Nachrichten 06.06.2022

Langes Sitzen, höheres Schlaganfallrisiko

Einen großen Teil des Tages sitzend zu verbringen ist Alltag für viele Menschen. Gesund ist es nicht, zeigt jetzt auch eine US-Analyse, in der längeres Sitzen mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einhergeht.

Wie viel körperliche Aktivität nötig ist, um einem Schlaganfall vorzubeugen, ist noch nicht endgültig geklärt. Auch ob sitzend verbrachte Zeit ein unabhängiger Risikofaktor dafür ist, wurde noch wenig erforscht. Eine aktuelle Studie legt nahe, dass schon leichte körperliche Aktivität genauso wie das Reduzieren von Sitzzeiten das Schlaganfallrisiko verringern können.

Dr. Steven Hooker von der Staatlichen Universität in San Diego und sein Team analysierten Daten von rund 7.600 US-amerikanischen Personen, die an der REGARDS-Studie zur Schlaganfallforschung teilgenommen hatten. Sie waren median 63 Jahre alt, gut die Hälfte waren Frauen. Mithilfe eines Beschleunigungssensors war eine Woche lang erfasst worden, wie viel Zeit sie sitzend, mit leichter sowie mit moderater bis intensiver körperlicher Aktivität verbracht hatten. Die Forschenden teilten sie in Tertile und untersuchten mögliche Zusammenhänge mit dem Schlaganfallrisiko.

44% erhöhtes Risiko bei längeren Sitzzeiten

Während der medianen Nachbeobachtungszeit von gut sieben Jahren ereigneten sich 286 Schlaganfälle, 85% davon waren ischämisch. Wer sich mehr bewegte, hatte ein geringeres Risiko dafür. Es war bei den Teilnehmenden im höchsten gegenüber denen im niedrigsten Tertil um 26% reduziert bei leichter körperlicher Aktivität und um 43% bei moderater bis intensiver Bewegung.

Längere Sitzzeiten gingen mit einem signifikant um 44% erhöhten Schlaganfallrisiko einher. Beim Vergleich des höchsten mit dem niedrigsten Tertil war die mediane Sitzdauer mit einem signifikant um 53% erhöhten Risiko für einen Schlaganfall assoziiert.

Wenn auf die Sitzdauer adjustiert wurde, wurde deutlich: Bei kürzeren, moderaten bis intensiven Bewegungseinheiten von einer bis neun Minuten hatte das höchste verglichen mit dem niedrigsten Tertil ein signifikant um 38% niedrigeres Schlaganfallrisiko. Bei längerer moderater bis intensiver Bewegung von mindestens zehn Minuten zeigte sich kein solcher Unterschied.

Jede tägliche Sitz- und Bewegungsstunde zählt

Als kontinuierliche Variable korrelierte die Sitzdauer positiv mit dem Schlaganfallrisiko: Pro täglicher Stunde Sitzen stieg es um 14%. Leichte Bewegung war dagegen negativ mit Schlaganfallrisiko assoziiert, mit jeder einstündigen Bewegungseinheit pro Tag nahm es um 14% ab.

„Leichte und intensivere Aktivität sowie Sitzzeiten insgesamt waren signifikant und unabhängig mit dem Schlaganfallrisiko assoziiert, genauso wie längere Sitzeinheiten“, fassen Hooker et al. zusammen. Die Ergebnisse legen ihnen zufolge nahe, dass das Ersetzen von Sitzzeiten durch leichte Bewegung oder schon durch kurze Einheiten moderater bis intensiver Aktivität das Schlaganfallrisiko reduzieren könnte.

Literatur

Hooker S et al. Association of Accelerometer-Measured Sedentary Time and Physical Activity With Risk of Stroke Among US Adults. JAMA Network Open 2022. https://doi.org.10.1001/jamanetworkopen.2022.15385

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