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30.08.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Herzinfarkt ohne Herzinsuffizienz

Spironolacton ohne Wirkung – aber nicht auf der ganzen Linie

Autor:
Dr. Dirk Einecke

In der Akuttherapie von Patienten mit Herzinfarkt ohne Herzinsuffizienz blieb Spironolacton in der beim ESC-Kongress 2015 präsentierten ALBATROSS-Studie ohne Wirkung. Eine Hoffnung bleibt jedoch: In der Subgruppe der STEMI-Patienten deutete sich ein deutlicher prognostischer Vorteil an.

Wenn Patienten mit akutem Herzinfarkt einen hohen Aldosteron-Wert aufweisen, ist dies eindeutig ein schlechtes prognostisches Zeichen. Eine Therapie mit dem Aldosteron-Blocker Eplerenon verbessert die Prognose von Herzinfarkt-Patienten, sofern der Patient in den Tagen nach dem Infarkt eine Herzinsuffizienz mit einer Ejektionsfraktion unter 40% entwickelt – nachgewiesen in der EPHESUS-Studie. Behandelt mit Eplerenon wurde frühestens ab dem dritten Tag nach dem Akutereignis.

Sehr früher Therapiebeginn

Ist die Behandlung mit einem Mineralkortikoid-Rezeptor-Antagonisten eventuell auch schon in der Akuttherapie des akuten Herzinfarktes vorteilhaft, bevor sich überhaupt eine Herzschwäche ausprägt? Dieser Frage ist man in der ALBATROSS-Studie (Aldosterone Lethal effects Blockade in Acute myocardial infarction treated with or without Reperfusion to improve outcome and Survival at Six months follow-up) nachgegangen, deren Ergebnisse der Kardiologe Prof. Gilles Montalescot, Centre Hospitalier Universitaire Pitié-Salpetrière in Paris, vorstellte.

1.600 Herzinfarkt-Patienten wurden unse lektiert so früh wie möglich – mitunter schon im Krankenwagen – auf eine Therapie mit 200 mg Kaliumkanreonat i.v. und im Anschluss mit 25 mg/d Spironolacton für sechs Monate bzw. Placebo randomisiert. Patienten mit unkontrollierten Kalium- oder Kreatininwerten oder anamnestischer Herzinsuffizienz wurden ausgeschlossen. Die Studien-Patienten waren im Schnitt 58 Jahre alt und wiesen zu ca. 80% einen STEMI auf, der mit einer perkutanen Koronarintervention (PCI) behandelt wurde.

Primärer Endpunkt neutral

Primärer Endpunkt war die Kombination der Ereignisse Tod, Wiederbelebung nach Herzstillstand, Kammerflimmern oder Kammertachykardie, ICD-Implantation oder Herzinsuffizienz-Entwicklung. Auf die Rate für diesen Endpunkt hatte die Aldosteron-Blockade keinen Einfluss (11,8% vs. 12,2%), so Montalescot. 3% der Patienten entwickelten eine Hyperkaliämie, weniger als erwartet.

Günstiges prognostisches Signal bei STEMI-Patienten

Hoffnung macht ein Blick in die Subgruppen. Betrachtet man nur die STEMI-Patienten, immerhin das Gros der Patienten, und hier nur den härtesten aller Endpunkte, die Gesamtmortalität, so offenbarte sich hier ein erstaunlicher Effekt: Spironolacton reduzierte das Sterberisiko um 80%. Zugleich war die Behandlung bei den NSTEMI-Patienten mit einer nicht signifikant um den Faktor 3,5 höheren Mortalität assoziiert. Das positive Subgruppen-Ergebnis muss, so Montalescot, mit großer Vorsicht betrachtet und idealerweise in einer weiteren Studie mit ausschließlich STEMI-Patienten überprüft werden.

Sein Fazit: Trotz ermutigender präklinischer und Register-Daten enttäuscht Spironolacton in der akuten Herzinfarkttherapie, erweist sich aber als sicher. Derzeit gibt es keinen Grund, Aldosteron-Blocker bei Herzinfarkt ohne Herzinsuffizienz einzusetzen.

Literatur

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