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18.01.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Diabetes-Therapie

SGLT2-Hemmer: Macht Blutdrucksenkung den Unterschied fürs Herz?

Autor:
Philipp Grätzel

Zwei neue Studien mit den SGLT2-Hemmern Empagliflozin und Dapagliflozin bei hypertensiven Typ-2-Diabetikern zeigen neben der glykämischen Kontrolle eine jeweils signifikante Absenkung des Blutdrucks. Erklärt das die kardiovaskulären Effekte dieser Substanzgruppe?

Die im Herbst 2015 vorgestellten Ergebnisse der EMPA-REG OUTCOME-Studie haben Diabetologen und Kardiologen gleichermaßen elektrisiert. Zum ersten Mal hatte eine antidiabetische Therapie, nämlich der SGLT2-Hemmer Empagliflozin, in einer großen, randomisierten, placebokontrollierten Outcome-Studie bei Typ-2-Diabetikern nicht nur mikrovaskuläre Komplikationen verringert, sondern war in einem makrovaskulären primären Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall signifikant besser. 10,5% bzw. 12,1% der Patienten hatten nach drei Jahren ein primäres Endpunktereignis.

Leicht zu erklären sind diese Ergebnisse bis heute nicht. Der Unterschied zwischen den Gruppen beim primären Endpunkt und auch bei der Gesamtmortalität war getrieben durch die kardiovaskuläre Mortalität (3,7% vs. 5,9%). Herzinfarkte und Schlaganfälle unterschieden sich aber nicht signifikant. Im Trend gab es jedoch bei praktisch allen einzelnen kardiovaskulären Todesursachen einen Vorteil für Empagliflozin, auch zum Beispiel bei plötzlichem Herztod und Herzinsuffizienz.

Blutdrucksenkende Wirkung bestätigt

Die beiden neuen Studien mit Empagliflozin und Dapagliflozin liefern jetzt einen möglichen Erklärungsansatz. Sie bestätigen die auch schon in der EMPA-REG OURTCOME-Studie und anderen SGLT2-Hemmer-Studien gemachte Beobachtung einer Blutdrucksenkung, diesmal freilich in einem Studiendesign, bei dem explizit hypertensive Typ-2-Diabetiker behandelt wurden und der Blutdruck neben der Blutzuckerkontrolle ein gleichberechtigter primärer Endpunkt war.

An der Empagliflozin-Studie nahmen 825 Patienten mit mäßiggradigem vorbehandeltem Hypertonus (systolischer Blutdruck < 160/100 mmHg) teil, die zusätzlich zur bestehenden antihypertensiven Therapie Empagliflozin 10mg, 25mg oder Placebo einmal täglich einnahmen.
Es zeigte sich ein dosisabhängiger Effekt des SGLT2-Hemmers mit einer Abnahme des systolischen/diastolischen, ambulanten 24h-Blutdrucks im Vergleich zu Placebo um 3,44/1,36 mmHg bzw. 4,16/1,72 mmHg. Das war jeweils statistisch signifikant und konnte auch in den Messungen in den Arztpraxen bestätigt werden.

Anscheinend ein Klasseneffekt

An der Dapagliflozin-Studie nahmen 613 hypertensive Typ-2-Diabetiker teil. Eine antihypertensive Vorbehandlung mit Renin-Angiotensin-Hemmstoffen war Pflicht. Der mittlere systolische 24h-Blutdruck sank in dieser Studie nach ebenfalls 12 Wochen bei Therapie mit 10mg Dapagliflozin um 2,9 mmHg stärker als bei Placebotherapie. In beiden Studien nahm auch im Einklang mit anderen SGLT2-Hemmer-Studien das Körpergewicht ab.

Insgesamt scheint es demnach so zu sein, dass die Blutdrucksenkung bei SGLT2-Hemmern ein Klasseneffekt ist. Sie könnte den Abfall der kardiovaskulären Mortalität erklären. Eine Mortalitätssenkung nachgewiesen wurde bisher freilich nur für Empagliflozin.

Literatur

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