Onlineartikel 10.12.2014

Sport mit ICD? Ja, aber...

Laut Leitlinien sollten Patienten mit ICD moderatem Freizeitsport frönen, nicht aber dem Leistungssport. Erfahrungen mit Sportlern, die diese Empfehlung ignorieren, zeigen: Es geht.

Es gibt gleich mehrere Gründe, warum viele Kardiologen ICD-Trägern von exzessivem Sport bis hin zum Leistungssport eher abraten.

So sind das Risiko ventrikulärer Rhythmusstörungen und damit die Rate der ICD-Entladungen während sportlicher Betätigung höher. Und die Elektroden des ICD könnten durch „unphysiologische“ Bewegungen dislozieren oder brechen.

Theorie und Praxis

Das ist die Theorie. In der Praxis sehe es freilich so aus, dass ICD-Träger, die vor der Implantation eines ICD intensiv Sport betrieben haben, dies auch danach in den meisten Fällen wieder tun, sagte PD Dr. Carsten Israel vom Evangelischen Krankenhaus Bielefeld. Wie ergeht es diesen Menschen?

Die ersten etwas detaillierteren Daten zu dieser Frage wurden im Jahr 2013 publiziert. US-Kardiologen haben die Erfahrungen von 372 professionellen und semi-professionellen Athleten mit ICD ausgewertet, und zwar in Sechsmonatsintervallen für im Median 31 Monate (Lampert R. Circulation 2013;127:2021-30).

Im Mittel waren die Patienten 33 Jahre alt, ein Drittel war weiblich. Die häufigsten Sportarten waren Basketball, Fußball sowie Joggen.

Schockabgaben häufiger

Die Daten zeigten eindeutig, dass ICD-Entladungen bei (semi-)professionellen Sportlern häufig sind, so Israel. Bei 10% kam es im Studienzeitraum während des Sports zu Schocks. Nur jeder zehnte dieser Patienten hörte daraufhin mit dem Sport auf.

Weitere 14% hatten Schockapplikationen in Ruhe oder bei nicht-sportlicher körperlicher Betätigung. Gesundheitliche Probleme resultierten aus den Schockabgaben nicht. Es gab keine Todesereignisse durch Tachyarrhythmien.

Und trotz Sport lag die Rate der Patienten mit Elektrodenmalfunktion fünf Jahre nach Implantation nur bei 3% und zehn Jahre danach nur bei 10%.

Auch in Europa setze sich zunehmend die Auffassung durch, dass die restriktive Haltung der Vergangenheit überdacht werden sollte, sagte Israel beim 6. Euro VT/VF Meeting in Berlin.

Nicht den Spaß verderben

So haben Experten aus Belgien und Frankreich kürzlich einen Review publiziert, in dem darauf aufmerksam gemacht wird, dass durch Sportabstinenz auch die positiven Effekte der körperlichen Betätigung bei Herzerkrankungen wegfallen (Heidbuchel H. Eur Heart J 2014;35:3097-102).

Er denke, dass Sportler mit ICD-Geräten nicht durch Empfehlungen unglücklich gemacht werden sollten, für die es keine Datengrundlage gibt, so Israel. Statt pauschaler Verbote plädierte er für eine individuelle Herangehensweise, bei der auch Leistungssport nicht von vornherein ausgeschlossen wird.