mehreren Scheidungen durchgehend höher. Besonders interessant war dann allerdings die für sonstige Risiken adjustierte Detailauswertung nach Männern und Frauen.

Hier zeigte sich, dass Frauen nach einer ersten Scheidung ein um signifikante 24% (HR 1,24; 95%-CI 1,01–1,55) erhöhtes Myokardinfarktrisiko aufwiesen. Noch einmal heiraten half dem Frauenherzen nicht: Wenn Frau zum zweiten Mal heiratete, hatte sie im Vergleich zu Frauen in erster Ehe ein um 35% erhöhtes Myokardinfarktrisiko (HR 1,35; 95%-CI 1,07–1,70).

Richtig ungünstig wirkte sich dann die zweite Scheidung aus: Wer als Frau zwei oder mehr Scheidungen hinter sich brachte, für den erhöhte sich das Myokardinfarktrisiko um 77% (HR 1,77; 95%-CI 1,30–2,41).

Männerherzen verkraften erste Scheidung noch gut

Und wie sieht die Sache bei Männern aus? Nun, das männliche Herz verkraftete die erste Scheidung noch ausgesprochen gut. Kein signifikant erhöhtes Myokardinfarktrisiko gab es hier zu vermelden. Wurde neu geheiratet, tangierte das das Männerherz auch nicht sonderlich – kardiologisch gesehen versteht sich.

Ab der zweiten Scheidungen wurde es dann aber auch dem Männerherzen zu bunt: Wer als Mann zwei oder mehr Scheidungen hinter sich brachte, der erhöhte sein Myokardinfarktrisiko um signifikante 30% (HR 1,30; 95%-CI 1,02–1,66).

Kausalitäten lassen sich aus diesem Studiendesign selbstredend nicht ableiten. 

Literatur

Dupre ME et al. Association Between Divorce and Risks for Acute Myocardial Infarction. Circ Cardiovasc Qual Outcomes. 2015 Apr 14. doi: 10.1161/CIRCOUTCOMES.114.001291