Onlineartikel 09.01.2015

Sorgenfrei nach Mannheim

Was passiert eigentlich mit all den kardiologischen Patienten, wenn die deutsche Kardiologenelite in Mannheim tagt? Man weiß es nicht, aber aus den USA gibt es jetzt Daten: Wenn halb Amerika beim AHA ist, geht es den Patienten jedenfalls nicht schlechter.

Experten der Harvard Medical School haben sich in einer retrospektiven Analyse der Jahre 2002 bis 2011 angesehen, was mit Patienten passiert, die ausgerechnet an den Tagen einen akuten Myokardinfarkt (AMI) erleiden, an denen die Kongresse der American Heart Association (AHA) bzw. des American Colleges of Cardiology (ACC) stattfinden. Außerdem wurden Patienten mit akuter, hospitalisationsbedürftiger Herzinsuffizienz sowie Patienten mit Herzstillstand („cardiac arrest“) für die Analyse berücksichtigt.

Ausgewertet wurden unter anderem 30-Tage-Mortalität, Interventionsrate und Aufenthaltsdauer im Krankenhaus. Als Vergleichszeiträume dienten jeweils dieselben Wochentage in den drei Wochen vor und den drei Wochen nach der jeweiligen Konferenz. Außerdem wurde unterschieden zwischen Hochrisiko- und Niedrigrisikopatienten sowie zwischen akademischen Lehrkrankenhäusern und konventionellen Krankenhäusern unter der Annahme, dass erstere in Kongresszeiten unter einem stärkeren Kardiologenexodus zu leiden haben.

„Beruhigend zu wissen“

Je nach Sichtweise kann das Ergebnis beruhigend oder erstaunlich genannt werden. Bei Hochrisikopatienten war die 30-Tage-Mortalität bei Herzinsuffizienz und bei Herzstillstand nach Adjustierung für Störgrößen während der Kongresstage in den Lehrkrankenhäusern signifikant geringer (Herzinsuffizienz 17,5 vs. 24,8%, p<0,001; Herzstillstand 59,1 vs. 69,4%, p<0,01). Als mögliche Erklärung für diesen Befund diskutieren die Autoren Überversorgung und die damit verbundenen Risiken.

Beim AMI gab es keine Unterschiede zwischen Kongresswochen und normalen Wochen (39,2 vs. 38,5%). Allerdings war die Rate der perkutanen Interventionen zu Kongresszeiten mit 20,8 vs 28,2% signifikant (p=0,02) geringer. Dies könne darauf hindeuten, dass die Akut-PCI beim AMI eher zu oft eingesetzt werde, so die Autoren.

Keine statistisch signifikanten Unterschiede gab es in Lehrkrankenhäusern bei Patienten mit niedrigem Risiko. Ebenfalls keinerlei Unterschiede sowohl bei Hochrisiko- als auch bei Niedrigrisikopatienten wurden in den nicht-akademischen Häusern gefunden. Eine wichtige Limitation der Mortalitätsanalysen der Studie besteht darin, dass anhand der Daten nicht festgestellt werden kann, woran die Patienten letztlich starben.

Literatur

Jena AB et al. Mortality and Treatment Patterns Among Patients Hospitalized With Acute Cardiovascular Conditions During Dates of National Cardiology Meetings. JAMA Intern Med. 2014 Dec 22. doi: 10.1001/jamainternmed.2014.6781