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13.05.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

SOCRATES-Studie

Schlaganfall: Ticagrelor nicht besser als ASS

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

In einer großen Studie zur Sekundärprophylaxe von Schlaganfällen und kardiovaskulären Ereignissen mit über 13.000 Patienten erwies sich der Plättchenhemmer Ticagrelor gegenüber ASS wider Erwarten als nicht überlegen.

Die internationale multizentrische Doppelblindstudie SOCRATES verglich bei 13.199 Patienten, die nach leichtem Schlaganfall oder schwerwiegender transienter ischämischer Attacke (TIA) keine Lysetherapie erhalten hatten, die Wirksamkeit von Ticagrelor mit der von ASS. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zum Auftreten eines Schlaganfalls, Herzinfarktes oder Tod innerhalb von 90 Tagen nach Therapiebeginn.

Die Randomisierung in 2 Gruppen erfolgte binnen 24 Stunden nach Symptombeginn: Die Patienten erhielten entweder Ticagrelor (180 mg als Startdosis, gefolgt von zweimal täglich 90 mg) oder ASS (300 mg als Startdosis und 100 mg ab dem zweiten Tag).

Kein Unterschied beim primären Endpunkt

In der Ticagrelor-Gruppe (n = 6.589 ) erreichten 442 Patienten (6,7 %) den primären Endpunkt, in der ASS-Gruppe (n = 6.610) waren es 797 (7,5 % ), dieser Unterschied war nicht signifikant (p = 0,07). Generell am häufigsten traten ischämische Schlaganfälle auf (Ticagrelor: 385 bzw.5,9 % vs. ASS: 441 bzw. 6,6 %).

Auch bzgl. der primären Sicherheitsendpunkte schwere Blutungen, intrakranielle Hämorrhagien oder tödliche Blutungen lagen beide Gruppe nahe beieinander (0,5 vs. 0,6 %, 0,2 vs.0,3 %, 0,1 vs.0,1 %) und unterschieden sich nicht signifikant.

Damit erwies sich eine intensivere Plättchenhemmung mit Ticagrelor der altbewährten ASS-Prophylaxe hinsichtlich einer Reduktion der für den kombinierten Endpunkt definierten Ereignisse bei Patienten nach akuten zerebralen Ischämien als nicht überlegen.

Studie hat Limitierungen

Eine Limitation der Studie ist die geringe Anzahl von Patienten mit ischämischem Schlaganfall, die einen hohen NIHSS-Score (National Institute of Health Stroke Scale, Range: 0 bis 42) aufwiesen und damit einen schweren Schlaganfall hatte. Bei zwei Drittel der Teilnehmer in beiden Studienarmen lag nämlich der Score < 3 (Ticagrelor: n = 3.235/4.798, ASS: n = 3.282/4.869, bzw. je 67,4 %).

Bei hochgradigen Karotis- oder intrakraniellen Stenosen kamen interventionelle Therapien zum Einsatz, was ein Ausschlusskriterium der Studie darstellte. Die fehlende Überlegenheit von Ticagrelor vs. ASS ist auf Basis der SOCRATES-Studienpopulation angesichts dieser Limitierungen differenziert zu interpretieren.  

Literatur

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