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30.01.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Bewegung

Sport bei Herzinsuffizienz: Was ist genug, was zu viel?

Autor:
Dr. med. Peter Stiefelhagen

Herzinsuffiziente Patienten benötigen neben Pillen und Strom, sprich Devices, auch ein regelmäßiges Ausdauertraining. Ein solches verbessert nicht nur die Lebensqualität sondern auch die Überlebensprognose.

Die Zeiten, als man herzinsuffizienten Patienten noch weitestgehende körperliche Schonung empfahl, sind längst vorbei. „Heute weiß man, dass ein regelmäßiges Ausdauertraining auch bei herzinsuffizienten Patienten vielfältige günstige Effekte entfaltet, die nicht nur die Belastbarkeit und somit die Lebensqualität sondern auch die Prognose quo ad vitam verbessern“, sagte Prof. Rainer Hambrecht, Direktor der Klinik für Kardiologie Links der Weser in Bremen. So kommt es zu einer Verbesserung der Endothelfunktion, zu einer Stimulation der Angiogenese und somit der Kollateralbildung, zu einer Steigerung des vagalen Tonus, was die elektrische Stabilität fördert, zu einer Verbesserung des Lipid- und KH-Stoffwechsels und auch das neurohumorale System wird günstig beeinflusst.

In einer Cochrane Metaanalyse wurden 47 Studien bei 10.794 KHK-Patienten, die die Wirkung eines Ausdauertrainings als Teil der kardiologischen Rehabilitation mit einer medikamentösen Standardtherapie ohne Ausdauertraining verglichen, ausgewertet. „Die Ergebnisse sind durchaus beeindruckend“, so Hambrecht. Durch das Training konnte die Gesamtmortalität im Langzeitverlauf um 13%, die kardiovaskuläre Mortalität um 26% und die Notwendigkeit einer Krankenhausaufnahme um 31% gesenkt und auch eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden.

Vorsichtiger Einstieg

Grundsätzlich empfehlen sich bei herzinsuffizienten Patienten aerobe Ausdauerbelastungen über mindestens 30 Minuten bei moderater Intensität an mindestens 3 Tagen der Woche. Zusätzlich sollten 2- bis 3-mal wöchentlich dynamische Kraftbelastungen durchgeführt werden, wobei allerdings hohe isometrische Komponenten vermieden werden sollten. „Bei KHK-Patienten sollte das Training immer unterhalb der Angina-pectoris-Schwelle erfolgen“, so Hambrecht.

Doch der Einstieg in das Belastungsprogramm sollte vorsichtig und stufenweise erfolgen. Zunächst empfiehlt sich die Bestimmung der maximalen Herzfrequenz. Daraus lässt sich die Herzfrequenzreserve berechnen und zwar nach der Formel: Herzfrequenzreserve = Herzfrequenz in Ruhe + (maximale Herzfrequenz – Ruhe-Herzfrequenz) x Intensität der Belastung. Am Anfang sollten nur 40% der Herzfrequenzreserve ausgeschöpft werden und zwar mit 5- bis 10-minütigen Trainingseinheiten. Dann wird die Trainingsdauer allmählich verlängert, bevor die Trainingshäufigkeit und schließlich die Trainingsintensität erhöht werden. „Ziel ist eine Trainingsdauer von 20 bis 40 Minuten täglich 3- bis 5-mal pro Woche bei einer Ausschöpfung der Herzfrequenzreserve von 60 70%“, so Hambrecht. Ein solches Training sei auch für ältere Patienten über 60 Jahre sinnvoll. In entsprechenden Studien habe man damit im Durchschnitt das NYHA-Stadium um eine Stufe und die maximale Sauerstoff-Aufnahme um ca. 20% verbessern können.

HF-Action-Trial: Intensität und Compliance zu niedrig

In der HF-Action Trial wurden 2.331 Patienten mit einer mittleren LV-EF von 25% randomisiert einer Trainingsintervention unterzogen, beginnend mit 3 x 15–30 Minuten/Woche mit Steigerung nach 18 Sitzungen auf bis zu 5 x 40 Minuten/Woche. Beim primären Endpunkt der Studie, nämlich Gesamtsterblichkeit oder Krankenhausbehandlung ergab sich zunächst kein signifikanter Unterschied. „Doch bei entsprechender Risikoadjustierung im Hinblick auf LV-EF oder Vorliegen von Vorhofflimmern schnitten die Trainierten auch in dieser Studie signifikant besser ab“, so Hambrecht. Doch sei der kcal-Verbrauch mit 200 bis 250 kcal pro Woche wahrscheinlich zu gering gewesen, um die günstige Wirkung eines Ausdauertrainings überzeugend belegen zu können. Auch hätten 30% der Patienten die vorgeschriebenen Trainingseinheiten nicht eingehalten.

Aber nicht nur bei der systolischen, sondern auch bei der diastolischen Herzinsuffizienz dürfte das Ausdauertraining vorteilhaft sein. In einer ersten Studie wurde auch hier die Belastbarkeit und die maximale Sauerstoffaufnahme verbessert und auch der Echo-Parameter E/e´ und der linksatriale Volumen-Index nahmen ab. „Ausdauertraining ist bei Herzinsuffizienz ein gut wirksames und auch sicheres Therapieprinzip, es gibt keinerlei Hinweise dafür, dass dadurch das Arrhythmie-Risiko ansteigt“, so Hambrecht.

Literatur

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