Skip to main content
main-content

05.12.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Herzstillstand

Schlechtere Ergebnisse nach Reanimation mit Adrenalin?

Autor:
Dr. Robert Bublak

Wiederbelebte Patienten, die mithilfe von Adrenalin reanimiert wurden, haben Ergebnissen einer französischen Studie zufolge geringere Aussichten, in gutem neurologischem Zustand entlassen zu werden.

In die Beobachtungsstudie zu den längerfristigen Wirkungen von Adrenalin nach einer Reanimation gingen die Daten von 1556 Patienten ein, die nach einem Herzstillstand wieder einen Spontankreislauf entwickelt hatten. Davon hatten 73 Prozent Adrenalin erhalten.

Schlechtere Ergebnisse nach Adrenalingabe

Doch während nur 17 Prozent der Patienten nach Adrenalingabe mit allenfalls mäßigen neurologischen Defiziten davonkamen, waren es in der Gruppe ohne Adrenalin 63 Prozent.

Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse der Untersuchung, dass der negative Adrenalineffekt dosisabhängig war: Das Chancenverhältnis einer Entlassung in gutem vs. schlechtem Zustand sank nach Gabe von 1 mg Adrenalin um 52 Prozent, nach verabreichten 2–5 mg um 70 Prozent und nach mehr als 5 mg um 77 Prozent, jeweils verglichen mit Patienten, die kein Adrenalin bekommen hatten. Zudem verschlechterten sich die Ergebnisse, je länger es bis zur ersten Adrenalinspritze gedauert hatte.

So betrachtet, bestätigen die Befunde der französischen Studiengruppe um die Notfallmedizinerin Florence Dumas (Université Paris Descartes) einerseits, was bisher schon vermutet wurde: Adrenalin erleichtert zwar die Rückkehr der Spontanzirkulation, birgt aber womöglich Risiken für die Zeit danach, etwa in Form von myokardialer Dysfunktion, erhöhtem Sauerstoffbedarf und gestörter Mikrozirkulation.

Studie mit Limitierungen

Andererseits ist die Studie mit Einschränkungen behaftet, die nicht übersehen werden sollten. So hatten die Patienten, die Adrenalin erhielten, generell eine schlechtere Prognose – sie waren älter, hatten seltener einen schockbaren Rhythmus und mussten länger reanimiert werden.

Diese Schieflage versuchten Dumas und ihr Team durch eine Propensitätsanalyse auszugleichen; dabei wurde der Einfluss von Faktoren berücksichtigt, die es von vornherein wahrscheinlicher machten, dass ein Patient Adrenalin bekam. Doch wollen die Wissenschaftler nicht ausschließen, dass ihnen manche Störfaktoren entgangen sind. Daher lässt sich die Vermutung, dass der Adrenalineinsatz nur ein Surrogat für die Schwere des Notfalls war, nicht völlig unterdrücken.

Zu früh, auf Adrenalin ganz zu verzichten

Auch ist nichts darüber bekannt, bei wie vielen Patienten nach einem Herzstillstand eine Reanimation versucht wurde und wie hoch jeweils der Anteil derjenigen war, die mit bzw. ohne Adrenalin wieder eine Spontanzirkulation entwickelten.

Trotz aller Einschränkungen nähren die Studienresultate freilich den Verdacht, dass Adrenalin vielleicht nicht den idealen Vasopressor in der Reanimationssituation darstellt. Dumas und Kollegen fordern aber nicht, Adrenalin aus dem Notfallkoffer zu werfen. Vielmehr plädieren sie dafür, andere Behandlungsschemata zu erforschen, etwa die Kombination von Adrenalin mit Vasopressin oder Betablockern.

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren