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09.04.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Kardiologische Reha

Spiroergometrie erlaubt Aussagen über die Prognose

Autor:
Prof. Dr. Heinz Völler, Universität Potsdam

Beim Erhalt bzw. der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit kardiologischer Patienten kommt der medizinischen Rehabilitation und der damit verbundenen sozialmedizinischen Begutachtung eine besondere Rolle zu. Ob dabei der Spiroergometrie eine eigenständige Bedeutung beigemessen werden kann, wurde nun untersucht.

Das Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, die Vorhersagekraft spiroergometrischer Parameter im Hinblick auf die berufliche Wiedereingliederung im Vergleich mit anderen funktionellen und psychologischen Parametern zu untersuchen.

Wir analysierten die soziodemografischen und klinischen Daten eines prospektiven Registers von 469 Patienten (mittleres Alter 51,5 ± 6,9 Jahre, 87,9% Männer), die zwischen 6/2009 und 12/2011 einer dreiwöchigen stationären Rehabilitation, vorwiegend nach einer perkutanen Koronarintervention (PCI) mit oder ohne akutes Koronarsyndrom (62,6%), einer aortokoronaren Bypassoperation (17,2%) und Aortenklappenersatz (9%) zugewiesen wurden. Bei der Aufnahme wurden die Patienten einer nicht invasiven kardiologischen Funktionsdiagnostik (2-D-Echo, Belastungs-EKG, 6-Minuten-Gehtest) und einem psychodiagnostischen Screening unterzogen. Vor der Entlassung erfolgte eine spiroergometrische Untersuchung. Deren Kennwertem z.B. die maximale Sauerstoffaufnahme, wurden hinsichtlich ihrer prädiktiven Bedeutung für die berufliche Wiedereingliederung unter Kontrolle von weiteren Patientenparametern (z.B. Alter, Geschlecht, Reha-Indikation) mittels Cox-Regression analysiert. Dabei wurde die Zeit bis zur Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit (Sozialdaten der Deutschen Rentenversicherung, Stichtag 31.12.2012) als Zielgröße operationalisiert.

Eigenständige prognostische Bedeutung

Während einer Nachbeobachtungszeit von 26,5 ± 11,9 Monaten gelang bei 373 Patienten (76,3%) die berufliche Wiedereingliederung, 60 Patienten (12,3%) wurden berentet.

Eine höhere Anzahl von Komorbiditäten (p = 0,011) sowie eine in der sozialmedizinischen Leistungsbeurteilung klassifizierte schwere Arbeit (p < 0,001) waren negativ mit der beruflichen Wiedereingliederung assoziiert. Die Wahrscheinlichkeit zur beruflichen Wiedereingliederung stieg hingegen mit zunehmender Belastbarkeit bei der Aufnahme in die Rehabilitation(p < 0,001) und war gleichzeitig für die elektive PCI (p = 0,02) erhöht.

Die während der Spiroergometrie maximal erreichte Leistung (Watt) (p = 0,009) sowie der VE/VCO2-Slope (p = 0,027) hatten eine eigenständige prognostische Bedeutung. Zudem war eine Berentung unwahrscheinlicher, je höher die Sauerstoffaufnahme am Beginn des aerob-anaeroben Übergangs war (VO2AT; p = 0,016).

Fazit

Unter Beachtung einer Vielzahl von Variablen haben neben den wenigen bekannten Einflussgrößen wie der Grunderkrankung, der Anzahl von Komorbiditäten und der Arbeitsschwere zwei Parameter der Spiroergometrie eine eigenständige Vorhersagekraft hinsichtlich der beruflichen Wiedereingliederung. Da dieser Funktionstest im Vergleich zu anderen funktionellen Untersuchungen (Belastungs-EKG, 6-Minuten-Gehtest) durch Ermittlung der metabolischen Ausbelastung die Mitarbeit des Patienten objektiviert, sollte die Spiroergometrie obligater Bestandteil der sozialmedizinischen Einschätzung von Patienten in der kardiologischen Rehabilitation sein.

Literatur