Onlineartikel 31.08.2014

Schlafapnoe - verhilft PAP-Therapie zu längerem Leben?

Durch Behandlung einer bestehenden Schlafapnoe lässt sich möglicherweise nicht nur die Lebensqualität von Patienten mit KHK oder Herzinsuffizienz verbessert werden. Diese Therapie könnte auch deren Leben verlängern, wie Ergebnisse einer neuen Studie nahelegen.

Bei kardiovaskulären Erkrankungen wie KHK und Herzinsuffizienz ist Schlafapnoe eine häufige Komorbidität.

Durch Behandlung mit PAP-Beatmungsgeräten (PAP: positive airway pressure), die für einen positiven Atemwegsdruck sorgen, können die damit verbundenen Beschwerden wie nicht erholsamer Schlaf, Tagesschläfrigkeit und Konzentrations- und Leistungsschwäche beseitigt oder zumindest verringert werden.

Auch von prognostischem Nutzen?

Ob diese Therapie auch einen über die Symptomverbesserung hinausgehenden Nutzen hat, ist unklar. Informationen dazu liefert jetzt eine Studie deutscher Untersucher, deren Ergebnisse Dr. Holger Wöhrle aus Ulm beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Barcelona vorgestellt hat.

In dieser Studie zeigte sich, dass die Drei-Jahres-Mortalität bei Patienten mit Schlafapnoe, die eine PAP-Behandlung erhalten hatten, signifikant um rund ein Drittel niedriger war als in einer Vergleichsgruppe ohne PAP-Behandlung.

Kontrollgruppe mittels „Matching" gebildet

Grundlage der Studie bildeten Daten zur Behandlung von Millionen Mitgliedern gesetzlicher Krankenkassen im Zeitraum zwischen 2007 und 2012. Aus diesem großen Personenkreis wurde eine Gruppe von mehr als 4000 Patienten mit Schlafapnoe selektiert, die eine PAP-Therapie erhalten hatten.

Derselben Datenbank entstammt auch die Kontrollgruppe: Mithilfe statistischer „Matching“-Verfahren (Propensity Score) wurde eine gleich große und weitgehend merkmalsgleiche Gruppe von Schlafapnoe-Patienten („statistische Zwillinge“) zusammengestellt, die keine PAP-Behandlung erhalten hatten.

Drei-Jahres-Mortalität um fast 38 Prozent niedriger

Die Patienten wurden ab Beginn der PAP-Therapie drei Jahre lang nachbeobachtet. In dieser Zeit war die Mortalitätsrate in der PAP-behandelten Gruppe signifikant um fast 38 Prozent niedriger als in der nicht PAP-behandelten Gruppe (4,5 versus. 7,2 Prozent).

Auch die entsprechenden Raten bei KHK-Patienten (6,7 versus 10,7 Prozent)) und bei Patienten mit Herzinsuffizienz (14,7 versus 21,4 Prozent) waren in der PAP-behandelten Gruppe jeweils signifikant um rund ein Drittel niedriger als in der Kontrollgruppe.

Noch kein definitiver Beweis

Den Beweis, dass die PAP-Behandlung tatsächlich der Grund für die damit assoziierte niedrigere Mortalität ist, kann die Studie aufgrund der bekannten Limitierungen retrospektiver Analysen nicht erbringen.

Wöhrle wertete ihre Ergebnisse aber als „robustes Signal“ für einen möglichen prognostischen Nutzen. Der müsse allerdings noch durch prospektive randomisierte Studien bestätigt werden.

Eine solche Studie – ihr Akronym ist SERVE-HF – wird derzeit bei Patienten mit Herzinsuffizienz und überwiegend zentraler Schlafapnoe in Europa und Australien durchgeführt. Studiensponsor ist das Unternehmen ResMed. Ergebnisse werden für 2015 erwartet.

Literatur

Jahrestagung European Society of Cardiology (ESC) vom 30.8.-3.9.2014 in Barcelona; Abstract 1126: Wöhrle et al. Benefit of positive airway pressure (PAP) therapy in patients with sleep apnoea (SA) in Germany: a retrospective comparative cohort analysis based on a statutory health insurance (SHI) database.